Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 12 (9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 447 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 447 S0fie ROSSbaCh Kaiserstr ^gggggSggen Neueste Modelle für Herbst und Sport sind eingetroffen. Umarbeitungen nach denselb. billigst erzogen werden, bei der Auge und Hand zu jeglicher Leistung geschult und geschickt wird. — Und noch ein Gebiet sollte schliesslich in jüdischen Schulen gepflegt werden, ein Gebiet, hei dem gebundene Werkarbeit mit freiem künstlerischem Gestalten sich in schönster Weise verbindet: Das Modellieren. Es gäbe — auch im Hinblick auf einen späteren Beruf — reichste Anregung, bildende Kräfte zu entfalten, gäbe Gelegenheit, jüdisches Kultgerät in Anlehnung an traditionelle Formen neu zu gestalten, gäbe die Möglichkeit, von kunstgewerblichen Dingen aller Art, von Schmuck und Gebrauchsgegenständen zur Formung von Pflanzen, Tier und Mensch in Relief und Freiplastik zu führen. Nicht nur mit Auge und Hand, sondern „mit ganzer Seele" wird hier gestaltet, und das geschaffene Werk wird Abbild der Seele. Die Leipziger Schülerwerkstatt führt den alten Wahlspruch: „Hilde das Auge, übe die Hand, Fest wird der Wille, scharf der Verstand". Der Wille unserer jüdischen Jugend muss für heule und in Zukunft stark und fest sein! Durch Werk arbeit sind die pliy tischen und psychischen Kräfte zu bilden, die vereint auch eine harte Wirklichkeit erfassen und besiegen. Das Tournee-Orchester für die Jüdischen Kulturbünde im Reich Entstehung und Entwieldungsmögliehkeit von Intendant Dr. Kurt Singer (Berlin) Als im Winter .1933 der jüdische Kulturbund-Gedanke auch ausserhalb Berlins im Reich Wurzel zu fassen begann, war es Frankfurt a. M, das mit der Gründung f ines Symphonie-Orcheslers einen entscheidenden Schritt zur Aktivierung des jüdischen Kulturlebens tat. Allseits bekannte Schwierigkeiten der Besetzung der einzelnen Orehesterposten mit vollwertig ausgebildeten Musikern, besonders für die Bläsergruppen, wurden durch die Persönlichkeit von Hans Wilhelm Steinberg in zweijähriger mühevoller und erfolgreicher Aufbauarbeit überwunden. Schon nach kurzer Zeit hatte sich das Orchester einen Ruf auch ausserhalb Frankfurts erworben, so dass es im Laufe von 2 Jahren im ganzen Westen des Reiches als starker Motor der kulturallen Veranstaltungen des jüdischen Kulturkreises mehr und mehr in Erscheimmg trat. Nicht nur die klassische Symphoniemusik, sondern auch die moderne, besonders jüdische Orchestermusik wurde in einer grossen Reihe von Konzertprogrammen zu Gehör gebracht. Das Frankfurter Orchester hat als erstes seit 1933 eine Mahler-Symphonie aufgeführt. Selbstverständlich war die Erhaltung des grossen Apparates ein Etat-Problem, das den Jüdischen Kulturbund Frankfurt a. M. auf das Aeusserste belastete. Obwohl ein Kreis von Gönnern und Freunden Hilfe leistete, trotz aufopfernder Arbeit war es am Ende der 2 Jahre nicht mehr möglich, die immer grösseren Anforderungen, die an die Arbeitskraft des Orchesters durch die vielen Tourneen in der Provinz gestallt wurden, zu erfüllen. Es stellten sich ernste Schwierigkeiten ein, die den Fortbestana des Orchesters bedrohten. Von vornherein war es klar, dass ein so wertvoller Kulturfaktor wie das Frankfurter Kulturbund-Orchester nicht ohne weiteres fallen gelassen werden konnte. Die Frage war, wer auf die Dauer den Etat des Orchesters tragen sollte und wie die ausgedehnte Tournee-Tätigkeit so systematisch durchorganisiert werden könne, dass ein grösseres