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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-07-01 · 10 (7.1936) · p. Seite 376

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
10 (7.1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 376 (sequence 14)
Language
German
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Seite 376 Beratung von Auswanderern In Devisen- und transferangeleaenhelten sowie Durchführung aller Formalitäten Verwaltungen Dr. j u r. Julius So n n Frankfurt a. M., Hortt Wesselplatz 14, II — Tel. 22798 denn nicht Generationen so gebetet? Ist denn der Gottesdienst der jetzt lind noch jetzt sef ardisch betenden Gemeinden minder heilig, minder andachtsvoll als der unsere? Oder verlöre unser Gottesdienst durch Einführung der sef ardischen Aussprache etwa dadurch an Würde und Feierlichkeit, daß eben diese Sprache auch eine lebendige Umgangssprache, die Sprache des Alltags ist oder wird? Betet nicht jede Gemeinschaft in ihrer alltäglichen Umgangssprache? Also endlich zu meinem Vorschlag: Nach einer kurzen Belehrung über die eefardische Aussprache in den entsprechenden Synagogen- und Lernvereinen oder an eonst geeigneter Stelle versuche man von Zeit zu Zeit die Verlesung des ThoraaT)- schnittes oder der Haftara in sefardischer Aussprache. Der Vorbeter wird sie leicht erlernen, der Zuhörer sich schnell daran gewöhnen. Nach und nach wird allen Beteiligten die Aussprache geläufig und lieb werden, der Chor wird seine Gesänge danach einrichten, die Zeitabstände solcher Praktiken werden kürzer und kürzer, das Haus wird mit seinen häuslichen Feiern folgen und --das Problem ist spielend gelöst. Und Eltern und Kinder verstehen sich, und ihr Gott versteht sie, und der Schule und uns allen ist geholfen, „und Er lässt umkehren der Väter Herz zu den Söhnen und der Söhne Herz zu ihren Vätern". Die „Väter", Gemeinde - und Synagogenväter, aber auch die Mütter haben nun das Wort. J. B. Levy Kammermusik-Abend im Kulturbund Berthold Goldschmidt, ein längst anerkannter jüdischer Komponist der jüngeren Generation, hat uns schon überzeugendere Proben seines Schaffens gegeben als in dem jetzt erstaufgeführten Klavierquartett op. 30. Zugegeben, daß die Unzugänglichkeit dieses Werkes zum Teil auf unser eigenes Konto zu setzen ist: unsere Ohren sind der Atonitaiität so entwöhnt, daß wir erst eine gewisse Umstellung vornehmen müssen, um uns in Goldschmidts Musik hineinzuhören. Aber selbst bei näherer Vertrautheit liesse sich wohl nicht der Mangel an Substanz übersehen, der weiten Partien anhaftet. Wir empfinden einen nicht zu überbrückenden Zwiespalt zwischen dem einfachen Sd&hitt des thematischen Materials und dem nicht organisch aus ihm herauswachsenden, sondern künstlich aufgepfropften'Radikalismus der Tonsprache, der den beabsichtigten musikantischen Schwung durch unnötige Kompliziertheit hemmt. Die Vorzüge der Komposition: ihre klare, übersichtliche Formgebung, ihre aus neuer Musikgesinnung entsprungene „konzertante", auf stimmige und rhythmische Lebendigkeit gerichtete Haltung wird dadurch stark beeinträchtigt. Am zwingendsten erscheint uns die knapp geformte Mazurka, während gerade die beiden letzten Sätze ziemlichen Leerlauf aufweisen. Trotz der werkgereehten, mit aller "Sorgfalt vorbereiteten Ausführung durch Lilly S c h w a r z-Maye r h o f e r, Ernst Drucker, Richard K a r p und Ary S c h u y e r fand die" Novität nur eine kühle Aufnahme. •'- Kammermusik von Mozart und Ts c hai kowsky bot "den Künstlern "dankbarere Aufgaben für ihr von gutem Ensemblegeist getragenes Musizieren. Namentlich das (dem Andenken Rubinsteins-gewidmete) Klaviertrio Tschaikowskys fand eine pakkende, gefühlssatte Wiedergabe. Lilly S c h w a r z - May e r h o f e r bestätigte aufs neue ihren Ruf als