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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 Erinnerung an den 50. Todestag des Freiherrn Mayer Karl von Rothschild Am Samstag, den 3. Oktober, vermeldeten die Tageszeitungen Frankfurts in Bild und Wort den „50. Geburtstag des Westhafens". Leise tauchte dabei in unserem Gedächtnis eine Jugenderinnerung auf. Am Tage der Hafeneinweihung — dem 16. Oktober 1886, einem wie diesmal auf den 17. Tischri gefallenen, auch gleich unfreundlichen, nasskalten Sabbat der Mittelfeiertage des Sukkausfestes, hatte ein anderes Ereignis mehr Eindruck auf uns gemacht: Der Tod des „Baron Mayer Karl". Und doch ahnten wir damals noch nicht einmal, dass wir binnen Jahresfrist als theaterfreudige Sekundaner unseren Dramenhunger in schönen, oft mit dem Titelschildchen „Günthersburg" versehenen Bänden etwa des in der Schule jener Zeit noch nicht berücksichtigten Grillparzer aus des Verstorbenen „öffentlich" und „frei" benutzbar gewordener Bibliothek sollten stillen dürfen. (Sie war vorerst noch anspruchslos im 2. Stock eines Miethauses Ecke Bethmann- und Weissfrauenstrasse untergebracht, in dessen Hausflur unsagbar prächtige Riesenvasen aus chinesischem Porzellan unser Staunen erregten. Die vorübergehende Schaustellung der übrigen, von dem unermüdlichen Kun-stifreund gesammelten Schätze mit dem weltberühmten „Jamitzer-Aufsatz" als Mittelpunkt im Hause am Untermainkai kam erst mehrere Jahre spä-. ter, ehe sie unter die Erben im Ausland verteilt wurden.) Aber unser Gedenken wurde alsbald wieder zurückgescheucht, als wir am jüngstvergangenen 17. Tischri in einer der ältesten und stilvollsten Synagogen Frankfurts, die der Familie Rothschild geradezu ihre Existenz verdankt, zwar das Jahrzeitsplättchen für den Verewigten richtig vorfanden, aber mit der Jahreszahl 5648 statt 5647, wie es hätte heissen müssen, wenn wir uns nicht irrten. Und wir hatten uns in der Tat nicht geirrt. Um so mehr aber scheint es Pflicht, heute, in diesem Frankfurter Blatte den 50. Todestag Mayer Karls Freiherrn von Rothschild zu erwähnen. Gewiss hat er sich unter der Judenheit seiner Vaterstadt bei weitem nicht so viel Anrecht auf dauernde Dankbarkeit erworben wie bei deren Bürgerschaft im allgemeinen, wovon vor längerer Zeit an dieser Stelle (s. Gemeindebl. 12. Jahrg. No. 3, Nov. 1933) die Hede war. Aber es ziemt sich doch zu bemerken, daß die wichtigste Stiftung aus seinem Besitz, die heutige „Bibliothek für neuere Sprachen und Musik" auch manches Wertvolle, ja sogar Kostbare aus dem jüdischen Büchererbe seines Hauses umfasste. Für seine Anhänglichkeit an dessen jüdisches Bewusstsein zeugt es nicht nur. daß er, wie uns aus intimerer Tradition bekannt ist, die „Mischehen" zweier seiner Töchter mit katholischen Gatten aus dem hohen französischen Adel nur sehr schweren Herzens geschehen liess. Es darf auch darauf hingewiesen werden, daß in den hebräischen Inschriften der „ewigen Lampen", deren stattliche Gruppe, durchweg das freiherrliche Familienwappen tragend, die Hauptzierde jener Synagoge der Israelitischen Männer- und Frauen-Krankenkasse bildet, sein Name, sei es als Stifter oder als „Gememorter" häufiger vorkommt, als der irgend eines anderen Mitgliedes seines Hauses. So wird denn auch die gesamte jüdische Nachwelt dieser Stadt heute das Leben des Freiherrn Mayer Karl von Rothschild mit dem Leitsatz aus den Sprüchen Salomos (6,23) verklärt sehen dürfen, den ihm dort „seine Kinder" gewidmet