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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-09-01 · 12 (9.1936) · p. Seite 469

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
12 (9.1936)
Date
1936-09-01
Page
Seite 469 (sequence 31)
Language
German
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Seite 469 M. S. Feitier Reuferweg 77 Telefon 51704 Versicherungen aller Art Verwaltungen Und doch Kinderstube! Wir wissen alle, daß das Einzige und Beste, was wir heute unseren Kindern ins Leben riiitgeben können, eine gute Erziehung und Ausbildung ist. Für die letztere opfern heute sehr viele Eltern das Aeusserste, selbst die eigene Existenz. Die gute Erziehung aber ist bedauerlicherweise in vielen Familien, in denen sie bisher selbstverständlich war, etwas in den Hintergrund getreten. Die Matter, die den ganzen Tag über mit den Dingen des Haushaltes beschäftigt ist, und mit dem Familienvater die Sorgen für das Heute und Morgen zu tragen hat, der Vater, der um die Existenz der Familie ringt, sie sind beide oft zu mürbe und zu müde, als dass sie jene liebevolle Kleinarbeit zu leisten, jene Atmosphäre in ihrem nause zu verbreiten vermöchten, die wir unter dem Begriff .Kinderstube" zusammenzufassen uns gewöhnt haben. Und doch lesen wir immer wieder in privaten Berichten und Briefen, die wir von Jungen Menschen aus dem Ausland erhalten — die Zeitungen und Zeitschriften müssen sich in ihren Schilderungen auf die nackten Tatsachen beschränken —, das» der Arbeitsuchende der neben dem sachlichen Können eine „Kinderstube" hat, sehr viei leichter vorwärts kommt, als manch ERSTKLASSIGE H R | S S DAMENSTOFFE rossmarkts, i lh» einer, der, mit grösster Begabung und Kenntnissen ausgestattet, sein Glück in der Fremde versucht, aber auf sogenannte äussere Formen verzichten zu können glaubt. Der Begriff ,.Kinderstube" iimfasst aber meinals äussere Formen. Er gehört wie manches in unsere Sprache übergegangene Fremdwort zu jenen, die sich niemals ganz definieren lassen, bei denen immer ein Etwas unerfasst bleibt. Dieses Etwas aber ist hier das Fludium, das abgesehen von den „guten Manieren" nur in einer harmonisch gepflegten Häuslichkeit aufwächst, das jene zunächst wie Aeusserlichkeiten wirkenden Formen zu einem Teil des Wesens des Menschen macht und ihm so Sicherheit gibt und ihn das Leben leichter ^meistern lässt. Dieses Fludium ist früher in der jüdischen Familie vorhanden gewesen. Die Mutter hat sich darum bemüht, dem Kinde gute Formen anzuerziehen, in den Gesprächen bei Tisch, in der Familiengeselligkeit, in dem Verkehr mit Gleichaltrigen hat man dem Kinde alles Hässiiche fernzuhalten versucht. Dazu kam jene Atmosphäre bürgerlicher Geborgenheit, die sicher manches Negative gezeitigt, aber doch dem Kinde in den Augen der Eltern „eine schöne Jugend" gesichert hat. Mag diese schöne Jugend der jungen Generation heute verloren sein — sie hat bestimmt bei vielen jungen Menschen die Kräfte für den Lebenskampf nicht nur nicht gestählt, sondern sogar verweichlicht —, so müssen doch die Eltern ihren Kindern die Kinderstube erhalten, auch wenn das sie viel Selbstbeherrschung und Selbtdisziplin und manche Nerven und seelische Anstrengung kostet. Vielfach haben heute noch manche Mütter in einer falschen Sentimentalität die Anschauung, dass sie, nachdem die Kinder soviel entbehren müssen, was unsere Jugend schön gemacht hat. jede Strenge in der Erziehung ausschalten, über viel hinwegsehen sollen, was sie früher gerügt und getadelt hätten. Sie tuen ihrem Kinde bestimmt nichts Gutes damit. Zu all diesen „Momenten kommt hinzu, dass die früher gepflegte Geselligkeit, in der sich die jungen Menschen aneinanderfortnen und abschleifen konnten, aus den verschiedensten Gründen in sehr vielen Familien wegfällt. Und mag der „Bund" für die junge Generation sehr viel bedeuten, ja sie für fast alles entschädigen, was ihr sonst entgeht, die „Kinderstube" kann er nicht ersetzen. Die Erziehung für die Gemeinschaft schliesst nicht unbedingt jene Eigenschaften ein, die den Menschen im persönlichen Verkehr angenehm machen. Auch die Schule hat andere Aufgaben, oder schiebt diese in den Hintergrund. Hier kann und darf also das Elternhaus in seinen Bemühungen nicht erlahmen, und die beste Berufsausbildung, die tüchtigste Leistung in der Gruppe und im Bund können nicht das ersetzen, was eine „gute Kinderstube" dem jungen Menschen an Gaben und" Kräften mit auf den Lebensweg gibt. Dr. Henny Stahl Hausfrauen, wenn Ihr Hilfe braucht denkt an die NACHBARHILFE Fernruf 27093 oder 53235 Neue Herbst ■ Mäntel bringen wir in gewohnter Reichhaltigkeit. Besonders verweisen wir auf elegante hochwertige Mäntel in Sporlfform oder mit Pelzkragen FUHRLXNDER Versandkonditorei Bernh. 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