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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-10-01 · 1 (10.1936) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
1 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Seite 7 Sofie ROSSbaCh Kaiserstr.25[gaSmoden Neueste Modelle für Herbst und Sport sind eingetroffen. Umarbeitungen nach denselb. billigst Meir Dizengoff s. A. Der Bürgermeister von Tel Aviv, Meir Dizengoff, ist im Aller von 75 Jahren einer Lungenentzündung erlegen. Mit ihm stirbt wieder einer der letzten Ueberlebenden der „präzionistischen" Generation. Dizengoff verkörpert in seiner Bildung und seinem Werdegang jene Mischung von Ost und West, der der Zionismus seine besten und interessantesten Führer verdankt. Geboren im Osten, geschult in der Jeschiwah, Student in Paris, dieser Typ entflieht manchmal dem Volk und taucht auf in den Bewegungen der Zeit als Modell für den Dichter Hugo von Hofmannsthal: „Es gibt der Heimatlose sich jeder Welle hin". Dizengoff ist kein Heimatloser. Er antizipierte die Heimat. Er ist „Zionist" von Geburt, ein Chowewe Zion, der folgerichtig hineinwächst in die dann entstehende Bewegung, in der er den Zionsgedanken gegen den Ugandismus zu allen Zeiten vertritt. Im Jahre 1906 gründete Dr. Arthur Ruppin jene Siedlungsgesellschaft, die eine jüdische Vorstadt bei Jaffa zu bauen begann. Das war die Keimzelle von Tel Aviv. Dizengoff gehörte zu den Gründern der auf Dünen gebauten Stadt, die man 1909 auszubauen begann, und die sich langsam entwickelte, im Kriege ihre schwere Zeit hatte, und mit der Nachkriegskolonisation vor ihrer grossen „Karriere" stand. Die Entwicklung von Tel Aviv ist das Zeugnis von Dizengoffs Tatkraft. Mit rührendem, sachlich-unpersönlichem Ehrgeiz hat der Bürgermeister seine Stadt betreut. Welcher Palästina-Reisende hat ihn noch nicht morgens mm 10 zu Pferde den Kontrollritt machen sehen! Er hat für sie Anleihen besorgt, hat sie vor der Welt vertreten, sie verteidigt mit Anhänglichkeit und Liebe gegenüber den künstlerischen und sozial-theoretischen Kritikern-. Und man versteht, daß der liebende Vater die wachsende Bürgerzahl genau so stolz verfolgte, wie der kritische Sozialtheoretiker über die Urbanisierung des Landes die Stirn runzelte/ Der Bürgermeister verstand.es, seine Stadt zum Zentrum des Landes zu machen, er bemühte sich, Köpfe und Persönlichkeiten an sie zu binden (Achad Huam, Bialik) und gab ihr durch großorganisierte Veranstaltungen (Levante-Messe) eine Stellung nicht nur im Vorderen Orient, sondern in {er Welt. Ein Mann von Temperament der auch die Meinung zu sagen wusste, erst noch vor wenigen Tagen der Mandatsverwaltung und dem ihm persönlich zugetanen Naziv. Man weiss, daß manches seiner Worte und auch sein Werk, die Stadt Tel Aviv, in mancherlei Hinsicht der Kritik ausgesetzt war, was zum Beispiel im Tel Aviver Wahlkampf vor nicht langer Zeit zum Ausdruck kam. Aber niemand gibt es, der seine Leistung verkennt, niemand, der verkleinert, was dieser bedeutende, tatkräftige Mann dem jüdischen Nationalheim gewesen ist. Das wissen auch die, die durch die Spannung der Generationen und der sozialen Auffassung von ihm abgegrenzt sind; sie alle trauern in dieser Stunde um einen grossen Juden, einen Könner, einen Mann, in dessen' Werk sich die gesellschaftsbildenden Eigenschaften des modernen Juden, der nach Erez Israel zurückkehrt, verkörpern. H. P. ( JTA). Die Beisetzung des Bürgermeisters Meir Dizengoff am 24. September gestaltete sich zu der grössten Massenkundgebung, die Tel Aviv bisher erlebt hat. Neben der Bevölkerung von Tel Aviv nahmen zehntausende Menschen aus anderen Städten und Teilen des Landes an dem Leichenbegängnis teil. Die Häuser in den Straßen, die der Zug zum Fiedhof passierte, waren schwarz drappiert, Vertreter der Behörden, des Konsularkorps und Abordnungen aller Organisationen und Institutionen folgten dem Sarge. — High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat anlässlich des Ablebens Bürgermeister Meir Dizengoffs an den Vizebürgermeister von Tel Aviv, Rokach, ein Telegramm geschickt, in dem er der Stadt sein tiefgefühltes Beileid ausspricht. