Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 10 (7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 373 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite. 373 SPEZIALITÄT: JANTZEN-BADE-ANZÜGE FRANKFURT A. M. BLEIDENSTR. 3/5 Die Grund lehre arbeitet Wir haben an dieser Stelle wiederholt davon berichtet, was die Frankfurter Grundlehre erstrebt, und haben unsere Leser mit den schwierigen und gewissenhaft durchgeführten Vorbereitungen vertraut gemacht, die der Gründung der Grundlehre vorausgingen. Seit Anfang Mai arbeiten nun 170 Jungen und Mädchen in dem Werkstätten und Räumen, die der Grundlehre zur Verfügung stehen. Im Hause Fischerfeldstrasse 13, das die Gemeinde für die Jungen-Grundlehre gemietet hat, werden die Schreiner und Metallarbeiter herangebildet, hier findet der theoretische Unterricht statt, der, neben_der handwerklichen Ausbildung, der wesentliche Bestandteil der Grundlehre ist. Auch ein Wohnheim für die auswärtigen Schüler ist hier eingerichtet. In der Nähe des Friedhofsgeländes bietet ein grösseres Stück Gartenland die Möglichkeit, die Schüler der Gärtnerklasse auszubilden. Die Grundlehre für Mädchen hat mit der Ausbildung in Hauswirtschaft (Mädchenheim am Taunusplatz) und Gärtnerei gleichfalls im Mai begonnen. Die Kurse für Schneiderei sind der Jüdischen Haushaltungssehule angegliedert. Schon heute darf gesagt werden, daß die- Grundlehre von den Jugendlichen mit besonderer Freude und sichtbarem Interesse an der handwerklichen Tätigkeit besucht wird. Mit einem wahren Eifer haben die Jungen und Mädchen ihre Arbeit aufgenommen und mit nicht geringerer Hingabe widmen sich die Lehrer und Lehrerinnen ihrer schönen Aufgabe: der handwerklichen Ausbildung und geistigen Formung der jungen Menschen in Ergänzung ihrer Schulbildung. Ein der heutigen Nummer unseres Blattes beigefügter reichbebilderter Prospekt gibt eine Vorstellung von den ersten Arbeitsleistungen in der Grundlehre. Er wird hoffentlich der so wichtigen Einrichtung viele Freunde zuführen. Asmodai, Schamir und die Schlange (Nach einer altjüdischen Sage) Erzählt von J. H e i m a n n Die Stimme Gottes tönte durch den Garten Eden. Sie rief Adam, den ersten Menschen, zur ersten Handlung: allen Lebewesen Namen zu geben. Von überall her kamen nun die Tiere des Waldes und des iFeldes, die Vögel schwangen sich von den Wipfeln der Bäume auf die Erde, die Fische und das Getier des Wassers verließen ihr Element und lagerten in buntem- Gewimmel an seinem Rande. Es war keine Feindschaft zwischen den Ge- . ,rf schöpfen und keine zwischen ihnen und dem Menschen. Friede herrschte auf der jungen Erde. Da rief Adam jedes Wesen mit einem Namen und diesen behielt es bis auf den heutigen Tag. Der Anblick der Geschöpfe erregte in Adams Herzen weder Abscheu noch Furcht; aber die Bezeichnung der Arten und Einzelwesen war dennoch keine willkürliche, und die Namen waren nicht ohne Sinn': die Seele des Menschen, der göttliche Erbfunke in ihm, erkannte Zweck, Bestimmung und Lebensweise alles Geschaffenen und formte danach die ^Namen. So kam es, daß Adam zweimal erschauerte, als er den'Lebewesen Namen gab: es erfaßte ihn Mitleid und Erbarmen; da unter den Kriechtieren der Wurm sich wand, mit HANS MARCUS •TR EUH'A'N D E R Fachberater für Devisenrecht 1 GOETHESTR.5 TELEFON28561 seinem dünnen, schutzlosen Leibe. Und als der glatte, langgestreckte Körper der Schlange auf niederen Füßen an Adam vorbeikroch, lief ein zitterendes Grauen durch seine Seele. Der Mensch staunte über das Mitleid und über das Grauen in seinem Innern, denn er wußte beide nicht zu deuten, weil seine Seele noch nichts von Schuld und Leid erfahren hatte. Die beiden Geschöpfe aber, der Wurm und die Schlange, hatten den veränderten Ton in der Stimme Adams wahrgenommen, als er ihre Namen genannt hatte. — Langsam verlief sich die Menge der Geschöpfe, und der erste Mensch wandelte wieder einsam und allein im Garten Eden, Sehnen und Verlangen im Herzen. Adam sah sich, als Ausnahme in Gottes Schöpfungswerk, in welchem alles Lebendige paarweise erschien, allein. Da trat er vor den Allschöpfer, um ihn ob seiner Einsamkeit und seines Alleinseins auf Erden zu befragen. Als Gott ihm die Gefährtin des Lebens versprochen hatte, entfernte sich " Adam, freudig und glücklich. So bemerkte er in seiner freudigen Erwartung nicht, daß die Schlange und der Wurm nach ihm vor Gottes Thron erschienen. Mild und liebevoll klang die Frage an die beiden Tiere, was ihr Anliegen sei. Die Schlange antwortete in zischendem Tone: „Warum hat des Menschen Stimme gebebt, als er mir seinen Namen gab . . .? — Und der Wurm flüsterte bang und ängstlich die Frage: „Ich vernahm Mitleid und schmerzliches Erbarmen im Schall des Namens 'Schamir' aus dem Munde Adams--; warum, o, Herr . . .?"--Ernst entgegnete Gott den beiden Geschöpfen: „Lasset die Zeit herankommen und Ihr werdet erfahren, warum es dem Menschen so erging, als er Euch mit Namen rief." Weil der Engel des Lichts die Abwechslung zwischen der Helligkeit des Tages und dem Dunkel der Naoht, wie es im göttlichen Plane beschlossen war, nicht wollte, sondern einen ewig leuchtenden Tag, der sein Licht während der einen Hälfte von der Sonne, während der anderen aber vom Monde, der damals ein gleich großes und strahlendes Gestirn war, erhalten sollte, deshalb stürzte er in Ungnade und ins Reich der ewigen Finsternis. In diesem Reich blieb er Herrscher über alle Engel und Geister, die sich ihm ir; der Widerspenstigkeit gegen Gott angeschlossen hatten und die er regiert bis auf den heutigen Tag. Der Mond aber, der gleich der Sonne in leuchtender Pracht am Himmel stehen wollte, wurde zur Strafe verkleinert, verlor sein eigenes Licht und leuchtet seit jener Zeit nur schwach und bleich am Nachthimmel in jenem Glänze, den er von der Erde empfängt .... So wurde Satan — so heißt der gestürzte Lichtengel — zum Widersacher Gottes und seiner Schöpfung, besonders aber zum feindlichen Versucher des Menschen, weil der Schöpfer diesen in seinem Ebenbilde erschaffen hat. — Am Abend des sechsten Tages, da Gott sein Werk vollendet hatte, und der erste Sabbat seinen Frieden und Segen über alles Geschaffene breitete, umschlich Satan lauernd den Thron des Allmächtigen. Gott war gnädig gesinnt, denn er sah, daß all sein Werk wohlgelungen war. Der Beherrscher der Finsternis hätte in dieser" Stunde Vergebung vor dem Herrn der Welten gefunden und wäre wohl wieder aus der Dunkelheit ins Reich des Lichtes gehoben worden, hätte er sich vor Gottes Thron geworfen, bekennend und bereuend. Aber Satan wagte sich nicht vor Gottes Antlitz, und als der Schöpfer ihn anrief, kam er nur scheu und zögernd näher, blieb