Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-07-01 · 10 (7.1936) · p. Seite 374

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
10 (7.1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 374 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094436--5277-3100088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 374 Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Aschner Oberreg.»Rat a. D. R. Kernpner Berlin W 15, Meinekestrases 9 Vertretung für Süddeutschland Dr. jur. Ernst Marburg, Frankfurt-*«., Junghofslr. 2, Tel. 29194 Transfer- und Devisenberatung. Vermögensverwertung und -Verwaltung, Auswanderungsformalitäten aber den Stufen des Thrones fern, denn seine Augen konnten die strahlende Herrlichkeit nicht ertragen, die von der Nähe göttlicher Majestät ausging. — „Was führt Dich aus Tiefe und Dunkelheit Deines Reiches zu mir, ist es Bitte oder Widerspruch--?" fragte Gott den Satan. Der aber antwortete trotzig und tückisch: „Sollte der Schöpfer der Welt nicht wissen, was die Seele des Fürsten der Finsternis bewegt . . .?" Da aber donnerte die Stimme des Allmächtigen den Satan an: „Nur zu gut kenne ich Deine Bosheit und Hinterlist! Fahr' hinab in Dein dunkles Reich und versuche, ob Du je mein Reich der Liebe, des Lichtes und der Wahrheit wirst zerstören können. Beunruhigen magst Du zukünftig alle Geschöpfe und alles Geschaffene; aber Feindschaft soll herrschen bis ans Ende der Zeiten zwischen Dir und mir. Groß wird Deine Macht auf Erden sein; doch will ich ewig Menschen erstehen lassen, denen ich von meiner Kraft und Weisheit verleihen werde, um Dir zu widerstehen. In ferner Zukunft erst sollst Du erlöst werden von Leid und Streit. Dies aber wird geschehen, wenn kein Wesen mehr sich Deinem Willen beugt. In der Heimkehr alles Geschaffenen zu mir wird auch Deine Heimkehr beschlossen sein. Vor diesem Tage wirst Du nicht mehr vor meinem Antlitz erscheinen dürfen, ohne daß ich Dich rufe." Satan schlich sich hinweg vom Angesicht des Herrn. In seinem Reiche aber berief er sofort seine Getreuen zusammen und teilte sie ein in Geister verschiedenen Ranges, jeden zu besonderem Dienste. Unter ihnen War auch Asmodai, dem er den Auftrag gab, in den Leib der Schlange zu fahren, um durch dieses Tier den Menschen zur Sünde gegen Gott zu verleiten. Als Asmodai, ein Unterfürst im Reiche Satans, dies vernahm, kam boshafte Freude über ihn und seitdem, zieht er aus, um die Seele des Menschen zu verführen auf Erden. Immer ist er gefällig und gehorsam denen, die ihn beschwören zu niedrigen, selbstsüchtigen Zwecken; am Ende aber wirft er seine Beschwörer nieder, fesselt sie und überliefert sie als wehrlose Beute dem Herrscher der Finsternis. — Aber Gott läßt nicht immer das Zerstörungswerk Satans zu. Und so wurde der mächtige Asmodai einst selbst bezwungen und gefesselt, um das Gebot des Schöpfers erfüllen zu helfen, der Wahrheit und dem Lichte zu dienen, nicht der Finsternis und ihrem Beherrscher. — Einige Tage später fuhr durch Pracht und Frieden des Gartens Eden ein Unwetter. Die Tiere in Wald und Flur verkrochen sich, als Blitz und Donner, von sturmgepeitschten Regenfluten begleitet, durch die Natur tobten. Stämme und Wipfel der mächtigen Bäume erzitterten in diesem Aufruhr der Elemente. Adam und Eva lagen weinend und aufstöhnend, in Furcht und Entsetzen, unter den dichten Büschen eines Ginsterstrauches. Die Nacktheit ihrer Körper bedeckten armselige Lendenschürze aus den Blättern des Feigenbaumes. Die ersten Menschen hätten gegen Gottes Gebot gesündigt: sie waren vom Antlitz des Schöpfers verstoßen worden; die Schlange hatte durch den Fluch des Allmächtigen ihre Füße verloren. Die ganze Natur und jegliche Kreatur