Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 11 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 408 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 408 SOfie ROSSbaCh Kai5erstr25glSl!lmoden Neueste Modelle für Sommer u. Sport Umarbeitungen nach denselb. billigst dieser Beschwörung begegnet, enthält cff enbar als zweiten Teil den Namen der in den griechischen AmukJten die Lilith vertretenden Gelov, und der erste Bestandteil „S^n" ist wohl aus griechischem Symmigny (bekämpfen) verkürzt, so dass das Ganze eine Bildung wie „Alexandros" (Männer-Abwehr) darstellt und „Bekämpfer der Gelov", also Helfer gegen einen weiblichen Dämon bedeutet. Hier sind somit griechische Elemente und ein persisches in jüdische Kreise geraten. . Die Beziehung zu Persien überrascht uns nicht Ist doch auch Lilith nach jüdischen Texten Mutter des örmuzd und des Ahriman. Zaraduscht und Peroz aber finden sieh nicht nur als der Dämonenkönig Birsef und sein Vesir Firuz in dem bekannten „Iggeret baale chajjm", sondern als Zarzif oder Zartuk und Firuz neben Mastemas auch in hebräischen Beschwörungsformeln. Griechisches Sprachgut liegt ferner in einigen vielumstrittenen Namen in einem synagogalen Gebet nach dem Priestersegen vor. Noch in älteren Ausgaben unseres Maehsors findet man nämlich folgende Reihe: A. n. q. th. m. — Ph s: th. m. — Ph. s. ph. s. j. m. — D. j. v. n. s. j. m. Einen Anhalt zu ihrer Entzifferung bietet uns die folgende Planetenverbindung bei Ptolemaeus: Anaktores, Demeter, Kore, Dionysos. Anaktores und Dionysos sind in unserer Eeihe sofort zu erkennen. Kore ist Artemis mit dem Beinamen Phosphoros, den wir in unserem Ph. s ph. s. j. m. wiederfinden. Wer aber ist unser Ph. s. th. m.? In einer griechischen Aufzählung der auf die einzelnen Monatstage entfallenden denkwürdigen Daten finden wir, den Kalenderheiligen ähnlich, eine Reihe von Götternamen. Neben Phosphoros, Dionysos und anderen steht Hephaistos, dessen Geburt auf den-15. des Monats verlegt wird. Er ist unser Ph. s. th. m. Aber als hebräische- Engelnamen erscheinen auch Demeter, Aphrodite und Diana (mit dem Zusatz „bethula", d. i. Jungfrau, wenn nicht etwa „Diana bath Lea" zu lesen ist); ferner Hermes-Merkur (Caducifer), Luna, Plutos (als Plustos), Tartaros, Poseidon (als Pstln), Dike, Symmetria, Agathodemon (als Abidemon) und Astrabe (Blitz). Astrabe ist zur „Astribu" geworden, die als Kinderfeindin in hebräischen und jüdisch-deutschen Zaubertexten erscheint, ebenso wie Lilith, Obyzuth (Amazone), was unsere oben versuchte Lösung- Snwj als „Alexander" bestätigt, oder Mare, Brusche (spanisch bruja ,:Hexe"), „Der böse Blick", „Streit", Lippe der Unreinheit, Benemerin und „Gift". Gift heisst ja eines der fünf Glieder der Welt der Finsternis bei den Manichäern. Von ihnen dürften alle diese Lilithbeschwörungen herstammen. Lilith wird auch als „Königin von Samarkand" bezeichnet und mit der Königin von Saba identifiziert, die nach dem Vorbilde1 der babylonischen Sabitu als „wilde Frau" nnd Männerverführerin durch den deutsch-jüdischen Volksglauben spukt. Es ist also eine recht ausgiebige Rundreise, die uns das Suchen nach dem Sinn des „Hollekreisch" von Deutschland aus bis in den fernsten und ältesten Orient und von dort nach Deutschland zurückführt. Gibt es eine „richtige" Aussprache des Hebräischen? von Carl Cohen I. Die Fragestellung. Der ungeheure Aufschwung, den das Lernen des Hebräischen in den letzten drei Jahren in Deutschland genommen hat. hat die Frage aktuell werden lassen, ob das in Deutschland übliche oder das in Palästina gesprochene Hebräisch, ob das „Aschkenasisshe" oder das „Sephardische" das „richtige" Hebräisch sei. Für den von Haus aus religiös Geschulten bringt die Umstellung von einer Aussprache in die andere einige Schwierigkeiten mit sich, und deswegen ist vor längerer Zeit die Frage