ausgezeichnete Kämmermusikspielerin. Mit ihrer pianistischen Kunst verband sich Druckers sicheres, "hochmusikalisches Geigenspiel und S c h u y e r s vollausschwjngender Celloton zu schöner Harmonie. Die< dankbare Stimmung des Puhlikums löste sich in herzlichem Beifall. ' , •- - Dr. E. Rosenstock - Steinberg Das Konzert Rosenstock-Steinberg gestaltete sich schon äusserlich «u einem Ereignis besonderen Ranges. Die so bald nicht wiederkehrende Gelegenheit, den beiden größten, bisher' in Deutschland verbliebenen jüdischen Dirigenten bei ihrem gemeinsamen Wirken am Klavier zu begegnen, wollte sich kein Musikfreund entgehen lassen. So waren die Säle des Vereinshauses dicht besetzt. Aber auch die künstlerischen Erwartungen, die man an den Abend geknüpft hatte, erfüllten sie hin vollem Masse. Schon die gewählte, alles Geläufige vermeidende Vortragsfolge besass~ für den Interessierten Anziehungskraft. Busoni beherrschte ihren ersten vTeil, und zwar in Stücken, die er selbst zu einem „Programm eigener Arbeiten auf zwei Klavieren" zusammengestellt hatte. Eigenschöpferisch tritt der Komponist am stärksten, aber auch am problematischsten in der „Improvisation über ein Bach' sches Chorallied" hervor. Die grüblerische, stilistisch nicht ausgeglichene Meditation gelangt nicht zu einer gültigen Prägung. Sie stellt sich uns jedoch als wertvoller Beleg für Busonis spirituelle Art und sein unentwegtes Ausschreiten nach neuen Zielen' dar. Ansprechender geben sich die Werke, in denen der Bearbeiter ganz hinter dem Genie, dem er sich verschreibt, zurücktritt: die Uebertragung von Mozarts „Fantasie für die Orgelwalze" öder der beglückende Einfall des „Duettino concertante", dem das Finale eines Klavierkonzerts zugrundeliegt. Es fehlte im Kranze des Busoni-Zyklus die „Fantasia contrapuntistica". Dafür hörte man eine wenig bekannte Suite von Räch man in off,-.die mit geniesserischer Eleganz und glitzernder Fassade den Vorkriegs- Salon herauf beschwört, aber doch genügend Kultiviertheit und vor allem pianistischen Wert besitzt, um in unserer Zeit bestehen zu können. Die Nachgestaltung? Ihre Besonderheit liegt in dem aussergewöhnlichen persönlichen Format der Spielenden begründet. Das Musikalische steht) durchaus im Vordergrund. Es erfährt eine nahezu vollkommene' Verwirklichung. In Hinsicht der Organisierung des Klanges und des konstruktiven Aufbaus, der Plastik der Linienführung, der rhythmischen Exaktheit, mehr noch: der geistigen und stilistischen Durchdringung und Vertiefung bleibt kaum ein Wunsch offen. Dies alles kann bei Musikern. solchen Ranges nicht verwundern/Erstaunlich, aber, dass auch der klavieristische Anspruch in einem Grade bewältigt wird, den man bei vielbeschäftigten Kapellmeistern nicht ohne weiteres voraussetzt. Ein Beispiel für vieles Erwähnenswerte: die Stakkato- und Repetitipnstechnik in der Tarantella von Rachmaninoff, die verblüffend gemeistert wurde. Der hohe Reiz des Zusammenspiels beruht aber nicht zuletzt in der Tatsache, dass zwei in sich völlig geschlossene, jedoch dem Wesen nach grundverschiedene Naturen die Partnerschaft eingegangen haben: Steinberg, der Musikbesessene, Ueberschäumende, Eruptive, der den «ekstatischen Krampf des Nacherlebens auch in dem äusseren Gebaren nicht vergessen lässt; daneben Rosen st 6'ck, der Abgeklärte, Gemessene, dessen gespannte Energie mehr aus einer geheimen DEUTSCHE EFFECTEN»UND WECHSEL-BANK Konstabier Wache AII«rh*lligenttruM Sf Osthafen! Hanauarlandsfrassa 125 vormals L A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 \ Auch in den Städten FS A N Kl U R T AN M AI N Kaiserstrasse 30 \ Höchst a. M. Dalbargstrasse 3 Bockenheim t*lpzIg*KtrasM 50 In d I vidue11e Beiatung Ottenbach a. M. Frankfurtarstrasra 54

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