Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 1 (10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
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Seite 13 . Die Tagung des Reichsverbands der jüdischen Kulturbünde Der Keichsverband der jüdischen Kulturbünde veranstaltete in Berlin eine Kulturtagung, die der Frage der zukünftigen Programmgestaltung der Kulfcurbundarfceit gewidmet war. Die führenden Persönlichkeiten der Kulturbünde im Keich, Regisseure, Schauspieler und Sänger, Vertreter von jüdischen Gemeinden und der jüdischen Spilzenorganisationen waren zu der Tagung erschienen. Anwesend war auch der Beauftragte des EeichspropagandaministHrs für die Ueberwachung der jüdischen Kulturarbeit, Reichskulturwalter Hinkel. Intendant Dr. Kurt Singer sprach über „Die Arbeit der jüdischen Kulturbünde — Rückblick und Vorschau". Er ging von der "Wandlung der Menschen und der Dinge seit Beginn der Kulturbundarbeit aus und betonte, dass die Gefahr des Stillstandes der Arbeit akut geworden sei. Er gab eine Kritik der jüdischen Haltung im Kulturellen bis 1933 und vertrat die Ansicht, dass eine jüdische Kunst, die gleich bei Beginn der Kulturbundarbeit propagiert worden wäre, an der Gesinnung der Menschen gescheitert sein würde. Es habe keinen jüdischen Stil gegeben. Dr. Singer entwickelte sodann einen Plan über die künftige Theaterarbeit. Werke jüdischer Dichter, die in Deutschland sonst nicht, aufgeführt werden, kämen in Betracht. Ausserdem sollte die selbständige jüdische Dichtung aus dem /Iebräischen und Jiddischen gepflegt werden. Schliesslich sollten Werke der internationalen Kunst zur Aufführung kommen. In Bezug auf das vorhandene Künstlertnaterial sagte Dr. Singer, dass von den 2400 beim Reifhsverband angemeldeten Künstler nur der eine oder andere, vielleicht jeder zehnte, Beschäftigung finden könne, ein weiterer zehnter gelegentlich. Eine natürliche Auswahl sei notwendig, auch wenn sich dies sozial schwer rechtfertigen lasse. Zum Schluss forderte Dr. Singer, dass der Reichsverband in anderen jüdischen Organisationen Sitz und Stimme haben müsse und? dass das Publikum für Wesen und Schwierigkeiten der Kulturbundarbeit Verständnis haben solle. Dr. Joachim Prinz hielt ein Referat über „Die kulturelle Situation der Juden in Deutschland und das jüdische Theater". Er AUSWANDERER finden sachgemässe und richtige Wäsche-Ausstatlungen und Geschenke in reichster Auswahl in Frankfurts ältestem Spezialgeschäft GOLDSCHMIDT, KAISERSTR. 14 HAPAGHAUS begann mit einer Darstellung der Lage der Juden in den verschiedenen Ländern, von der sich das Leben der Juden in Deutschland durch eine eigene Gesetzlichkeit und Entwicklung unterscheide. Er erläuterte den Begriff der Kultur, der auf Land, Volk und Sprache gegründet sei. Bei den Juden in Deutschland stellt das Fehlen einer eigenen jüdischen Sprache eine grosse Komplizierung dar, die vielleicht das eigentliche jüdische Kulturschaffen hindere. Die in Deutschland lebenden Juden haben keine Eigenkultur, die das Spezifikum einer jüdischen Kultur in sieh tragen wird. Sie leben und müssen leben, wenn sie jüdische kulturelle Werte verwirklichen, von dem bereits vorhandenen Kulturgut, das innerhalb einer jüdischen Volksgruppe geschaffen worden ist, also vom Osten und Palästina. Das, was wir in hundert Jahren von den Werten der Welt erlebt haben, können wir nicht aussondern. Von hier aus beleuchtete Dr. Prinz das Verhältnis des jüdischen Stoffes zur jüdischen Kultur. Der jüdische Mensch bestimme den Wert und Akzent der jüdischen Kultur. Er warnte vor dem Glauben, jüdische Kulturwerte sich in Bibliotheken erarbeiten zu wollen, trat für ein jüdisches Zeittheater ein und nahm gegen ein nur jiddisches Theater Stellung. Zum Schluss forderte Dr. Prinz eine systematische Kulturpolitik. Reichskullurwalter Hinkel bemerkte im Anschluss an die beiden Referate, dass dem Sinn der beiden Referate von deutscher Seite her weder etwas hinzuzufügen noch abzustreichen sei. Im Verlaufe der Tagung ergriff Heir Reich.skulturwalter Hinkel noch mehrfach das Wort zu Anregungen und Stellungnahmen zu den behandelten Problemen. Sie wurden von der Leitung aufgenommen und Fragen beantwortet. Jüdischer Kulturbund Fankfurt am Main / Gärtnerweg 62 / Telefon 52638 Dienstag» den 20. Oktober abends 8 Uhr, im Saalbau, Orchester-Konzert unter Leitung von General-Musikdirektor Prof. Julius Prüwer Mendelssohn: Meeresstille und glückliche Fahrt Mozart: Symphonie Beethoven: II Symphonie Kartenvorverkauf Gärtnerweg 62 und an den bekannten Vorverkaufsstellen Eschenheimeranlage 35,11, von 11-1 u. 3-6 Uhr bis einschließlich 8. Oktober Spielzeug «Ausstellung mit Charakterpuppen von Edith Samuel - Berlin Werde Abonnent Reiben 1-5 6-10 11-17 18-21 10 Abende nach Wahl 32.— 25.- 20.— 18.— 8 Theaterabende 2I- 22— 18.- 15.- 6 Orchesterkonzerte 22.50 17.- 14. - 12.- 6 Kammermusikabende 17.— 14.- 11.- 9.— J. F.isemanQ Gegr. 1868 Fahroasse 97 Tel. 23823 ■ Herren-, Knaben-, Sport-, Berufsu. Leder- Kieldung Große Auswahl Billige Preise Fachmännische Bedienung Nähmaschinen Wertbelo ond andere erstklassige Fabrikate Neueste Modelle sehr preiswert Reparatu-Teilebill. Um STERN Jetzt Zell 39 Eing Klingerstr. Telefon 26727 Sonder-VeranstaHang der Konzertdirektion HERMA NN KOCH mit dem KULTURB UND 5amstag 31. Oktober 193ö 5 R R L B R U Srosser Saal ZO Uhr 15 1 DER GROSSE HEITERE ABEND! WILLY ROSE Der u/eltberühmte Schlagerkomponist singt seine eigenen Chansons Annemarie Hirsch (Hase) der gefeierte Star der Friedrich Holländer-Revu» ORCHESTER unter Leitung uon CDax Neurnann Eintrittskarten in den bekannten Vorverkaufsfellen. 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