Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 11 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 412 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 412 ^1% Frankfurt am Main 1886-1936 Vieles billiger! im Sommer - Sdiluss«Verkauf Beginn 27. Juli Frankfurt am Main 1886-1936 überwiegen, wirklich gleichmässig unverstellt, eher frohgemut als wehleidig, — Zeugnisse der Ausgeglichenheit des Schreibenden voll jugendlicher Bejahung, wehngleich ohne Exzess. Diese Familienbriefe sind fast durchweg auf die Note sachlichen Berichts gestellt, atmen Klarheit und Ordnung, halten sich allem schönen Sehein gründlich fern. In der Offenherzigkeit soldatischer Bekenntnisse geht auch ein disziplinerter Sohn in Zivil____Im Tone gehaltener, zurückhaltender, doch niemals steifpretiös und künstlich distant sind die Briefe andie Freunde; sie vermitteln gleichwie sprechend den Zauber, der von der Unterhaltung des jungen, patrizischen und geistbeschwingten Menschen, der Ueberlieferung zufolge, ausging — und, dank der austrisch-italischen Blutmischung, auch in sein Werk einging. Wie charakteristisch für diese schon südlieh schillernde, von allen Grazien gewiegte und dazu souverän stilgerechte Begnadung der Meistertext des „Rosenkavalier", der, wehmütig-schwärmerisches Idyll aus der theresianischen Epoche, 1911 veröffentlicht, schon wie ein leises Abschiednehmen vom grossen alten, in Fall und Verfall von Hofmannsthal unendlich betrauerten österreichischen Vaterland ausklingt. Welch zwillinghaften Anteil aber Kunst und Natur an diesem Dichter haben, wie verwurzelt seine oft beredete „Kultur" in heimatlichem Nährboden ruht und nicht etwa Saat und Auslese von neutralen Bücherborden bezieht, tut in blendender Klarheit die Lektüre des Komanfragments „Andreas oder Die Vereinigten" dar, des wohl Schönsten, was Hofmannsthal hinterlassen hat und das, darin vielleicht Schuberts „Unvollendeter" vergleichbar, auch deshalb Fragment blieb. Ein Gebirgstal in Kärnten und Venedig sind des wunderbaren Prosastückes Schauplätze, — Schauplätze im ursprünglichen Begriff, insonderheit Venedig, dessen märchenhafte Kulissen gerade diesem Dichter nach Herkunft und Wanderziel entgegenzukommen scheinen. — Zu den Briefen des jungen Hofmannsthal zurückzukehren, so findet sich in der Empfängerliste kaum ein Dutzendhame; vornehmlich aber kommen neben der Beziehung zu Theaterleitern von da- und nachmals: Brahm, Alfred Freiherr v. Berger, dem Gatten der Wiener" Burgschauspielerin Stella Hohenfels, Clemens zu Frankenstein und, wenn man ihn auch hier einreihen will, dem schon genannten Hermann Bahr, vertrautere Freundschaften mit dem Meyerbeer-Nachkommen Leopold Freiherr von Andrian zu Werburg, mit Arthur Schnitzler und Eichard Beer- Hofmann zum Ausdruck. In litteris zwar kennt der Briefschreiber, wie man zu sagen pflegt, keine Freundschaft: da zeigen sich, unbeschadet persönlicher Wertung und Zuneigung, seine Urteile unbestechlich. Mit S'chnitzler, um zwölf Jahre älter und schon damals ein weitberühmter Autor, verbindet ihn manche Verwandtschaft, sogar der Vatertragik und Todesstunde; aber damals, mit zwanzig und dreissig, gesellte sie eine harmlose Passion zum Fahrrad, mit dem sie gemeinsam weitläufige Touren unternahmen. Dieses war dazumal das beliebte Verkehrsmittel, das sozusagen private Flügelross der Dichter, das geruhsame Anschauung der Natur und nützlichen Literatur-Austausch gab. Achtzehn Briefe Hofmannsthals gehen an seinen Wiener Landsmann B e e r-H o f m a n n, der in diesen Tagen sein siebzigstes Lebensjahr vollendet. Der letzte jenes Zeitraums, aus Paris und vom April 1900 datiert, führt eine bei der schamvollen Gewöhnung des Schreibenden überraschend intime, ja demütig bekenntnishafte Sprache. Beer-Hofmann, ohnehin von sparsam gewählter Produktion, stand damals noch in den Anfängen seiner Laufbahn; er ging allmählich erst dem Bühnenerfolg seines „Graf von Charolais" entgegen. Aufschlussreich und kennzeichnend für beide Teile einige Sätze aus diesem letzten frühen Dichterbrief, die aus dem Persönlichen ins Allgemeine gleiten und, nach einem Menschenalter, noch immer den Toten wie den Lebenden veranschaulichen und ehren: „Mein lieber, lieber Richard, es ist vielleicht das sicherste Zeichen, dass es einem gut geht, wenn man sich mit ungewöhnlicher Innigkeit und Heftigkeit bewusst wird, wie gern man einige Menschen hat und wie dankbar man ihnen ist.Wenn ich eine längere Zeit von Ihnen entfernt bin und es geht mir schlecht, wie damals in Lugano, so verlange ich mir nichts so sehr, als Sie bei min zu haben; geht es mir aber gut, so erinnere ich mich bloß an Sie, aber mit einer so starken Empfindung, dass ich sie nicht recht auszusprechen weiss. Ich kann mich nicht an eine Stunde erinnern, in der es mich nicht gefreut hätte, mit Ihnen zu sein. . — —". „Es fällt mir öfters ein, aber ohne besondere Wichtigkeit, daß Ihnen meine Gegenwart und Existenz wohl unvergleichlich weniger bedeutet als mir die Ihre. Es mag zum Teil daran liegen, dass Sie um einen wichtigen Abschnitt älter sind: immer habe ich die Empfindung, Sie auf dem Weg des Lebens vor mir hergehen zu fühlen, hie und da sprechen Sie zu mir zurück, ich sehe Ihren Weg durchs Gebüsch, und wenn ich dann hinkomme, macht es mir eine ganz undefinierbare Freude, zu erraten, dass Sie hier schon gewesen sind. Ich kann kaum begreifen, dass Sie mich in früheren Jahren haben vertragen können: denn ich habe doch eine schwer erträgliche Art gehabt, und auch eine gewisse Schlechtigkeit, kommt mir vor. Nur ein ziemlich heftiges, wenn auch unsicheres Bestie Die Frankfurter Bankf Neue Mainxerstrafje 69 gegründet 1854 Tel. 20901 übernimmt die Ausführung aller bankmässigen Geschäfte Spareinlagen gegen Sparbuch Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen