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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-10-01 · 1 (10.1936) · p. Seite 28

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
1 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 28 (sequence 30)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 1 Oktober 1936 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, tu richten. Von Frankfurt durch die Wetterau und das Lahntal (Schluss) von S. Liiier.lhal, Wiesbaden Vom Kordende Friedbergs, vor dorn Burgtor links abbiegend, erreielien wir auf einem der beiden wiederum links nach Westen bezw. Nordwesten abgebenden Seitenwege in einer knappen Stunde Kad Naunuini, berühmtes „Herzbad", 15000 Einwohner, an den nordöstlichen Ausläufern des Taunus. Alte Saline aus vorrömischer Zeit germanischer Siedlung. Dorf Nauheim schon 1254 genannt. Seit Erbohrung starker kohlensäurereicher warmer Quellen 1816 schneller Aufstieg. 1834 erste grosse Badeanstalt, 1854 Stadtwerdung. Ganz moderne Stadt mit den fortgeschrittensten Kur- und Heil-Einrichtungen. Nach vielfachem Wechsel der Herrschaft erst seit 1866 zu Hessen-Darmstadt gehörig.— Juden wohnen sicher schon vor 1464 in Nauheim, wenn auch erst seit Mitte des 17. Jahrb. ständig. Um 1700 nur 3-4, auch 1827 erst 7 Familien, die zwar ihren eigenen alten Friedhof, den ältesten Nauheims überhaupt, haben, aber zum Gottesdienst nach Friedberg müssen. Da sie, die damaligen Kurhessen, sich in Fiiedberg fremd und missachtet fühlen, richten sie 1830 einen Beisaal ein. 1866 ersteht eine Sy- Tiagoge zwischen Karls- und Alicesträße; 1929 errichtet die mittlerweile auf fast 300 Seelen angewachsene Gemeinde Karlstraese 34, schräg gegenüber der alten, die neue Synagoge, einen stattlichen, modernen Bau von schönem Ebenmass, durch den Architekten Riehard Kaufmann aus Frankfurt a. M. Ahr. Baruch Kaufmann und Frau Esther aus München stellen ein zinsloses Darlehen von 40000 RM. (% der Baukosten) zur Verfügung. Gedenktafel für sie in der Synagoge; ferner Gedenktafel zu Ehren der Kriegsgefallenen. Die Fenster mit kunstvollen Darstellungen jüdisch-religiöser Symbole sind Schenkungen. Ein ständig brennendes Jahrzeitlicht erinnert an eine arme durchreisende Jüdin, der die Gemeinde eine nächtliche Unterkunft verweigerte, und die dann auf dem Wege nach Friedberg starb. Die Synagoge hat 150 Männer- und 100 Frauenplätze, einen Vortragssaal, eine Lehrerwohnung und eine Mikwah. — Gut gepflegter neuer Friedhof an der Homburger Strasse; älterer 1865-1902 benutzt, nicht weit davon; der älteste Friedhof (s. v.), links des Ernst-Ludwig-Weges nach dem Johannisberg, im Wald. — Unter den zahlreichen Pflegestätten Nauheims die Isr. Kinderheilstätte, Hermann Göringstr. 67 und das Isr. Frauenheim, daselbst No. 49 (nimmt seit Schliessung des Isr. Männerheims 1933 auch Männer auf). — Sanatorium Dr. Schönewald, Rittershausstr. 4, nicht rituell. — Rituell: Hotel Flörsheim, Karlstr. 28, Pension Rosner, Ernst-Ludwig- Ring 10, beide dicht neben der Synagoge, und Pension Zoller, Hermann Göringstr. 