Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 1 (10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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S. LÖHREN ininiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiM Corsets Büstenhalter "HE ZEIL 85"«r Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau 'Beitrage und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 S. LÖH REN Corsets Büstenhalter ü^r ZEIL 85 nur Jüdische Erziehung heute Es soll hier nicht oder jedenfalls nicht in erster Linie von den allgemeinen Grundsätzen und Zielen jüdischer Erziehung die Rede sein. Es soll nicht gefragt werden: welche Berufe sollen wir unsere Kinder lernen lassen und nach welchen Methoden?, sollen wir sie für ein unter individueller Verantwortung geführtes Dasein oder für ein Leben in der Gemeinschaft erziehen, wie es etwa im Kibbuz geführt wird?, soll das „Jüdische" das ausschlaggehende Bildungselement sein oder die „europäische Kultur" (mit. allen weltanschaulichen, politischen und sonstigen Unterfragen, die dieses Problem in sich birgt)? usw. usw. Diese und ähnliche Fragen, so wichtig sie sind und so wenig sie bisher trotz aller Erörterung eine endgültige Lösung gefunden haben, mögen einmal einen Augenblick zurück treten vor der anderen, meines Erachtens ebenso wichtigen Besinnung auf das, was demjenigen Not tut. dem heute jüdische Kinder zur Erziehung und Belehrung anvertraut sind. Unter all den Schwierigkeiten, die da schon an eigenen, mehr aber hoch anderer Leute Kindern gegenüber überwunden werden müssen, sei als die handgreiflichste die Tatsache herausgegriffen, dass wir keine Zeit haben. Ich meine damit zunächst einfach, daß die Erzieher selbst im üblichen Sinn „keine Zeit haben", daß die Mutter durch häusliche und oft genug auch ausserhäusliche Arbeit, der Vater durch alle Nöte des Existenzkampfes, der LeJirer durch die Anforderungen der überfüllten Klassen, der Berufsberater durch die übergrosse Menge der „Fälle" oft genug verhindert werden, dem einzelnen Kinde so viel Zeit und Kraft zu widmen, wie sie wohl wünschten und auch sollten. Aus dieser Ueberlastung der Erzieher erwachsen, vor allem in Verbindung mit der Nervosität, die sie nur zu leicht hervorruft, allerhand Schwierigkeiten für die Erziehungsarbeit. Aber diese sind nicht unüberwindlich. Sie fordern nur, dass wir es verstehen, in Augenblicken, in denen das Kind die Mutter wirklieb braucht, in denen der Jugendliche nach dem Wort des Erwachsenen verlangt oder ihm wenigstens offen ist, trotz aller drängenden Arbeit mit ungeteilter Aufmerksamkeit, da zu sein, auf der Kinder Gedanken und Wünsche und Sorgen einzugehen, als ob es — was im letzten Grunde ja auch tatsächlich der Fall ist — nichts Dringenderes für uns auf der Welt gäbe. Versteht man es, diese wichtigen Momente zu erkennen und nicht ungenützt verstreichen zu lassen, hat man sich die hierfür notwendige Selbstbeherrschung und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, erworben, dann, aber freilich;:irch mr dann, braucht man garnicht so schrecklich viel .Zeit'', um inmitten aller drängenden Arbeitsanforderungen Kinder heranzubilden. Ja, es kann — vorausgesetzt, dass der Erwachsene es versteht, die Kinder in der rechten Weise an den eigenen Sorgen und Pflichten teilnehmen zu lassen, ohne sie zu belasten — speziell in der häuslichen Erziehung geradezu einen Erziehungsfaktor von unschätzbarem Wert bedeuten, wenn die Kinder von klein auf in dem Bewusstsein aufwachsen, dass sie in tausend kleinen und grösseren Dingen auf sich selbst angewiesen und für sich selbst verantwortlich sind, dass niemand, auch die Mutter nicht, mit Selbstverständlichkeit und in jedem Augenblick für sie da ist, wenn jedes ungestörte Beisammensein zu etwas! Besonderem, Festlichen wird, das man sieh selbst verdienen kann, indem man nach Kräften Arbeit erspart oder selbst übernimmt. Ein sehr viel ernsthafteres Problem als der Mangel an Zeit bei den Erziehern bedeutet dagegen die Kürze der Ausbildung s- und B. e i f e z e i t, die in der Kegel unseren Kindern vergönnt ist. Hier liegt ein wirklicher, durch die Unvernunft mancher Eltern bisweilen auch ein halb freiwillig herbei geführter Notstand vor, der den Erzieher vor ganz besondere Aufgaben stellt. Die meisten jüdischen Kinder, aitch diejenigen, die eine höhere oder mittlere Schule besucht haben, verlassen heute mit 14 Jahren die Schule. Ein sehr grosser Teil von ihnen hat nur bis etwa zum 16., 17. Jahr Zeit für Berufsvorbildung und geistige Weiterbildung. Sie alle sind daher in der dringenden Gefahr, in der Hast und Ueberlastung dieser kurzen Jahre weder richtig arbeiten noch richtig lernen zu lernen. Und gerade dies ist für sie, denen aller Voraussicht nach ein ungesichertes Leben bevorsteht mit der Notwendigkeit, sich umstellen und an fremde Verhältnisse anpassen zu können, ganz besonders wichtig. Zu beidem gehört nun mehr und anderes als die Aneignung der Technik eines Handwerks, der Gärtnerei oder der Hauswirtschaft, anderes und mehr als die Kenntnisnahme von fertigen Resultaten aus verschiedenen Wissensgebieten. ,jArbeiten" lernt der Lehrling in der normalen Lehre, im einzelnen Haushalt langsam! und allmählich, aber mit Selbstverständlichkeit durch die Anforderungen des Betriebes, „lernen" der-Student und schon' der Primaner einer guten Schule in dem Zwang zur selbständigen geistigen Arbeit und in der inneren Müsse der auf lange Sicht angelegten Unterrichtsweise. In den Anlernwerkstätten, den Grund- und Vorlehren, in den Lehrhäusern und in der Bildungsarbeit der Bünde und wie die jüdischen Institutionen sonst heissen mögen, die in dankenswerter Weise die unzugänglich gewordenen allgemeinen Bildungsstätten zu ersetzen suchen, ist es eine dringliche Aufgabe für die Lehrenden, durch pädagogische Massnahmen und eigene Aufmerksamkeit dafür zu sorgen, dass an diesem Punkt der Mangel an Le'rnzeit nicht zu einem Mangel an Charakterbildung und Willensschulung führt. Eine Aufgaber die im Geistigen — was hier nur nebenbei gestreift werden kann — noch durch das im Uebrigen pädagogisch günstige Gemeinschaftsleben ersehwert wird. Denn geistig eine Sache so erarbeiten, dass sie zu eigenem Besitz wird, das ist nicht Sache der ge-. meinsamen Aussprache, sondern Sache des Einzelnen im stillen Kämmerlein. Und wann ist unsere Jugend allein? Kann sie, will sie noch „allein" sein? . Diese Aufgabe, junge Menschen arbeiten und lernen zu lehren, bedeutet vor allem zweierlei: In der praktischen Arbeit handelt, es sich in erster Linie darum, dass die Lebensnahe, die die Einzellehre von selbst hat, so weit wie möglich künstlich ge- LEONA A 1FÜ IA I Ällhalter / Papier / Drucksachen / Schulartikel Füllhalterklinik LEO NATHAN Schillerslr. 1 a. d. Hauptw. Telefon 24326 L E LEONA N A