Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 2 (11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7 Zwei jüdische Erzähler von Dr. Siegmund Hirsch Der Monat November weckt die Erinnerung an zwei ausgezeichnete jüdische Erzähler. Ein halbes Jahrhundert ist am 23. November seit dem Tod von Leopold Kompert vergangen, und vor 30 Jahren, am 20. November, ist Jakob Julius David gestorben. Es ist ein Besinnen auf das Beste der eigenen Art, wenn wir dieser beiden Männer gedenken. Daß ihre Namen schon der Vergangenheit angehören, darf uns nicht zu der "Meinung verleiten, daß ein Begehen solcher Erinnerungstage ein Durchblättern vergilbter Seiten der Literaturgeschichte bedeute. Wir fühlen heute stärker als jemals, daß für den Lesenden ein Zurückgehen zu älteren Zeiten oft ein Vorwärts- und Aufwärtsschreiten ist. Werke, die wir früher nicht beachtet haben, weil unaufhörlich Neues zu ungehemmter Anteilnahme einlud, sprechen nun mit ihrer stillen Kunst, mit ihren bleibenden Werten zu uns. Sie machen uns durch die Persönlichkeiten ihrer Schöpfer mit Männern bekannt, die auch zur Ehre der jüdischen Gemeinschaft gearbeitet haben; zu ihnen zurückzukehren, bedeutet nicht totes Erinnern, sondern aufrichtendes, beglückendes Erleben. Leopold Kompert In der „Gasse'', dem Judenviertel des böhmischen Städtchens Münehengrätz, war Kompert 1822 geboren. Die phantasievolle, gebildete Mutter hatte dem Knaben die Naturfreude und das künstlerische Empfinden vererbt; sie führte ihn in die grosse Dichtung aller Völker ein und gab seinem Geist Anregung. Der Grossvater, der als Lehrer und Vorbeter in alle Häuser kam und seinen Enkel bei seinen Gängen, auch über Land, oft mitnahm, erfüllte ihn mit Verständnis und Liebe für die „Gasse", für die jüdische Ümwelt. Er gab ihm die Weisheit des jüdischen Schrifttums, auch der Sagen und Märchen, als einen unverlierbaren Schatz mit ins Leben. Der stille, verträumte Junge durfte studieren. Nach entbehrungsvollen Jahren in Prag und Wien, nach einer Tätigkeit als Journalist und als Hauslehrer, nach schriftstellerischen Anfängen — kleinen Skizzen vom Leben der „Gasse" — kam der erste Erfolg mit dem Buch: Aus dem Ghetto. Der Aufstieg ging weiter. Kompert fand eine gute Stellung; in einem gesicherten Dasein, im Frieden eines behaglichen Familienlebens konnte er ein Werk nach dem anderen schaffen. Er wurde ein berühmter, gefeierter Mann; die Universität Jena machte ihn zum Ehrendoktor. Der Weimarische Grossherzog Karl Alexander, der den jüdischen Erzähler und seine Ghettoschilderungen liebgewonnen hatte, nahm die Widmung der Geschichten einer Gasse an. Kompert wurde Präsident des Wiener Zweigvereins der Schillerstiftung, und in diesem ehrenvollen Amt hat er, der neidlos jede Leistung anerkannte und ein edler, hilfsbereiter Mensch war, manchen Grossen des deutschen Schrifttums aus schwerster Not befreit: so den tiefsinnigen österreichischen Mundartdichter Franz Stelzhamer, Otto Ludwig und Ferdinand von Saar. Aber so sehr auch sein Wirken in die Weite ging, Kompert blieb der schlichte, überzeugte Jude, der im Vorstand der Wiener israelitischen Gemeinde und besonders in tätiger Mitarbeit an der Erziehung und Bildung der jüdischen Jugend dieselbe Gesinnung zeigte, die alle seine Bücher bekundeten. Zurückschauend auf dieses an Frucht und Segen reiche Dasein, sagt Stefan Hock, der Komperts Werke herausgegeben hat: „Der liebenswerte Mann hat viel Liebe gefunden, sein mildes, versöhnliches Wesen hat selbst seine Gegner bezwungen. So ist er mit leisen Schritten rein und gütig durchs Leben gegangen." Man darf Kompert den „Vater der Ghettogeschichte" nennen, wenn auch vor ihm Bernstein seine hübschen Erzählungen aus dem jüdischen Leben geschaffen hat. Denn erst für Kompert ist der Bezirk, der eng begrenzt schien, ein weites Eeich geworden. Das Herz des treu mit Glaube und Heimat Verbundenen war voll von den menschlichen Schicksalen, von dem, was er an Freud und Leid,, an Kraft und Schwäche, an Großem und Kleinem in der „Gasse" erlebt und erfahren hatte. Es drängte ihn, diesen Kreis mit all seinen ernsten und heiteren Gestalten zu schildern, diese Menschen in Sprache und Empfinden so darzustellen, wie sie VOM ESCHENH.TURM Nnr Rahmhofstr. GUSTAV KAHN t«i. 23625 TAPEZIERERMEISTER Qualitäts-Polstermöbel In nendekoration Stahlrohrmöbel direkt vom Hersteller Scblllerstr. S. MARX gegenüber Börsenplatz Scblllerstr. /-N Gr.Escbenli.Str. 8 1 Das bekannte Fachgeschäft für Damenwäsche, Tischu. Bettwäsche, Handschuhe, Strümpfe L. EPSTEIN Spezialgeschäft für Herrenu. Damenwäsche - Strümpfe Grosse Auswahl in bekannten Markenartikeln DROGERIE SCHNEEMANN TOILETTE-ARTIKEL Für Auswanderer; Nach eigenem Wunsch zusammengestellte Apotheken BUCHERSTUBE WALTER SCHATZKI ZIGARRE N «STRAUSS Telefon 26996 Spezialangebote feinster Fehlfarben Sandblatt - Zigarren in all. Preislagen SPEISEHAUS WOLF (an der Hauptwache) Der gute bürgerliche Mittag- und Abendtisch Mittagessen ab RM. 1.10 Abendessen nach der Karte ZUR HAUPTWACHE