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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-10-01 · 1 (10.1936) · p. Seite 25

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
1 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Seite 25 schaffen werden müss, d. h. der Lernende darf nicht das Gefühl haben, däss er hur zu seiner eigenen Belehrung arbeitet, sondern es inuss dafür gesorgt werden, dass von ihm und seinem Arbeiten das Funktionieren eines Betriebes, das Wohl und Wehe von Menschen tnit abhängt und däsS ihm die hieraus entspringende Ver* äntwortung unmittelbar zum Bewusstsein kommt. Dann und nur dann kann er zum rechten Pflichtbewusstsein und zur rechten Arbeitsfreude erzogen werden. Hier handelt es sich im Wesentlichen um eine organisatorische Aufgäbe, die, wenn auch mit Schwierigkeiten, bei gutem Willen überall zu lösen ist — es darf in diesem Zusammenhang auf die Frankfurter Grundlehren hingewiesen werden, die für Jungen und Mädchen sehr-wesentlich auf diesem Grundprinzip aufgebaut sind. Weit schwieriger ist die Aufgabe für den Lehrenden in der geistigen Arbeit. Er muss einmal mit pädagogischem Verständnis diejenige Methode herausfinden, die den' Schüler zum eigenen Denken und zur aktiven, nicht bloss aufnehmenden Mitarbeit anregt. Und das ist gegenüber diesen 1416jährigen Jungen und mehr noch Mädchen (die im Durchschnitt weniger intensiv geistig arbeiten und weniger sachlich interessiert sind) durchaus nicht leicht. Zum andern aber muß er durch eine sehr sorgsame Stoffwahl dafür sorgen, daß nichts von dem kostbaren Gut der knappen Zeit, die unserer Jugend für Bildungsarbeit überhaupt zur Verfügung steht, vergeudet wird. Es darf vor allem nicht zu Vieles, dafür aber nur Wesentliches geboten werdettj wesentlich in jener Fähigkeit, zum Denken anzuregen und wesentlich in seinem Inhalt als Wissensbesitz. Beides, Methode und Stoffwahl, stellen uns vor ganz grundlegende Schwierigkeiten. Hier spürt jeder, auch wer in der rein menschlichen Sphäre — vor allem aber nicht nur den eigenen WUN DERVOLLE Wintermäntel on29.-b 165. in sportlicher Verarbeitung oder mit prachtvollem PELZKRAGEN FUHRIÄNDER Kindern gegenüber — dieses Gefühl niemals gekannt hat, plötzlich den ganzen Unterschied der Generationen. Unser überliefertes Bildungsideal, unsere Masstäbe für wesentlich und unwesentlich, für interessant und langweilig, für schön und wertlos gelten nicht mehr: es verschliesst uns den Mund, wenn wir im Unterricht plötzlich spüren, daß Fragen etwa geschichtlicher oder ästhetischer Art, die uns Erwachsenen wichtig genug erscheinen, bei der Jugend auf eisige Gleichgültigkeit stossen. Und es macht uns umgekehrt beredt und fähig, ans unserer Erfahrung und dem Wissen heraus, das wir erwerben durften, zu geben, wenn wir an einer anderen, vielleicht ebenso unerwarteten Stelle die Augen vor Wissbegier und Teilnahme aufleuchten sehen. Wenn wir uns diesem Fluidum anvertrauen dürfen, das von dieser Teilnahme oder Teilnahmlosigkeit der Schüler ausgeht, wann wir in ihrem eigenen Interesse dagegen angehen müssen, das zu spüren ist wohl eine der wichtigsten Fähigkeiten, die in dieser Umbruchszeit, in der die alten Erfahrungen nicht mehr ohne weiteres gelten, derjenige besitzen muß, der jüdische Jugend anleiten und lehren soll. Dr. Gertrud Hallo. Dreissig Jahre Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge Ein Rückblick Am 28. September vollendete Frau Bertha Rosenblatt ihr 70. Lebensjahr. Wir glauben, ihre soziale Tätigkeit nicht besser würdigen zu können al? durch einen Rückblick auf ihr Wirken im Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge, der länger als 30 Jahre den breitesten Raum in der sozialen Arbeit Bertha Rosenblatts ausgefüllt hat. Bertha Rosenblatt gehört zu den Gründerinnen der „Weiblichen FüTsorge". Eine kleine Gruppe dieses Kreises befasste sieh schon im Jahre 1902 mit Arbeitsvermittlung. Es war zunächst keine Organisation im eigentlichen Sinne, nicht einmal eine bestimmte Geschäftsstelle; diese Frauen versuchten der Not, u\c ihnen in ihror sozialen Betätigung begegnete, durch Erziehung zur Arbeit und durch Vermittlung einer Beschäftigung zu steuern. Aus dem Jahre 1907 liegt ein Geschäftsbericht der Weiblichen Fürsorge vor, aus den», ersichtlich ist, dass die Kommission für Arbeitsvermittlung inzwischen ein wichtiges" Gebiet der Weibliehen Fürsorge geworden ist. Die Sprechstunde wird 2mal wöchentlich von ehrenamtlich tätigen Damen abgehalten. 