Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 2 (11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8 VOM OPERNPLATZ r Goethestraße 25 V. J \ Goethestr. 22 /——\ GoethestraDe 21 v„ j Gegr 1 865 F. Lissa Wwe. Wäiche-A ussteuern, -Bettwäsche, Tischwäsche, LeibwSsche,[KCchenwlsche, Taschentücher, Strümpfe Spexial-Anfertigung für Auswandere Goethe- Sch u h haus M. Oppenheimer ,Hassia-Sana der Schuh für die Dame und den Herrn E. FULD & Co. WÄSCHE-SPEZIALHAUS Herren- und Damenwäsche, Bett-, Tischu. Küchenwäsche, Kinderkleider Gute Qualität Billige Preise Günstige Ge'egenheit für Brautleute U.Auswanderer Wäsche« Spezi alhaus Heinemann & Lehmann Gegr 1903 Telefon 23486 MODE-RICHTER Das Spezialgeschäft der gut angezogenen Frau MÄNTEL, KOSTÜME, KLEIDER- BLUSEN, ROCKE LOE WEN HERZ Altbekannt für gute Koffer1« Lederwaren zu niedrigen Preisen Hermann Loeb V Mediz.-Drogerie und Parfümerie Alle einschlägigen Artikel auch Gr. Bockenh.Str. 5 Tel. 27690 ZUR HAUPTWACHE wirklich waren. Immer neue Bilder traten ihm vor das Auge, immer neue Bücher wurden daraus. Sie muten uns nicht mehr alle lehendig an. Auf Komperts grosse Romane zumal ist schon viel Staub gefallen. Ihre Probleme sind nicht mehr die unseren oder sie sind verändert, mit so unerbittlicher Schärfe erstanden, daß die freundliche Lösung, die sie bei Kompert finden, unmöglich erscheint. Auch wo zu viel lehrhaftes Beiwerk, zu viel empfindsames Grübeln in den Geschichten niedergelegt ist, da wirken sie, bei aller Tüchtigkeit, veraltet. Aber noch immer bleiben genug prachtvolle Stücke. Das pädagogische Zöpf chen, das ihnen anhängt, stört nicht. Wir freuen uns an der Heilung von jugendlicher Ueberheblichkeit, wie sie in Eisiks Brille so ergötzlich erzählt wird. Wir lesen noch mit Genuss, wie die verzogene, bleichsüchtige, bei ihren Büchern eingebildet gewordene Tochter der reichen Hanne!e Ehrenfeld, die Prinzessin, auf dem Dorf unter dem Einfluß der trefflichen Bäuerin Gitel an Körper und Geist gesundet, wie sie die gering geschätzte ländliche Arbeit achten, die einfachen, tatkräftigen jüdischen Bauern lieben lernt. Erquickend wirkt auch die bittere Kur, die in Julius Arnsteiners Beschau der komische, mit totem Wissen vollgepfropfte Lehrer mitmachen muß, um von der Verliebtheit in ein vornehmes Gänschen, von der Uebersehätzung äusserer Werte geheilt zu werden und zu erkennen, daß nur Gemüt und Herzensbildung Liebe verdienen. Ausgezeichnet in ihrer Mischung von Ernstem und Frohem sind aus den „Verstreuten Geschichten" Korporal Spitz mit den Briefen, die der wackere jüdische Soldat der K. K. Armee vom Kriegsschauplatz an seine Eltern in Böhmen schreibt, und die Blätter „ Von meinem Grossvater". Nadler urteilt in seiner Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften über Kompert: „Hier sagte seit Menschengedenken wieder der erste Jude offen zu seinem Volkstum ja." Aber er fährt fort, Kompert habe das Ghetto in wohlberechnete Lichtkegel gerückt, ihm seien in den Judenvierteln nur Schönheit, Güte und Ehrlichkeit begegnet. Nein, so ist es nicht. Die Liebe, von der Kompert erfüllt war, hat ihn nicht blind, sondern sehend gemacht, und von Berechnung ist sein.? Art weit entfernt. Nicht nur Licht, auch Dunkel, nicht nur Weisheit, Milde, Demut und Friede, auch Torheit, Härte, Anmassung und Streitsucht hat er gesehen und dargestellt. Auf dem Grund von Sünde und Schwächen hat er viele seiner ernsten, eindrucksvollen Erzählungen aufgebaut. Nur» ein Beispiel sei genannt: die packende Geschichte Gottes Annehmerin mit der grossartigen Gestalt der alten Pessel, die als das Gewissen der „Gasse" ohne Zagen jedem Unrecht entgegentritt, die nicht ruht und rastet, bis sie den Betrug, durch den ein Waisenkind um seine Habe gebracht worden ist, enthüllt und den Schuldigen am Vorabend des Versöhnungstages zum Bekenntnis und zur inneren Wandlung geführt hat. Ohne Scheu hat Kompert den Dünkel der Reichen, die falsche Einschätzung von Geld und Gut, die Vorurteile gegen den Handwerkerstand geschildert. Aber er hat die allgemein menschlichen, wie die in Druck und Drangsal übernommenen Fehler nicht als unüberwindlich angesehen. Er hat mii Liebe und Hoffnung die sittlichen Kräfte, die das Judentum erhalten haben, hervortreten lassen. Er hat von den zu wenig gekannten und gewürdigten, oft unbillig beurteilten Menschen berichtet, „in dem ruhigen, stillen, fast frommen Ton, den die altertümliche, halbverschüttete Welt verlangte, in dem Ton, in dem man Jüngeren von der Tapferkeit ihrer Vorfahren erzählt. Der epischen Bedeutung eines jahrhundertelangen Martyriums ist e r erst, und fast er allein, gerecht geworden." Jakob Julius David Gemütvoll traulich spricht uns Kompert in seinen besten Geschichten an, aber Jakob Julius David kommt uns viel näher. Nicht weil er zeitlich mehr zu uns gehört, sondern weil er das gewesen ist, was Kompert nicht war: ein Künstler von eigener, herber Kraft, ein Dichter von leidenschaftlicher Ursprünglichkeit. David war 1859 in Mähren geboren. Die jüdische Familie, deren Sohn er war, lebte schon lange dort auf ländlichem Bi-sitz;