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat an die Stadt Tel Aviv und an die Executive in Jerusalem Beileidstelegramme zum Tode von Meir Dizengoff gerichtet. Aus dem Schatzrecht für den Einzelhandel . von Dr. Wolf gang S. Matzdorff Angesichts der Verlagerung der wirtschaftlichen Betäti gung jüdischer Kaufleute im Einzelhandel spielen -■viele allgemeine Rechtsfragen eine Rolle. Einige von diesen, die in der Praxis immer wiederkehren, sind in nachstehenden Ausführungen dargestellt. - Durch die gesetzlichen Bestimmungen des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels und die ergänzende Vorschrift werden öf-- iene Verkauf sstellen des Einzelhandels erfasst. Hierunter versiehtman Räume, in denen der Einzelverkauf von Waren ah den letzten Verbraucher stattfindet, und die dem Publikum zum Kauf von Waren im Kleinverkehr offen stehen. Es ist hierbei gleichgültig, ob die Verkaufsstellen sich im Kellergeschoss, in einer Etage, in einem Hof oder in einem Laden befinden. Auch verschlossene Wohnungen, zu denen durch Läuten Eintritt gewährt wird, sowie Hausflurläden fallen unter das Einzelhandeisschutzgesetz. •. Nicht berührt werden von dieser gesetzlichen Regelung Verkaufsstellen, die ausschliesslich an Wiederverkäufer Waren abgeben: Versandgeschäfte sowie Verkaufsstellen, welche lediglich aus Büro- oder Kontorräumen bestehen, (z. B. Annahmestellen von Färbereien usw.) Nach der gegenwärtigen gesetzlichen Regelung ist die Errichtung und Uebornahme von Verkaufsstellen der bezeichneten Art von einer besonderen behördlichen Genehmigung abhängig. Hierzu gehören auch solche Fälle, die einer Errichtung im Sinne des Gesetzes gleichgestellt werden müssen, z. B. Umwandlung eines Grosshandelsgeschäftes in ein Einzelhandelsgeschäft, Erweiterung des Lagers durch Aufnahme branchefremder Waren. ' Es ist zulässig, dass im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen von dem Verbot der Errichtung solcher Verkaufsstellen Ausnahmen gemacht werden, Voraussetzung hierfür ist, das3 der Antragsteller für die Leitung der Verkaufsstelle erforderliche persönliche Zuverlässigkeit besitzt, und dass die bisherige Vorbildung und Tätigkeit entweder die erforderliche Sachkunde nachweist oder aber erwarten lässt, dass die zur Sachkunde gehörigen Fachkenntnisse in Kürze angeeignet werden. Den Nachweis hierfür hat der Antragsteller zu erbringen. Er kann seine Sachkunde durch Zeugnisse xuaA sonstige Unterlagen nachweisen, welche geeignet sind, über seine Fähigkeiten ein Bild zu geben. Es ist selbstverständlich, dass diese Unterlagen einwandfrei und nicht von Verwandten oder aus Gefälligkeit offensichtlich geschaffen worden sind. Die persönliche Zuverlässigkeit als weitere Voraussetzung erstreckt sichi auf alle Eigenschaften, welche erforderlich sind, um eine ordnungsgemässe Betriebsführung zu gewährleisten. Tataachen, welche einen Mangel an dieser Zuverlässigkeit offenbaren, sind von der Behörde, welche über den Antrag zu entscheiden hat, nachzuweisen. Es kann auch für die persönliche Zuverlässigkeit die Frage ausschlaggebend sein, ob die erfordert ichenMittei für die Errichtung einer Verkaufsstelle vorhanden sind. Bei einem Mangel an erforderlichen Mitteln wird ein strengerer Masstab an die persönliche Zuvoeiassigkeit gelegt werden.

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