Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 12 (9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 471 (sequence 33)
- Language
- German
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Seite 471 sirZDkiin[lIlirerKlnilerSSrÄ Sie die LanflichulHeini Florenz Höhere Schule und Internat t. Schulbildung b. z. Abifurium 2. FQr Knaben und Mädchen von 6—18 Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen, intensivste Spracnenpflege 4. Stuaienberechtigung in fast allen Staaten 5- Eigene Haushaitfchule Stenographie, Schreibmsch. 6. Werkunterricht, Land- und Gartenarbeit 7. Vorbereitung für Auswande'ungsländer 8. Hausärztl. Ueberwachung individuelle Förderung 9. Schönste Umgebung, gutes Klima, Sport 10. Erstklassige Verpflegung, zeitgem. Preise, keine Tran^fersch Gierigkeiten Auskünfte und Prospekte durch die Leitung: Sat'Ä Dr. Werner Peiser Florenz, Villa Pazzi, Plan dei Giullari taofnahmen zum Wintersemester te des 13. Jahrhunderts bildet sich ein „Minhag" (die Gemeindesteuern am Chanukkah festzusetzen); also besteht die Gemeinde schon einige Zeit. 1241 oder wenig später dichtet der Friedberger Rabbi Jehuda ben Mose Hakohen seine Trauer-Ode auf die erste Frankfurter Judenschlacht. 1260 ist die Gemeinde bedeutend und wohlhabend, denn sie errichtet eine Mikwoh, die in der Welt ihresgleichen sucht. Der Zuzug scheint, wie auch nach anderen wetterauischen Gemeinden (Münzenberg!), vom' Rhein her gekommen zu sein. So ist der Stifter der Mikwoh Jsaak (aus) Koblenz. — Eine Wertsehätzung des jüdischen Elementes drückt sich damals — 1265 — in seiner nachdrücklichen Einbeziehung in den schon erwähnten Landfrieden aus. Damit stimmt überein, dass, während noch 1241 die Gesamtjudenschaft der Wetterau 150 Mark Silber an Judensteuer zu zahlen hat, 1275 die Friedberger Juden allein 130 Mark Kölner Münze entrichten. In diesem Jahr nimmt Rudolf von Habsburg sie in seinen königlichen Schutz und übergibt sie der Obhut der Burg. Dennoch haben sie 1336 unter den Judenschlägern Gebrüder Armleder zu leiden, noch bitterer ist das Jahr 1349 (der schwarze Tod). Dazu wurden sie noch der Miturheberschaft an einem grossen Brand in Hanau beschuldigt; Ullrich von Hanau eignet sich „die Judenschule, das Judenbad und einige Juden- Häuser und Hofstätte zu Fridburg" zu und verkauft sie ein Jahr darauf „an Burgemeistern, Schöffen, Rath und Gemeine Stadt Fridburg vor eine genannte Summe Geldes", wird schliesslich 1351 von Karl IV. mit den Juden jener ganzen Gegend „belehnt". Das Privilegium fori, d. i. das Recht der alleinigen Gerichtsbarkeil über seine Juden erhält Hanau aber erst 1434; bis dahin können sie auch vor das geistliche Gericht von Chur-Mainz gezogen werden. Inzwischen hat die Stadt Friedberg schon 1359 mit den anderen wetterauischen Reichsstädten einen neuen, engeren Landfrieden abgeschlossen, der vorzüglich den Zuzug von Juden erleichtern und sichern sollte. Inwieweit Friedberg dann von der Judenverfolgung betroffen wurde, die 1445 die ganze Wetterau durchtobte, steht nicht fest; die Gemeinde bleibt jedenfalls wohlhabend: 1495 nehmen 6 Gemeindemitglieder, darunter ,,calman Arzt, und Nasse Worffelmacher" (Nathan der Würfelmacher!) an einer grossen Hochzeit zu Münster am Stein teil, und werden wegen „Geleitsbruch" also etwa Passvergehen, mit vielen anderen Hochzeitsgästen festgenommen, bis vier reiche