Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 11 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 413 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 413 ben hab ich wohl immer gehabt und eine gewisse alchimistische Fähigkeit, aus dem Vielerlei der Realität wenigstens etwas Verborgenes herauszuschmelzen, wenn auch sehr wahllos und oft freudlos. Ich kann Ihnen keine rechte Rechenschaft darüber geben, was es ist, das mich jetzt um so viel mutiger, sicherer und heiterer macht. Es ist keineswegs irgendein Erlebnis oder etwa eine Beziehung zu einer einzelnen Person. Es ist hauptsächlich die Fruchtbarkeit von vielstündigem Alleinsein, viele Wochen hindurch. Und als unmittelbares Resultat davon: ein ganz neues Auffassen der Existenz, der Beziehungen zu den Eltern und anderen Menschen; eine Art von innerem Sonnenaufgang. Was ich mir jetzt ausdenke, kommt mir wie ein unverlierbarer Besitz vor: was es aber ist, kann ich Ihnen nicht aufzählen, denn es ist zu vielfältig. Es ist vieles, was sich in Gestalten und poetischen Situationen ausdrücken lässt; viele Reden, an meine Eltern und andere Personen gerichtet, die ich aber nie wirklich aussprechen werde; vieles, was sich auf den Tod geliebter Menschen und auf den eigenen bezieht...." „____Daß Sie aber mit Wesen wie Ihre Frau und ihr Kind auf einer Reise in Italien nicht die notdürftige innere Harmonie zur Fortführung einer Arbeit finden, hat etwas, was weh tut, und etwas Widersinniges. Sie müssen dazu kommen, aus der Stimmung, nicht nach erloschener Stimmung zu arbeiten, es liegt eine tiefe Gefahr in dem Verwesen unrealisierter Phantasien." -- Jüdische Notstandsküche Frankfurt am Main Vier Jahre werden es im September 1936, dass die Jüdische Notstandsküche ihre Tätigkeit begonnen hat. Damals glaubten wir, lediglich für die Dauer eines Winters eine Einrichtung schaffen zu müssen, um 200 Menschen in der kalten Zeit eine Mahlzeit zu verschaffen. Aus der provisorischen Noteinrichtung wurde eine Dauerfürsorgestelle, die Sommer wie Winter Hunderte von Menschen täglich mit Essen versorgt. Wir sind stolz darauf, gerade diese Einrichtung geschaffen und bis jetzt trotz grösster Schwierigkeiten aufrecht erhalten zu haben. Während in den ersten Jahren des Bestehens der Küche ein Teil des Essens in der Küche des Israelitischen Krankenhauses (dank dem Entgegenkommen seiner Verwaltung), ein weiterer Teil in einer Küche der Quinckestrasse gekocht wurde, ist jetzt die Notstandsküchenarbeit in der Quinckestrasse 26 zusammengefasst. Hier wird auch das Essen verausgabt. Ura die Familiengemeinschaft zu erhalten, wird davon Abstand genommen, die Essensempfänger an Ort und Stelle das Essen einnehmen zu lassen. Für einen erheblichen Teil von Betreuten, die wegen Alters, Krankheit oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, ihr Essen selbst abzuholen, wird es durch Boten in die Wohnung gebracht. Allein auf diese Weise erhalten täglich 150 Haushaltungen mit 450 Köpfen ihr Mittagessen. Daß die Herstellungskosten des Essens seit der Gründung der Küche gestiegen sind, bedarf keiner Erwähnung. Trotzdem wird auch heute noch den Hilfsbedürftigen gegen die geringe Vergütung von 10 Pfg. für die Mahlzeit das Essen verabreicht. Die Zahl der Portionen, die wir gegenwärtig ausgeben, beträgt fast 1300, unter ihnen allein mehr als 300 für Kinder, die während der Ferienspiele von der Küche verköstigt werden. Die Gesamtzahl der Essensportionen, die im Jahre 1935/36 verausgabt wurden, betrug 2 7 8192. Im laufenden Jahr wird sie noch wachsen, wurden doch bereits in den ersten drei Monaten 73187 Portionen ausgegeben. Trotz der Zuschüsse durch die Israelitische Gemeinde, die In unserer grossen Auswahl finden Sie besonders billige Stoffe in bekannt guten Qualitäten (0f^a*Jtäjtfi&>9> besonders billige WOLLSTOFFE SEIDENSTOFFE WASCHSTOFFE Upewnlhal Gegr. 1870 An der Hauptwache