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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-10-01 · 1 (10.1936) · p. Seite 29

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
1 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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Seile 29 Christin hineingeworfen zu haben. Kuno I., ein aufgeklärter Dynast, dem damals oder schon einige Jahre vorher auch der jüdische Münzenmeister David ha Cohen dient, rettete sie. 1223 nimmt an einer bedeutsamen Kabbinersynode in Mainz Rabbi David , ben Kalonymos, genannt David Münzberg, teil, der einst vor Unruhen aus Speyer nach Mainz geflohen war. — Die Gemeinde hat eine stattliche; Synagoge und, ihren eigenen Friedhof. ^- In der Synagoge, 1848 eingeweiht, etwa 120 Plätze — 2 Frauen- Emporen — zählend, steht eine Thorarolle, 1771 in Münzenberg ausgebessert, aber viel älter; auch einige Wimpel deuten auf höheres Alter der heutigen Gemeinde hin, die 1848 reichlich 30. heute noch 5 Familien zählt. Auskunft durch Vorsteher Emil Älter Brunnen in Münzenberg. Er stammt aas der Zeit vor 1188, der Überbau erst 1776..,In diesem Brunnen kam 1188 die Christin am, weshalb dann eine Judenverfolgung in Münzenberg ausbrach. Die Scheune neben dem Brunnen 13. Jahrhundert, als Kapelle -anstelle einer älteren erbaut, die Zeitgenossin jenes Gesdieh-; nisses war. Katz. — Sehr sehenswert die Kuine der 1689 zerstörten Burg, teils romanisch, teils gotisch, mit ausserordentlicher Aussicht von der., oberen Plattform auf Westerwald, Taunus und Vogelsberg, Rhön,. Spessart und Odenwald. Die einstige Nikolauskapelle, heute Scheune, hat interessante Ueberreste frühgotischen Stils. Daneben ein uralter Ziehbrunnen (wohl jener aus der Zeit des Rokeach) mit Barock-Ueberbau aus 1776. — Eine halbe Stunde südöstlich von Münzenberg vereinigen sich, aus Südwest und Südost kommend, zwei Römerstrassen. Von hier aus fast genau nördlich in 45 Minuten oder von Münzenberg (blauer Kreis) durch Trais-Münzenberg, bei einem Haus mit ganz besonders schönen Giebelschnitzereien auf die Römerstrasse treffend, dann nordwärts, am. Wetterbergskopf — davor Dolmengrab — vorbei, kommen wir in .40 Minuten zum teilweise gut erhaltenen Römerkastell A l t eburg.und zur grossartigen gotischen Klosterruine Arnsburg (besichtigen! )j die von den Münzenberger Herren angelegt wurde. — Nun auf schönem Weg in 1 Stunde (rotes Kreuz) bis Garbehteich und .(joter Strich) in einer weiteren Stunde bis! Glessen. , Hauptstadt von Oberhessen, einzige Universität des Landes Hessen, 36000 Einwohner, 700 Juden. Schon 1150-erwähnt, erhält Giessen 1250 Stadtrecht, kommt 1265 an Hessen-Kassel, schöln 1604 an; Hessen-Darmstadt. — Er?xe Nachricht von Juden ist die Verfolgung von 1349. Im 16. Jahrhundert versucht ein .jüdischer Arzt in Giessen zu praktizieren. Da der Pfarrer seinen Patienten kirchliche Strafen androht, versucht er es mit einem Kramhandel, ir u s s aber schliesslich, um sich zu ernähren, Geldgeschäfte machen! 1622 zählt die Gemeinde Giessen 23 Familien, die jahrzehntelang unter dem Bekehrungseifer der evangelischen Mission schwer zu leiden haben, 1662 vertrieben, aber 1708 wieder zugelassen werden. Das Verhältnis der Bevölkerung zu den Juden gestattet, daß die (Philipps-) Universität als erste Deutschlands jüdische Studenten immatrikuliert. In der ersten Hälfte dieses 18. Jahrhunderts hat die Gemeinde schon einen Rabbiner: Michael Berr, der eine Verordnung gegen den in der Gemeinde herrschenden Unfrieden erlässt! 1820 kann jeder inländische Jude, der mindesten« 4000 Gulden besitzt, Bürger werden. 1827 wird Dr. Abraham Bas Rathaus zu Butzbach. In seinem ersten Stockwerk fand etwa 100 Jahre lang, bis 1926, der jüdische Gottesdienst in einem eigens dazu herge> ichteten Saal statt. Wolf Rabbiner, der spätere Rabbiner von Kopenhagen. Sein Nachfolger ist Dr. L e v i, der aus Mainz kommt und Provinzialrabbiner wird. Sein Sohn Hermann Levi, 1839 geb., wird der musikalische Vertraute Richard Wagners, der erste Dirigent der Bayreuther Festspiele und leitet die Uraufführung des „Parsival" 1882. — Am 15 8. 1861 wird Henriette Fürth, die Frankfurter Sozialschriftstellerin und Kämpferin für die Rechte der Frau, in Giessen geboren. — Giessen ist Sitz eines liberalen und eines orthodoxen Provinzialrabbinats. Das erstere bekleidet Dr. Sander, Rabbiner der Jsr. Religionsgemeinde; das andere, mit der Jsr. Religionsgesellschaft verbunden, ist seit dem Hinscheiden des Rabbiners Dr. Hirschfeld s. A. unbesetzt. — Liberale Synagoge stattlicher maurischer *Bau mit Gemeindehaus gegenüber dem Theater; die ebenso stimmungsvolle orthodoxe Synagoge Steinstrasse 15. Jüdische Leihbücherei und Buchhandlung Michel, Bleichstrasse 28. Rest au rant Grünewald, Mühlstr. — Sehenswert: Marktplatz mit altem Rathaus und der alten Hirsch-Apotheke, das Burgmannen-Haus, Kirchstrasse; die „neue Bäue", das Weiseische Haus, Sonnenstrasse, mit köstlichen Schnitzereien a. d. Hofseite; zahlreiche neue Bauten, Anlagen und Promenaden auf geschleiften Festungswerken. — Beachtenswerte Tabak- und Zigarren-Industrie sowie Eisengiessereien. — Schöne Ausflüge: zum Gleiberg, zum Dünsberg (500 m, herrliche Aussicht) usw. —

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