91 Vermittlungen weist die Statistik dieses Jahres aus. In diesem Bericht wird über die Abneigung der jüdischen Frauen und Mädchen gegen eine hauswirtschaftliche Ausbildung und Betätigung geklagt. Ein weiteres Charakteristikum dieses Berichts ist die Feststellung der schlechten Entlohnung von Frauenarbeit in kaufmännischen und gewerblichen Betrieben. Frauenarbeit und Frauenberufe sind zu jener Zeit noch keine Selbstverständlichkeit. Nur diejenigen Mädchen, die dringend auf einen Erwerb angewiesen sind, bei denen eine Versorgung seitens der Eltern oder durch Heirat unmöglich ist, entschliessen sich, einen Beruf zu erlernen. Der Frauenarbeit wird hinsichtlich der Leistung noch grosses Misstrauen entgegen gebracht. Blättern wir weiter in der Chronik des Arbeitsnachweises und der Berufsberatung der Weiblichen Fürsorge* so fallen uns besonders die Berichte aus den Kriegsjahren auf. Frauen haben inzwischen den! Eingang zu allen Bildungs- Persianer, Fohlen usw, Groß« Auswahl. Mafiige. Preise] Kirchnerstrass« Telefon 26202 Samstags geschlossen 8 stätten und allen Berufen gefunden. Die Frauenarbeit beschränkt sich nicht mehr auE eine bestimmte Bevölkerungsschicht. Frauen haben durch Leistungen auf allen Gebieten bewiesen, dass ihre Arbeit der Arbeit des Mannes nicht nachsteht. In den langen Jahren des Krieges wird der Einsatz der Frauenarbeit in der Wirtschaft, im Dienste der Verwaltung der Gemeinde und des Staates zur Notwendigkeit. In enger Fühlung mit den interkonfessionellen Stellen wirkt der Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge und trägt zur Lösung der Aufgaben der Zeit bei. In den darauffolgenden Jahren der Nachkriegszeit, der Inflation und der Wirtschaftskrise, des Zusammenbruchs vieler Existenzen wird nun die Frauenarbeit zur Ergänzung des nicht ausreichenden Verdienstes des Mannes zur Notwendigkeit. Andererseits wird Frauenarbeit zu jener Zeit mehr denn je als Konkurrenz vom Manne empfunden und bekämpft. Die Berichte der J - b-e 1929-30 und. 31 heben rühmend die Energie, den Aulopferungswillen und die Spannkraft der Frauen den schwierigen Verhältnissen gegenüber hervor. In jenen Jahren, in denen die Arbeitslosigkeit in Deutschland ihren Höhepunkt erreichte, hat die Stellenvermittlung der Weiblichen Fürsorge besonders mit materiellen Schwierigkeiten in ihrer Existenz zu kämpfen. Aber immer wieder werden Mittel und Wege gefunden, die Institution zu erhalten und sogar weiter auszubauen. Der Arbeitsnachweis passt sich in allen Jahren den Erfordernissen der Zeit an. Rückblickend darf mit Stolz und Genugtuung festgestellt werden, dass es dem Träger des Arbeitsnachweises der Weiblichen Fürsorge stets gelungen ist, aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln in völliger Unabhängigkeit den Anfordererungen gerecht zu werden. Als im Jahre 1933 neue, grosse und wichtige Aufgaben an die Einrichtung herantreten, zeigt sie sich auch diesen gewachsen. So ist die Geschichte des Arbeitsnachweises vom Jahre seiner Griin^ dung bis zum 31. Juli 1936 eine gerade Linie der Aufwärtsentwicklung. Durch alle Jahre seines Bestehens diente Bertha R o s e.nb 1 a 11 dem Arbeitsnachweis mit besonderer Liebe. Diese wichtige, unentbehrliche Institution, die hilft, ohne zu demütigen, diese Hilfe zur Selbsthilfe beschäftigte sie nicht nur zeitweilig, sie gehörte

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