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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-10-01 · 1 (10.1936) · p. Seite 12

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
1 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 M. S. Feitier Reuferweg 77 Telefon 51704 Versicher u h gen aller Art Verwaltungen Süden her einen langen Zeitraum umschliessen? Oder kann man so ganz ohne Begründung sagen, die Psalmen seien in ihrer Hauptmasse eine Schöpfung der nachexilisehen Zeit? Was wiederum die Geschichte der neueren Jahrhunderte betrifft, so muß man feststellen, dass sie über das erträgliche Mass hinaus zusammengestrichen ist. Weder der Rechtskampf um die Emanzipation noch das seit den Pogromen von 1881 neu aufgetauchte Problem der jüdischen Wanderung, noch auch der Gegensatz von Orthodoxie und Liberalismus ist zu seinem eigentlichen Recht gekommen. Von dem soziologischen Umbildungsprozess, der vom 17. Jahrhundert ausgeht und bis in unsere Ta^e andauert, wie von der hochinteressanten Geschichte des russischen und amerikanischen Judentums im 19. und 20. Jahrhundert ist überhaupt nicht die Rede. Es geht fieilich nicht alles in den Uahnieii der 100 Seiten. Das ist zuzugeben. Verlag und Verfasser sollten daher erwägen, ob sie nicht bei einer Neuauflage aus dem einen Bändchen zwei machen sollten, mit einem Absclinitt an der Stelle, wo die palästinensische Geschichte des Judentums in der Antike zu Ende ist. Dann würde man imstande sein, wenigstens das Wichtigste an religiös-kulturellem Gehalt wie an politisch-soziologischen Erscheinungen im historischen Ablauf zusammenzufassen. Bei dieser Gelegenheit könnte man zugleich einige Irrtümer berichtigen, von denen ich nur den einen, daß Raschi ein „Südfranzose" sei, erwähnen will. In Wirklichkeit ist er in Troyes in der Champagne, also in Nordfrankreich, geboren. Das ist von Bedeutung, da Cohn selbst richtig bemerkt, dass die prove^calischen Gemeinden mit dem spanischen Judentum eng verbunden sind, während man Raschi und die nordfranzösische Tossafistenschule dem aschkenasischen Kreis zuzurechnen hat. Zum Schluss muss man die Frage stellen, an welchen Leser sich eine jüdische Elementargeschichte als „Lektüre einer kurzen Stunde" überhaupt wenden kann? Zunächst einmal werden Jugendliche nach ihr greifen, die einen Gesamtüberblick gewinnen wollen, dann aber und vor allym Mütter, die ihre verblassten Schnlkenntnisse auffrischen möchten, weil sie die Empfindung haben, dass sie anders den Fragen ihres Kindes nicht mehr gewachsen sind. Wälirend aber die Lesekategorie der Mütter — es können auch Väter sein — sich mit dem so erzielten Repelitorium zufrieden geben wird, werden die jugendlichen Leser eine solche Lektüre nur als erste Orientierung empfinden. Es entsteht das Bedürfnis nach Verliefung des Details und nach Konkretisierung der Gestalten und der Epochen. Die jüdische Popularhistorie in deutscher Sprache sieht sich also vor die Aufgabe gestellt, Monographien zur Geschichte der Juden zu schaffen und so das weitausgespannte Netz der Beziehungen mit der Farbe des Lebens zu erfüllen. Dr. Werner Cahnmann £te$chhörit KA1SE RSTRASSE3 Palästina-Kalender für 5697. Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Verlag Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W. 15. Der Palästina-Kalender, für dessen Text und Bilder Benno Cohn verantwortlich zeichnet, ist wiederum durch Joachim Prinz redigiert und vom Verlag mit grossem Geschmack und mit Sorgfalt ausgestattet worden. Gegenüber dem vorjährigen Kalender ist die Auswahl der Bilder in jedem Betracht glücklicher1. Es sind zum Teil Photos von Aenne Mosbacher, Nahuin Gidal, Weissenstein und einige aus dem Palästinäfilm „Awodah" von Lerski. Zu diesen Bildern sind kurze Texte gefügt, die Wochentafeln werden von Blättern abgelöst, die über die Institutionen der Zionistischen Bewegung Aufschluss geben. So stellt der Kalender nicht nur ein knappes Iftformationswerk dar, er ist zugleich ein künstlerisch wertvoller, werbender Bildbericht über Erez Israel und seine Menschen. , ' Ghr. Kulturarbeit des Monats Saison-Beginn im Kulturbund: Sonatenabend Basseiffiahn^rüwei* Der Neuaufbau des Orchesters und der Wechsel in der künstlerischen Führung Hessen es nicht zu, dass der Kulturbund die Spielzeit mit dem rauschenden Auftakt eines Symphoniekonzerts eröffnete. Mali wählte statt dessen das kämmeriniisikalische Präludiuni eines dem Werke Beethovens gewidmeten Ö o n ä t 6 ü äb e n d s, der von Hans Basse fmänn uhd Julius Prüwer bestritten wurde. Die Veranstaltung erhielt ihren besonderen Akzent durch die Tätsache, dass der neuverpflichtete musikalische Leiter sich zum erster* Male dem hiesigen Publikum vorstellte. Dem Generalmusikdirektor Professor Prüwer geht der Ruf eines massgebenden Opern- und Konzertdirigenten voraus: EY bewies uns jetzt, dass er auch als Pianist ein beträchtliches, imponierendes Können einzusetzen hat. Sein kristallklares, mit peinlichster Sauberkeit durchgeführtes Spiel lässt die Linienführung in kaum zu überbietender Weise deutlich werden, weiss aber auch den Farbwerten des Instruments Rechnung zu tragen; Prüwer vertritt eine musikalische Tradition, die in der Klassik ein ehrfurchtgebietendes, unberührbares Ideal sieht, das nicht durch Betonung persönlichen Gefühls und ehrgeizigen „Interpretations"-Willens entweiht werden darf. Werktreue scheint ihm über alles zu gelten. Er geht selbst an den affektgeladenen Beethoven mit gemessener .Reserve und überlegener Objektivität heran. Er verliert sich, auch im schnellsten Tempo, nie an die Materie, hat sich, gezügelt und gebändigt, immer in der Gewalt. Es war klar, dass diese Distanziertheit auf eine an Steinbergs elementares Temperament gewöhnte Hörerschaft zunächst als .Kühle wirken musste. Aber der Kontakt wurde im Laufe des Abends zusehends enger und wärmer. Man wird die in sieli abgeschlossene, ehrliche Musikerpersönlichkeit Prüwers. der so alles andere als ein „Blender" ist, im Zuge einer geruhsamen Erziehungsarbeit" am Orchester sicher noch gewichtiger kennen und schätzen lernen, als-es in diesem ersten Konzert geschehen konnte. Hans Bassermann trifft sich hinsichtlich der Einstellung zu klassischer Musik in vielen Punkten mit Prüwer. So kam ein stilistisch einheitliches, von bestem Verstehen getragenes Spiel zustande. Nach dem mit Haydnscher Gemächlichkeit ausgebreiteten Frühwerk in Es hörte man die weniger bekannte A-Dur-Sonate aus der mittleren Schaffenszeit und — als Gipfelpunkt — die Kreutzer-Sonate, deren Formenspiel in schönster Weise klargelegt wurde, .überzeugend auch für den, der eine leidenschaftserfülltere, bluivollere Auffassung vorzieht. Dr. E. JUWELEN GOLD SILBER TRAURINGE BESTECKE edTtSilberund 100qr Ve^'^erung Armband-Uhren | Uhren-Reparaturen zuverlässig u. preiswert j Anu. 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