in ihr war in Leid, Feindschaft und Friedlosigkeit gestürzt, durch Schuld und Sünde Herren-Moden A. BREITENSTEIN Konetabler-Wache Fahrgasse 121 und 150 des ersten Menschenpaares. Und das Toben der Elemente erschien Mensch und Tier als Zornesstimme Gottes .... Nur langsam legte sich der Aufruhr des Unwetters über dem Garten Eden. Nachdem Adam und Eva diesen verlassen hatten, trat Ruhe ein, und schüchtern wagte es die Sonne, ihre ersten Strahlen durch das Gewölk wieder zur Erde zu senden: Scheu und vorsichtig kamen die Tiere aus ihren Schlupfwinkeln hervor. Da rief der Allmächtige die Schlange und den Wurm vor seinen Thron: „Nun wisset Ihr, was Adams Seele ahnte, als er Euch Namen gab. Ich will aber Euer Los mildern, auf daß Ihr nicht auf ewig nur Grauen und Mitleid im Herzen des Menschen erregt . . . Du, die Du mein Ebenbild in Leid und Schuld gebracht hast--- wandte sich Gott der Schlange zu, „hast mit dem Fluch auch Deine Strafe erhalten. Damit aber Dir und Deinem Geschlechte für ewige Zeiten vergönnt ist, ein Teil der Schuld an Elend und Not der Menschen zu tilgen, soll Dein Körper zum Wahrzeichen werden für Linderung und Heilung des Menschenleibes, wenn ihn fortan Krankheit und Gebrechen heimsuchen. Das Gift Deiner Zähne soll dann nicht nur töten, sondern auch Segen stiften auf Erden . . ." Getröstet kroch die Schlange fort vom Antlitz Gottes. „Und Du, Schamir, schwacher und hilfloser Wurm, der im Staube kriecht, sollst einstmals ein Wesen Deiner Art zur Nachkommenschaft haben, dessen Haut feucht ist. Diese Feuchtigkeit wird scharf sein wie das Gift der Schlange und kraftvoller noch als das Gebiß des Löwen; denn Söhne aus Adams Geschlecht werden einst damit die Steine spalten, aus denen sie mir ein Heiligtum erbauen. Zum Lohne dafür, daß der Saft Deines Leibes das Eisen und den Stahl, die sonst dem tödlichen Kampfe dienen, entbehrlich macht beim Bau des Hauses zur Ehre meines Namens, will ich Deinem Körper Lebenskraft und Zähigkeit verleihen. Fortan mag Dein Leib wohl zerrissen werden, aber Dein Lebenstrieb wird so stark und groß sein, daß jedes abgetrennte Stück wieder ein lebendiges Ganzes zu werden vermag. Zieh' hin, Schamir, schwacher Wurm, Gleichnis des Volkes, das einst meinen Namen nennen soll auf Erden, wie Adam Deinen nannte!" So geschieht Gottes Wille seit Urbeginn der Schöpfung.".— Moses machte eine kupferne Schlange, um einen aufrechtstehenden Stab geringelt, deren Anblick den Kranken Heilung brachte. Seitdem ist die Schlange das Wahrzeichen der Heilkunst. Der Name des Wurmes aber war unter den Menschen vergessen seit langer Zeit. Und als der weise König in Israel das Heiligtum zur Ehre Gottes errichten wollte, da gedachte er des Gebotes, das dem Volke aufgegeben war: „So Du mir meine Opferstätte aus Steinen errichtest, baue sie. nicht aus eisenbehauenen; denn Dein Schwert schwingst Du damit über sie und würdest sie dadurch entweihen." — Salomo wußte, daß es einen Wurm gibt, dessen Leib die ätzende Feuchtigkeit besitzt, mit der man einen Stein spalten kann; aber den Namen des Wurmes wußte der König nicht. Da beschwor er den Asmodai, der über irdische Schätze gebietet und über Fels und Gestein jeglicher Art, darin zumeist sie verwahrt sind. Frohlockend, jedoch voll Hinterlist und: Tücke, erschien\des Satans Unterfürst, denn er freute sich innerlich, einen geliebten Diener'Gottes in seine Gewalt zu bekommen. Der Allmächtige aber, der Salomo Weisheit geschenkt hatte, lieh ihm in der Stunde, da Asmodai erschien, von seiner Kraft. -Und: der _ König-, fesselte den bösen Geist und ließ ihn erst wieder frei, nachdem er ihm den Namen 'Schamir' genannt hatte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.