habert: „Denn eine Leuchte ist das Gebot, und das Gesetz ein Licht". M. W! Dr. jur. Hugo Hoff mann Oberl'mdau 51 Tel. 76655 Versicherungen aller Art Wahlkompromiss — Einheitsliste Die seit Monaten geführten Verhandlungen über eine Umbildung n der Zusammensetzung der Gemeindekörperschaften haben nunmehr zu einem Erfolg geführt. In einer vielsiündigen Schlussverhandlung, an der auch die Herren Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch und L-indgerichtsrat a. D. Dr. Arthur Lilienthal von der Reichsvertretung teilnahmen, ist am 12. Oktober An die Leser des Gemeindeblatts! Die Anzeigenverwaltung hat im Hinblick auf den erhöhten Winterbedarf in allen jüdischen Familien und das bevorstehende Chanukka-Fest in dieser Nummer unserer Zeitung den Lesern eine neue und rasche Orientierungsmöglichkeit über empfehlenswerte Geschäfte geschaffen. Nach Strassenzügen geordnet, finden unsere Leser in diesem Hefte zahlreiche Firmenanzeigen, die, zusammen mit den übrigen Anzeigen unseres Blattes, den Einheimischen, besonders aber den in unserer Gemeinde neu zugezogenen Familien und Einzelpersonen auf allen Gebieten der Wirtschaft, des Handels, des Gewerbes wertvolle Anregung geben. Wir hoffen, damit den Beziehern des Gemeindeblattes einen Dienst zu erweisen und zugleich zur Belebung der Geschäfte unserer Inserenten beizutragen. Die Anzeigenverwaltung M. Isaac & Co. 1936 ein Kompromiss zwischen den Delegierten der Parteien ab- . geschlossen worden, das mittlerweile auch die Genehmigung der drei Fraktionen gefunden hat. Nach diesem Kompromiss, das die Verhältnisse für die Zeit vom 1. Januar 1937 bis zum 31. Dezembcr 1940 regelt, sollen sich die Gemeindekörperschaften während dieser vier Jahre wie folgt zusammensetzen: I. Gemeindevorstand: 8 Liberale, 5 Zionisten und 3 Konservative, II. Gemeindevertretung: 18 Liberale, 9 Zionisten und 9 Konservative. Ausserdem sind in dieses Kompromiss zahlreiche Einzelbestimmungen aufgenommen worden, in denen die Verteilung der Dezernate im Vorstand, die Besetzung von Delegationen in die Berliner Zentralkörperschaften usw. geregelt sind. Ferner sind noch Bestimmungen enthalten über die Besetzung der Stellen der Vorsitzenden im Gemeindevorstand und in der Gemeindevertretung, wobei davon ausgegangen ist, daß der 1. Vorsitzende in beiden Gremien von den Liberalen gestellt wird, während die unter sieh gleichberechtigten stellvertretenden Vorsitzenden bei dem Gemeindevorsland von den Vertretern der drei. Fraktionen und bei der Gemeindevertretung teils von den Zionisten, teils von den Konservativen gestellt werden, mit der Massgabe, dass bei Verhinderung des ersten Vorsitzenden im Vorstand zunächst ein konservativer und in der Gemeindevertretung zunächst ein zionistischer Stellvertreter amtiert. Endlich sind noch Bestimmungen über das Schulwerk aufgenommen worden. Alle diese sehr ins Einzelne gehenden.Vereinbarungen sollen den Einfluss der zionistischen Gemeindevertreter und Vorstandsmitglieder entsprechend der Erhöhung ihrer Mandatszahl auch in der praktischen Arbeit stärken, während andererseits den besonders gearteten Verhältnissen der Frankfurter Gemeinde entsprechend, die Liberalen, wenn sie auch nicht mehr allein die absolute Mehrheit in den Gemeindegremien haben werden, doch als stärkste Partei anerkannt sind und auch den Konservativen ihr historisch begründeter Einfluss auf die Geschicke der Gemeinde gesichert ist.

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