47. — Sehenswert: Kurhaus, Sprudelhof mit den Badehäusern, der Johannisberg mit Römerturm u. a. m. Vom Kurhaus durch die Kuranlagen nördlich, den grossen Teich entlang, dann auf dem Fussweg längs der Usa, über die Usa. Nach etwa 40 Minuten N i e d e r-M ö r 1 e n (kleines, altes Oertchen ohne Juden); von hier in 1 -Stunde schönen Weges bis Nieder-Weise mit 1500 Einw. kleiner, nicht sehr alter Judengemeinde mit Synagoge und Friedhof, zugleich für Ostheim und Fauerbach. Von hier in 30 Minuten nach SM Butzbach. - Alte Stadt von 5600 Einw., schon 773 beurkundet, lange Zeit zur Herrschaft Münzenberg, dann zur Grafschaft Hanau gehörig, dann unter anderen Herrschaften aufgeteilt, seit 1741 bei Hessen- Darmstadt; im 30jährigen Krieg arg heimgesucht; dann 1672 einige Tage Hauptquartier des Grossen Kurfürsten im Feldzug gegen Frankreich. Seit etwa IY2 Jahrhunderten ständiges aber langsames Wachstum der Seelenzahl und Wohlhabenheit. — Die Gemeinde Butzbach ist jünger als etwa die Friedberger; doch schon 1349 Judenverfolgungen. Ein Teil der Gemeinde zieht augenscheinlich nach Frankfurt. So ist Kaufmann von Butzbach, der 1404 „des Verkehrs mit gebannten Juden beschuldigt", durch die Stadt von Kaiser Karl IV. um 2000 Gulden losgekauft worden war, 10 Jahre später der größte jüdische Steuerzahler von Frankfurt. Nach dem 30jährigen Krieg bald,, wieder Juden in Butzbach, schon beunruhigt durch eifernde Geiste liehe, die die von den Behörden gestattete Beschäftigung von „Sabbathfraueh" durch geistliche Zwangsmittel zu verhindern suchen, bedroht durch Landesverweisung, die infolge von Kompetenzstreitigkeiten der regierenden Herren* erst 1676, 5 Jahre später als anderswo erfolgt. Aber schon Anfangs des 18. Jahrhunderls leben wieder einige Schutzjuden dort. Seitdem langsames Anwachsen der Gemeinde, in den letzten 100 Jahren kräftiges Aufblühen. Um 1900 zählt die Gemeinde 100, heute wohl noch 40 Seelen. Von einstigen Hoffnungen zeugt die neue S y n a g 0 g e, errichtet 1926, mit etwa 120 Sitzplätzen. — Bis 1926 hatte der Gottesdienst in einem eigens dazu her gerichteten Saal im ersten Stock des Rathauses", etwa ein Jahrhundert hindurch, stattgefunden. — Alter Friedof, .zugleich für Griedel und Gambach, an der Strasse zwischen diesen beiden Orten, im Feld. In Butzbach ist, dicht am Bahnhof, der stattliche Markt mit ungewöhnlich schönen Fachwerkbauten und unvergleichlich schönen Holzschnitzereien allein eine Reise wert. Auskunft Lehrer R. Fuld, Weiselerstr. 7 (Läuten!). — Wir folgen vom Balmhof aus dem blauen Strich nach Osten, nach Griedel — nur noch kleine Judensiedlung, schon 1596 genannt, mit stattlicher alter Synagoge — und sind nach 2V2 Std. schönen Wegs in Münzenberg. Städtchen mit kaum 1000 Einwohnern, darunter etwa 20 jüdische Seelen. Uralte Siedlung, wahrscheinlich schon aus vorrömischer Zeit, auf dem „Müntzenberg", der nach dem auf ihm wachsenden Minzen hiess; schon um 1170 krönten ihn Burg und Schloss des Grafen Kuno I. von Müntzenberg (1151 — 1212), dessen Geschlecht Jahrhunderte blühte und zeitweise sehr mächtig und den Juden. fast immer wohlgesinnt war. — Die Judenschaft ist die unter allen Gemeinden der Wetterau am frühesten beglaubigte.' Während der Judenverfolgungen zur Zeit der Kreuzzüge fanden Juden hier Aufnahme und Erwerbsmöglichkeit. 1188 erlebt Rabbiner Eleasar ben Jehuda, der „Rokeach", der aus Mainz nach Münzenberg geflohen war, auch hier eine .Judenverfolgung. Das Volk beschuldigte die Juden, eine in einen Brunnen gefallene

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