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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Seite 9 sie war in schwerer bäuerlicher Arbeit zu Wohlstand gekommen und ein rechtes Bauerngeschlecht geworden. Von Davids Vater wird erzählt, daß er ein Kiese von unheimlicher Stärke war, der einmal eine Horde von Wegelagerern mit der Faust in die Flucht jagte. Der Dichter hat das Bild des jähzornigen und doch weichen Mannes, den er schon als Kind von sieben Jahren durch die Cholera verlor, treu bewahrt. Eine Fahrt zu des Vaters Grab war die letzte Reise, die David 1906, wenige Monate vor seinem Ende, unternahm. Auch er hatte die „Enaksnatur" des Vaters geerbt, aber Not, Leid und Krankheit stürmten, seitdem die Familie nach dem Hinscheiden des Ernährers verarmt war, unaufhörlich auE den kräftigen Körper ein und zerbrachen ihn früh: nur 47 Jahre ist David alt geworden. Schon den verwaisten Gymnasiasten traf ein schweres Geschick: eine typhöse Erkrankung nahm ihm einen grossen Teil der Sehkraft und des Gehörs. Was das für sein Leben bedeutete, aber auch wie er sich selbst Trost zu geben suchte, das hat der Dichter später in seinem ergreifenden Gebet ausgesprochen: Allmächtiger! Du hast mir viel genommen, Du weisst allein, was alles ich verlor; mein Auge sieht die schöne Welt verschwommen, und nur gedämpft, gekämpft und leise kommen des Lebens Laute in mein krankes Ohr. Einst tat mir's weh — und war zu meinem Frommen, ich dank' Dir's heute, schalt ich Dich zuvor — Du hast mir vielen Jammer, manches Grauen erspart zu hören und erspart zu schauen---- Unter Schwierigkeiten, die einen anderen erdrückt hätten, studierte David in Wien deutsche Philologie und Geschichte. Er war ohne Geld und ohne jede Unterstützung, er musste sich wegen seiner Schwerhörigkeit sein Wissen mehr aus unaufhörlichem Lernen, aus „unbändigem" Lesen, als aus den Vorlesungen aneignen. Er hungerte viel, denn was er durch Stundengeben verdiente, reichte nicht für das Notdürftigste aus. Monate lang konnte er sieh kein Zimmer leisten und übernachtete unter einem Bogen der Elisabethbrücke oder wärmte sich bei Kaffee und Brot in einem Vorstadtwirtshaus, bis es geschlossen wurde. Aber niemand ahnte etwas von diesem Elend. Aufrecht, niemals klagend, mit tapferem Humor, oft auch mit stolzer Schroffheit sich über seine bittere Not hinwegsetzend — so ging David durch .«eine Studenten jähre. Rückblickend, berichtete er von ihrem Abschluss: „1881 absolvierte ich und machte meine schriftliche Lehramtsprüfung zur Hälfte; weiter kam ich nicht, weil ich die Taxen nicht «schwing--;i konnte, nii-h; die Mittel, auch nur «sine Zr-it ruhig zu arbeiten. Ich hätte mich gerne habilitiert; der Gedanku war bei meiner Not unsinnig, mein Gehörleiden verschloss mir das Gymnasiallehramt." So dauerte das Elend, oft mit Hunger und Obdachlosigkeit, fort, denn David brachte es nicht über sich, seinen Freunden oder seinen akademischen Lehrern, die den begabten, charaktervollen jüdischen Studenten hoch schätzten, den beiden Germanisten Richard Heinzel und Erich Schmidt, seine Lage zu schildern. Erst lange nachdem eine Hauslehrerstelle ihn über die ärgste Not hinausgehoben hatte, erzählte er Erich Schmidt, der ihm ein Freund und ein massgebender Beurteiler und Förderer seiner Kunst wurde, was hinter ihm lag. Sein Leidensweg war nach dieser Atempause nicht zu Ende. David wurde Journalist, ein Mitarbeiter grosser Wiener und Berliner Blätter, in denen er, neben prachtvollen literarischen Aufsätzen, auch schon Zeugnisse seiner wunderbaren Naturbeobachtung und -Beseelung gab. Wie 'wenig ihn die Tagesschriftstellerei im Dienst der Zeitungen befriedigte, das hat er in der Novelle: Ein Poet? offenbart: der Berichterstatter, der ein Dichter ist und es in dem unbarmherzigen ' Zeitungsbetrieb zu nichts bringt, ist deutlich mit den Zügen und körperlichen Gebrechen Davids gezeichnet. Aber wenn in dieser Geschichte der Unglückliche einem traurigen, gänzlich zerstörten Leben selbst ein Ende macht, David hielt allen finsteren Gewalten stand. Denn der Leidgestählte fing an, das Glück eigenen dichterischen Schaffens zu empfinden: in der knappen Zeit, die ihm nach den Privatstunden, nach der Arbeit des Brotjournalismus VOM OPERNPLATZ r-"\ Gr.Bocteoii.He r Steinweg 9 v f---\ Biebergasse V. r Biebergasse 1 V„ J c Schillerplatz 9 Ecke BleHergassej Zigarren-Meyer Inn. Dr. J. Weiler Vorverkauf für dl« Kulturbund-Veranstaltungen bleibt jede Dame stehen, da das Fenster von 'Tinesse jeden Tag interessante Neuheiten in Kleidern, Kostümen, Blasen, Pullover und Röcken zeigt. Alffred Adler i**m PALESTINE «& ORIENT LLOYD Schiffs« u. Eisenbahnkarten nach allen Richtungen REPARATUREN AHo unmod.Uhren nehm» ich bei Neukauf in Zahlg. UHREN-SINGER direkt an der Hauptwache Pelz«Hess l. Etage Pelz-Mäntel / Jacken Besatzfelle t Füchse TASCHEN-SCHIRME Original Knirps Original Fips Die grofje Mode von 9.75 an FERDINAND HIRSCH Inhaber Otto Pirk Wolle,Seide,WaschgewebeKauftmanim' SEIDEN-PARADIES an den Haupkacheim Hause Cafe Wien ZUR HAUPTWACHE

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