aufgetaucht und difckutiert worden, ob man den Kindern nicht von vornherein mit Rücksicht auf das lebendige Hebräisch in Palästina die sephardische Aussprache beibringen solle. Konsequente Wortführer hüben und drüben erkannten, daß diese Umstellung dazu führen müsse, daß auch im Gottesdienst die Aussprache geändert werde; es war und ist eine Diskussion, an der neben Pädagogen auch die Wortführer des orthodoxen Judentums teilnehmen. Im ^Israelit", dem Zentralorgan der Trennungsorthodoxie, hat Rabbiner Dr. Jakobovits in einem sehr ausführlichen und interessanten Aufsatz dargelegt, daß die Umänderung der Gebetssprache h a 1 achisch ulizulässig sei. J* In diesem Streit ist eine Frage zu kurz gekommen, nämlich, ob eine der beiden Aussprachen korrekter, allgemeiner 'gültig, „richtiger" sei als die andere. Natürlich meint man, wenn man irrig von „Neuhebräisch" spricht, daß die sephardische Aussprache jünger sei als die aschkenasische; mit ebenso wenig wissenschaftlicher Begründung wird auch die umgekehrte Auffassung vertreten: die sephardische Aussprache sei die ■ ursprüngliche, und diejenige der deutschen Juden „verderbt", ,verdunkelt" usw. Wir werden im folgenden, unbeirrt von der praktischen Bedeutung dieser Frage, unbeirrt von der Tatsache, daß Hebräischs p r e c h e n fasl ausschliesslich in der palästinensischen Aussprache erfolgt, unbeirrt aber auch von der halachischen Entscheidung an die Frage herantreten, ob und inwiefern es eine „richtige", d. h. ursprüngliche Aussprache des Hebräischen gibt. c 1*) No. 46 und 51, Jahrgang 1935. Jakobovits berief sich dabei u. a. auf den verstorbenen Jerusalemer Rabb. Kuk; dagegen vertritt Rabb. Usiel in Tel- Awiw den Standpunkt der Zulässigkeit der Abänderung der Gebetssprache. II. Das Material. Da es zur Zeit der grossen Redner des Hebräischen weder den Tonfilm noch die Schallplatte gab, sind wir auf Quellen sekundären Wertes angewiesen. Neben der nun einmal gespaltenen Tradition (es gibt, wie wir sehen werden, mindestens neun verschiedene Aussprachen des Hebräischen!), besitzen wir ein gewisses Material: die dem Hebräischen verwandten Sprachen, besonders das Syrische; ferner die Transkription griechischer und lateinischer Worte in den Talmuden und Midraschim, die Transkription hebräischer Namen in der griechischen Uebersetzung der Bibel, der Septuaginta (abgekürzt LXX), die Ueberlieferung der Kirchenväter und die Quellen der Massora. III. Die Massora. Nachdem das Hebräische aufgehört hatte, lebendige Volkssprache zu sein, machten sich Gelehrte daran, den unvokalisierten Text der Bibel mit Vokalzeiehen zu versehen. Sie ermöglichten dadurch das Bibelstüdium auch dem Laien; sie gingen aus von der für sie noch lebendigen Tradition, die aber der breiten Masse verloren gegangen war. Die Männer, die neben ähnlichen Werken diese wertvolle Arbeit verrichteten, sind die Massoreten (ansehe hammassora Männer der Ueberlieferung). Diese Massoreten schufen die Zeichen für die Vokale, und man muß sagen, daß sie in äusserst korrektem Vorgehen die feinsten Unterschiede festhielten. Man denke nur an die feinen Unterscheidungen etwa zwischen Patach, dem kurzen a in qjj: Volk, und dem Chataph-Patach — dem Stellvertreter des Sch'wa —, dem noch kürzeren a in vjj* — ich; Unterscheidungen, die als verschieden geschriebene Zeichen in den wenigsten Sprachen vorkommen dürften. Umso erstaunlicher wirkt die Existenz des Kamez katan ( t o, z. B. i^TN mein Ohr (osni)) in der heute in Palästina üblichen Aussprache, die man nicht ganz zu Recht sephardisch nennt: ein Name, den wir aber der Kürze halber beibehalten haben. Denn dieses Zeichen ( T ) wird ja in der sephardischen im Gegensatz zur aschkenasischen Aussprache fastimmer wie a gesprochen, z. B.D$ dort (schäm im Sephardischen, schom im Aschkenasischen). Im Sephardischen wird also ein und dasselbe