Defizit zu vermeiden sein würde. Das Publikum des Kulturbundes Frankfurt konnte nicht auf die Dauer auf den starken künstlerischen Wert seines Orchesters verzichten. Hinzu kam, dass durch die Berufung Hans Wilhelm Steinbergs nach Palästina und an den Jüdischen Kulturbund- Berlin die Frage nach einem neuen Leiter des Frankfurter Orchesters aufgeworfen wurde. Nach langen Erwägungen, an denen der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde aufs höchste interessiert und beteiligt war, ist nun ein Plan fertiggestellt worden, dessen Durchführung alle Probleme auf eine gute Weise zu lösen geeignet ist. Nach Abwanderung einzelner Orchestermitglieder sind die freigewordenen Stellen mit gut ausgebildeten Nachwuchsspielern neu besetzt und zum neuen künstlerischen Leiter des Orchesters Generalmusikdirektor Professor Julius Prüwer bestimmt worden. Das Orchester wird in Frankfurt stationiert bleiben und ein Teil seiner Arbeit wie bisher für die Mitglieder des Jüdischen Kulturbundes Frankfurt leisten. Darüber hinaus soll statt der einzelnen Gastspiele ausserhalb Frankfurts eine Konzertreise mit festen Abschlüssen durch das ganze Reichsgebiet erfolgen, die das Orchester den grössten Teil der Saison hindurch beschäftigen wird. Es sollen vor allem nicht nur die grossen Kulturzentren, sondern auch kleine und kleinste Orte und Gemeinden mit Aufführungen des Orchesters bedacht werden. Damit wäre das 0".ehester die grosse Instrumentalvereinigung, die für alle jüdischen Kulturorganisationen zur Verfügung steht. Daneben soll ein Streichorchester gebildet werden, das für Spezialaufgaben eingesetzt werden wird. Die Finanzierung des neuen Tournee-Orchesters ist so gedacht, daß mehrere Gruppen im ganzen Reichsgebiet die Aufgabe haben sollen, den Etat des Orchesters zu decken, so daß den einzelnen Veranstaltern, also auch den Kleinstgemeinden nur die Aufbringung für die örtlichen Spesen und die Unterbringung und Verpflegung der Künstler verbleibt. Von den in Aussicht genommenen Gruppen hat sich der Kulturbund Frankfurt a. M. als einer der ITauptinteressenten bereit erklärt, V4 der nötigen Garantiesumme von sich aus zur Verfügung zu stellen. Ferner soll die Reichsvertretung der Juden in Deutschland und die jüdischen Kulturbezirke Norddeutschland, Rheinland, Bayern, Süddeutschland, Mitteldeutschland, Südostdeutschland und Nordostdeutschland die restliehen % der Garantiesumme aufbringen Tn den angeführten Bezirken haben sich Vertrauensleute der Sache angenommen x\m\ sich zur Durchführung dieses Finanzierungsplanes bereit erklärt. Mit der Ausführung des vorliegenden Planes Aväre eine kulturelle Tat ersten Ranges geschehen. Ein Orcbe-ter, dessen Qualität seit mehr als 2 Jahren in allen jüdischen Kulturbezirken im Reich bekannt ist, wäre nun Gemeingut aller jüdischen Kulturorganisationen geworden. Auch die kleinste Gemeinde wäre in die Lage versetzt, grosse Symphonie-Programme ihren Mitgliedern bieten zu können, ohne dafür mehr als für einen einfachen Solistenabend aufwenden zu müssen. Abgesehen von der sozialen Wichtigkeit, eine so grosse Zahl von jüdischen Künstlern in Arbeit und Brot zu halten, wird mit der Durchführung des Planes eines der wertvollsten Träger des jüdischen Kulturkreises erhalten. Ich zweifle keinen Moment, dass alle Schwierigkeiten, die etwa noch im Wege stehen, überwunden werden. Das Ziel ist gross und lohnt den Einsatz aller Mittel und Kräfte. KULTURBUND Gärfnerweg 62, TEL 526381 JAHRES-BEITRAG RM 3.— sofort einzahlen [Postsch.: Gebr. Sulzbach Nr. 1203