Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-08-01 · 11 (8.1936) · p. Seite 410

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
11 (8.1936)
Date
1936-08-01
Page
Seite 410 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094437--5318-3100130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 410 Dr. jur. Hugo Hoff mann Oberlindau 51 Tel. 76655 Versicherungen aller Art mehr die Eede davon sein, daß die Aussprache des Kamez als o und Cholem als au in Deutschland durch das Fränkische hervorgerufen worden sei9*. Zwar ist im Fränkischen im 10. Jahrhundert gelegentlich langes a durch o verdrängt worden, aher erhalten hat sich das lange a trotzdem; und wenn auch die Landessprache der Aufnahme der damaligen palästinensischen Aussprache des Hebräischen entgegenkam, so hat sie sie nicht verursacht, sondern nur erleichtert — Ein wichtiger Kronzeuge ist Abraham ibn Esra (1092—1167), der in seinem grammatischen Werk „Zachoth" (Reinheit) — nebenbei dem ersten in hebräischer Sprache ge-_ schriebenen grammatischen Werk — auf Blatt 3 b schreibt . „Es (das Kamez) ist nicht offen wie das Pathach, so wie wir es an diesen Orten lesen; nur die Männer von Tiber«as und die Gelehrten Aegyptens und Afrikas können das grosse Kamez lesen." Die Sephardim, die also gezwungen waren, den Bibeltext in einer ihrer Aussprache nicht entsprechenden Vokalisation zu lesen, halfen sich häufig, indem sie statt des Kamez katan auch da Chataph-Kamez ( T: ) schrieben, wo es nach unserer Gram- 9*) Diese Ansicht vertritt z. B. Otto Geismar, Der Zwiespalt in der Aussprache des Hebräischen in: Jüdische Schulzeitung, 3. Jahrgang (1927) No. 4. Vgl. zur Widerlegung: Braune Althochdeutsche Grammatik § 25, sowie Althochdeutsches Lesebuch, z. B. S. 56 der 9. Auflage. matik nicht berechtigt ist, und wo es in unserem heutigen Text nicht steht. Wir finden das Chataph-Kamez statt des Kamez katan z. B. in dem Reuchlinschen Prophetenkondex vom Jahre 1105/06, heute unter dem Namen Manuskript Durlach 55 im Besitz der Karlsruher Landesbibliothek10*. Ohne Frage war die Sprache des babylonischen Talmuds so phardisch. Das beweisen die unzähligen lateinischen und griechischen Ausdrücke in hebräischen Buchstaben. Ebenso muß die Sprache der LXX sephardisch gewesen sein. Denn die hebräischen Eigennamen wären sonst in anderer Form ins Griechische und ebenso ins Lateinische und Deutsche eingedrungen. Durch die LXX (2. Jhd. vor unserer Zeitrechnung) wurden später die christlichen Hebraisten, vor allem R e u c h 1 i n, veranlasst, sich der sephardischen Aussprache zu bedienen. Dazu kommt, daß die sephardische Aussprache von Babylonien aus nach Spanien kam, und die spanische Epoche innerhalb der jüdischen Geschichte die Blütezeit der Grammatikforschung gewesen ist. So kommt es, daß die hebräische Sprache für die sephardische Aussprache von Juden und Christen besser durchgearbeitet ist, daß die Dichter der Neuhebräischen Dichterschule (etwa 1000 bis 1250) sephardisch geschrieben haben, daß die Betonung exakter ist, und daß die ursprünglich östliche, babylonische Aussprache dem heutigen lebendigen Hebräisch unter Einfluss von Elieser ben Jehuda ihren Stempel' aufgedrückt hat. Wahrscheinlich also ist die „ursprüngliche" Aussprache des Hebräischen das Sephardische gewesen; aber die aschkenasisehe Aussprache kann ebenfalls auf ein ehrwürdiges Alter zurückblicken, sie ist mindestens so alt wie die heute benutzten Vokalzeichen. 10*) Eine Photographie einer Seite befindet sich bei Stade a. a.O Briefe des jungen Hofmannsthal *) von Siegmund Bing Vor sieben Jahren, am 15. Juli 1929, ist Hugo von Hofmannsthal, 55jährig, erloschen. Ein Mitstreb-ender im Geiste, Raum- und Wandergenosse durch ein Menschenalter, Jakob Wassermann schrieb ihm das Requiem: „Hofmannsthal der Freund" (1930 im S. Fischer Verlag). Um des Freundes „schönen und schrecklichen Tod" wird dort Klage geführt. Schon mit 27 Jahren hatte Hofmannsthal in aller Herzens-Gewissheit die Lebensgefährtin gewählt und heimgeführt, — nach jenem bescheidenen Landsitz in Rodaun bei Wien, wo auch sein äusseres Dasein, Jabrzehnte lang anscheinend gesichert und friedlich geborgen, nach Art einer antiken Schicksalstragödie enden sollte, ohne dass eine schuldhafte Hybris sichtbar geworden wäre: Der ältere Sohn des Hauses tötete sich in irgendwelcher Verstörung: als der Vater sich voll heroischer Haltung zur Bestattung rüstete, traf ihn, und nicht nur *) Hugo von Hofmannsthal, Briefe 1890—1901. Aus dem Nachlass. S. Fischer Verlag, Berlin 1935. Mit Anmerkungen, Zeittafel u. s. w. 352 Seiten. im bildlichen Sinne, der todbringende Schlag. Eine jähe Euthanasie gönnten so die Götter Einem, der in vielem ihr Liebling schien und; dem bis zuletzt Züge des Jünglings anhafteten. Vom Werdenden hatte er noch im Mannesalter die Prägung, vom Kinde sogar, von dem nach Zarathustras weisem Ausspruch mehr noch im Manne als im Jüngling ist, und andererseits war — entgegen der Legende — der wunderbar Begabte keineswegs ein effeminierter, sondern ein sehr männlicher Knabe gewesen, als er schon zu Ruf und Namen aufstieg. Er gehörte nicht zur missgeschickten Gattung der Wunderkinder, sondern konnte sich wandeln und vollenden, die Ballade seines äusseren und inneren Lebens formen und runden, so unerhört frühfertig er auch in Erscheinung trat und so vorzeitig-unvermittelt er ausging.... Man weiss: Hermann Bahr, dem jungen Hofmannsthal um ein gutes Dezenium voraus, entdeckte eines Tages im Jahre 90 in einer literarischen Zeitschrft das noch unbekannte Pseudonym „Loris", hinter dem sich der blutjunge, noch fast zwei Jahre dem Akademischen Gymnasium in Wien zugehörige Hofmannsthal barg. Ein so erstaunlicher Musensohn und wahrhaft meisterlicher DEUTSCHE EFFECTEN.UND WECHSEL,BANK Konstabier Wache vormals L. A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 Auch in den Städten: Allarhelllgenstrass« Wj , FRANKFURT AM MAIN Höchst a. M. H.„.u"?„dS^i25 Kaiserstrasse 30 Dalberg*«» a Bockenheim . ■. w. . - - R _ m 4 - Ottenbach a. M. UIpzIgarsfrasM 50 I H O I V I O U ÖJI I ö BGritUng Frankfurterstrasse 54

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.