Teilnehmer, darunter die Friedberger Mayer Back und Liepmann, die ganze Gesellschaft mit 2100 „Rinischer Gulden" (über 21000 Reichsmark) auslösen ,,und darinnen viel truwlichen ubung und arbeit getan habent." Die Wohlhabenheit der Gemeinde bewirkt wohl neben der persönlichen Würdigkeit ihrer Mitglieder, daß 1515, als der Churfürst-Erzbischof von Mainz die Stände und Freien Städte seines Gebietes zur Austreibung aller Juden veranlassen will, der Btirggraf von Friedberg — nach allerlei Ausflüchten und Befragung all seiner Burgmannen ablehnt, d. h. nur unter der Bedingung zusagt, daß — unter anderem — erst einmal die Uebervorteilung der im ausgedehnten Gebiet der Burg wohnenden Bauern durch die Frankfurter (Christen!) aufgehört habe! 1523 schliesst die Gemeinde ihren wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhunderfc stammenden Friedhof an der äusseren Mainzer Pforte, nahe beim Richtplatz, und legt den neuen an der inneren Mainzer1 Pforte, links der Ockstadter Strasse an, der erst 1934 geschlossen wurde. Bald kommt aber eine neue Prüfung über die Friedberger wie über die Gesamtheit der Juden in Deutschland: Dr. Martin Luther, erst ein begeisterter Fürsprecher der Juden, aber von ihrer ablehnenden Haltung auch gegenüber dem protestantischen Christentum tief enttäuscht, wendet sich scharf gegen sie; mit ihm einige seiner weniger geistvollen, aber desto gröberen Mitarbeiter. Besonders Martin Butzer, geistlicher Berater Philipps des Grossmütigen von Hessen, predigt und schreibt unermüdlich gegen die Juden. Gewalttaten setzen ein. Ein Raubgeselle, der auf der Landstrasse bei Friedberg einen Juden verletzt und beraubt, verteidigt sich: „sehe, jude, den truck an, so Butzerus erlaupt hat, man soll auch euer gueter nemen und die teilen under arme." Gerade diesen Fall nimmt Josel von Rosheim, der berühmte Verteidiger und Ermahner seiner jüdischen Brüder, zum Anlaß, sich mündlich und schriftlich mit einem gewissen Erfolg, besonders auf dem Frankfurter Reichstag von 1539, mit Martin Butzer auseinanderzusetzen. — Die gross gewordene Gemeinde pflegt jüdische Wissenschaft und beruft bedeutende Rabbinen. 1588 stirbt dort R. Chajim ben Bezalel, Bruder des Rabbi Low ben Bezalel, des „Hohen Rabbi Low" in Prag. Er oder sein Nachfolger R. Jakob begründete die 1596 zum ersten Male aktenmässig erwähnte Jeschiwah, die Jahrhunderte in enger Beziehung zur Frankfurter Gelehrtenwelt stand. 1603 präsidiert der aus Friedberg stammende R. Samuel ben Elieser als „Oberster Rabbi" der grossen Rabbinerversammlung in Frankfurt, die u. a. folgende Beschlüsse fast: Die Juden sollen ihre Streitigkeiten nicht vor die Landesherrlichen Gerichte bringen, damit sie nicht noch mehr „verschmäht" werden. Es werden 5 jüdische Gerichtshöfe gebildet, deren einer in Friedberg. Tn Haft gekommene böswillige Bankrotteure dürfen nicht unterstützt werden. Innerhalb 30 Tagen ist der Missbrauch abzustellen, daß manche sich kleiden, daß „man sie nicht als Juden erkennen soll" und etliche „kleiden sich und ihre Töchter, als sie grosse Herren wären". Friedberg wird! auch Sitz eines Bezirks-Schätzungsausschusses zur Bildung eines Fonds für allgemeine Fälle, nämlich etwaige „fürstfällige Sollicituren". Als 1617 nach der Beendigung des Fettmilch-Aufstandes die ersten 40 Frankfurter Fami- Fordern Sie den neuen Gesamtprospekt des Schocken Verlags Berlin SW19an