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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-10-01 · 1 (10.1936) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
1 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 An die Gemeindemitglieder! Auf die a) am 10. Juni und 10. September 1936 fällig gewesene Kultussteuerraten für Veranlagte b) am 15. Mai 1936 fällig gewesene Rate für Nur-Lohnsteuerpflichtige wird hierdurch nochmals hingewiesen. Wer die Raten noch nicht gezahlt hat, möge dies hei Meidung von Kosten und Weiterungen sofort . tun. (Postscheckkonto No. 800 Frankfurt ä. M.f Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde.) Wir verweisen im übrigen auf die diesbezgl. Bekanntmachung des Steueramtes in der vorliegenden Nummer. Frankfurt a. M., den 8. September . 1936 VORSTAND DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE ihrem Lelirplan hat, — wobei offenbar das erstere für den nach Nord-, das zweite für den nach Süd-Amerika Auswandernden berechnet zu sein pflegt, — sondern nach, wie vor das lediglich auf seine ideelle Weltgeltung hin gewählte Paar Englisch und Französisch betreut, wenn auch das letztere für die den Juden Deutschlands jetzt wichtige Wanderbeweguhg weniger lohnend erscheinen mag. Es liegen übrigens, wenn hier' einmal buchstäblich aus der Schule geplaudert werden darf, von früheren Hörern, die inzwischen übers große Wasser gegangen sind, Zeugnisse dafür vor, daß ihnen unser so „zweckfrei" geübter Sprachbetrieb auch für die wirtschaftlich wichtigen Aufgaben ihrer neuen Heimat von Nutzen gewesen ist. Und noch ein weiteres Geheimnis aus der Entstehungsgeschichte des neuen Programms sei hier verraten, weil es zeigt, wie viel Verständnis bereits bei dem Stamm treuer Teilnehmerfür unsere Auffassung vorhanden ist. Das Arabische, das dieses Tertial zum erstenmal als dritte moderne Fremdsprache erscheint, entspricht dem Wunsch einiger emsigen und erfolgreichen „Iwrith-Hörerinnen", die vorerst nicht an Uebersiedlung nach Palästina denken. Für die Hierbleibenden aber ist das Lebrhaus in erster Linie da. Nur sie müssen heute, wie oben angedeutet, befürchten, einer Kultur, die nicht ganz ausschliesslich im Jüdischen ruht, Auch beim besten Willen zum Gegenteil immer mehr verlustig zu gelien. Ihnen zuliebe hat daher unser Jüdisches Lehrhaus auch die Funktion der allgemeinen Erwachsenenbildung zu übernehmen; zumal in deren früherer Frankfurter Institution einige feeiner Dozenten sowie viele bisherige und eine weit grössere Zahl noch zu erwartender Hörer des Lehrhauses eifrige Gäste waren: Diesem Tatbestand wird das neue Programm in sehr augenfälliger Weise gerechte indem ' es wieder viel mehr als namentlich seine unmittelbaren Vorgänger Dingen,- die mit Judentum zunächst nichts zu tun haben, sozusagen in allen-Fakultäten einen verhältnismässig breiten Raum gibt. Wird der kleine Kurs über Nietzsche unter dem- Titel „George und Nietzsche" fortgeführt, der grosse Lehrgang über „Geschichte der Philosophie (Piato und Aristoteles)" beibehalten, der über Musik auf ein so spezielles Thema wie „Stil der-französischen-Musik" abgestellt, so erscheinen neu mit ebenso vielen Stunden bedachte Folgen über „Die bildende Kunst des Altertums" (dazu ausserdem „ Stilkundliche TJebungen für jugendliche Anfänger") und das „Sprechen als Kunst", aber auch über „die biologischen Grundlagen der modernen Psychologie" (neben einer kleineren „Einführung in die Vererbungslehre") sowie über -„Chemie in Küche und Haus" und wieder einmal eine „Einführung in das Verständnis weltwirtschaftlicher Vorgänge". Anderwärts sind die Bindungen an Jüdisches gelockert, so, wenn den TJebungen im Französischen Flauborts „Trois Contes" zu Grunde gelegt werden oder in einem kleineren Kurs über „die Kunst des Lebens" neben den Erinnerungen der Henriette Herz „Wilhelm Meister" und „der grüne Heinrieh" behandelt werden. Im letzteren Fall erfreut sich das Lehrhaus übrigens der Zusammenarbeit mit dem „Jüdischen Frauenbund", wie bei der schon erwähnten juristischen Veranstaltung derjenigen mit dem „Verein Israelitischer Handwerker". Diese im Interesse des Haushaltens mit den verfügbaren Kräften und Mitteln sehr zu begrüssende Beteiligung anderer Organisationen hat sich schon bisher bei dem gemeinsam mit lokalen und zentralen Wohlfahrtsstellen betriebenen „Sozialpädagogischen Seminar" bewährt, das im neuen Programm wesentlich ausgebaut ist. Die Bezeichnung „Seminar" erinnert uns daran, dass es bei allen Lehrgängen mehr auf Arbeitsgemeinschaften als auf blosse Vorlesungen der Dozenten abgesehen ist. Auch das entspricht einer Erfahrung des allgemeinen Volkshochschulwesens moderner- Zeit, das, wie man es dort nennt, der „intensiven" Volksbildung den Vorzug vor der ./'xtensiven" gibt. Allerdings wird schon aus taktischen Gründen auch diese nicht völlig auszuschalten sein, und das dokumentiert .sich in einer besonders repräsentativen Neuerung des vorliegenden Programms: unter Mitwirkung der „Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung" finden 5 Samstäg- Abendvorlesurigen über das Gesamtthema „Der Jude in der Welt" statt, bei denen schon die Namen der•— teilweise" von auswärts berufenen — Redner eine Attraktion bilden sollten. " Als ganz selbstverständlicher Kern dieses wie jedes Lehrhausprogramms hedarf hier hur einer kürzen Erwähnung jene Gruppe von grossen Lehrgängen, die, wie stets, sowohl elementare als tiefer schürfende Lektüre unserer Bibel in der Original-, wie in deutscher Sprache', Mischha, Jüdische Geschichte, diesmal neben einem vierstündigen Kurs des Leiters über ^,Das. Judentum im'Zusammenhang der Weltreligionen" bieten. Sie gewährleisten ja von jeher auch die Kontinuität mit dem einstigen „Freien Jüdischen Lehrhau's" Franz Rosenzweigs s. A., dessen „Entstehung" diesmal als Gegenstand der Jahrzeitslernstunde seines unvergesslichen Gründers neben einer Interpretation von „Micha 6,8" "angekündigt ist. Sehr gespannt;darf man endlich auf den Erfolg einer' zum' erstenmal unternommenen ,iEinführung- ' in die jüdische Völkskunde" sein. Es könnte sich an sie z. B. das Bedürfnis nach eingehender Heranziehung der im Lehrhaus' noch nie behandelten und' doch für seinen Gedanken durchaus wesentlichen jüdisch-deutschen Literatur früherer Jahrhunderte knüpfen. Ueberhaupt ist ja auch dieses Programm des Lehrhauses auf nichts weniger als auf Stillstand berechnet. Fragen, Wünsche, Anregungen der Hörer werden zu seiner Vervollkommnung in künftigen Tertialen nicht nur willkommen, sondern notwendig sein, wenn unser Jüdisches Lehrhaus eine lebendige Institutionbleiben soll. Gern würde man etwa die Einrichtung freier •Vereinigungen der Hörer zur weiteren Vertiefung der in den Lehrgängen gewonnenen Kenntnisse auf den verschiedensten Gebieten treffen, wie.sie im früheren Frankfurter. Volksbildungsheim üblich waren. Und so verheisst nach dessen. Beispiel unser diesmaliges,Programm für das Ende. des. Tertiais ehiei zwanglose „Zusammenkunft" von Hörern.und Dozenten, in der u. ä. auch derartige Zukunftspläne erörtert werden können. Unsere'Uebersieht muss daher mit dem Appell schliessen, mit dem sie begann. Die Hörer; «olche die es waren, und die es mehr odeT weniger geblieben sind, wie solche, die es — in weit grösserer Zahl als bisher, —; nöch werden müssen, sind die eigentlichen Baumeister eines lebensfähigen und zukunftsfrohen Jüdischen Lehrhauses! -

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