Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 10 (7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 368 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 368 Sofie Rossbach D3|f1GnllÜtG Neueste Modelle für Sommer u. Sport KaiSerStr.25 DaillGninOClGn Umarbeitungen nach denselb. billigst Entwicklung unterbrechen — immer wieder die wahren und eigentlichen Pioniere des Lahdes heranwachsen. Freilich wird et* immer eine unbedingte und unerlässliche Forderung bleiben müssen, gerade diese Menschen in den Bezirken des religiösen Lebens, ohne das der Aufbau des Landes schlechterdings unmöglich ist, fest und sicher zu verwurzeln. Allerdings bedarf es gerade hierbei eines klugen und verständigen Erkennens und Beurteilens der wirklichen Situation, in der allein taktvolles und taktisches Vorgehen zum erstrebten Ziel hinführen kann. Die Erziehung hat im Allgemeinen und im Grundsätzlichen der pädagogischen Erkenntnis und Wirklichkeit — mögen die Spannungen innerhalb der einzelnen Kategorien noch so gross sein — sich immer wieder nach dem Lande auszurichten; der dort lebende und arbeitende Mensch wird stets ihrer Arbeit als Vorbild voranzustellen haben. Denn mit dem wirtschaftlichen und politischen Aufbau des Landes vollzieht sich zugleich eine Renaissance des jüdischen Menschen, der für eine klassenmässige oder nach sozialen Gesichtspunkten erfolgende Aufteilung in verschiedene Gesellschaftsschichteu nicht das geringste Verständnis haben wird. In der ländlichen Schule in Daganiah, in der die Kinder von 5 umliegenden Kwuzoth ihren Unterricht erhalten, sieht man, um nur ein Beispiel herauszugreifen, bereits heute jenen Typ in seinem reinen, unverfälschten Wesen. In diesem Zusammenhang müssen die landwirtschaftlichen Schulen von Nahalall, Mikwe Jissrael und von Ben Schemen genannt werden, weil dort in der harmonischen Verbindung körperlicher und geistiger Arbeit ein brauchbares Mensellenmaterial im eben gekennzeichneten Sinne erschlossen werden wird. In N a h a 1 a 11, wo sich zur Zeit 120 Schülerinnen befinden, erhalten die Mädchen 'eine zweijährige Ausbildung; im ersten Jahr in Haus-Landwirtschaft, im zweiten tritt die Unterweisung in den rein landwirtschaftlichen Fächern stärker in den Vordergrund. Der Unterricht dort, den der Verfasser dieses Aufsatzes beizuwohnen in der Lage war, erfolgt nach streng methodischen Grundsätzen. Die Arbeit, sowohl die theoretische wie die nicht immer ganz leichte auf den Feldern, wird in Freude geleistet. Man kommt zwar müde, aber keinesfalls verdrossen von der Arbeit zurück. Hier in Nahalall konnte man in sehr eindringlicher Weise erkennen, wie eine aus den verschiedensten Ländern hierher verschlagene Jugend bereits völlig bodenständig, d. h palästinensisch denkt und fühlt. Hier sah man junge Menschen, die das Vergangene weit hinter sich gelassen haben und nunmehr nur für ihre Gegenwart und vielleicht noch mehr für ihre Zukunft leben. Im Kindergarten in Ben Schemen erfolgt die unterrichtliche Tätigkeit nach den Grundsätzen der Montessorimethode. Der Unterricht in der landwirtschaftlichen Schule umfasst in erster Linie die Unterweisung in den naturwissenschaftlichen Fächern. In besonders starkem Masse werden gerade hier die jüdisch-historischen und die in das Gebiet der religiösen Unterweisung gehörenden Fächer zum mindesten im Theoretischen behandelt. Alierdings ist richtig, dass gerade hier die Abkehr von überlieferten Bindungen auch in den Bezirken, die das Innerste des Lebens berühren, eine sehr extreme "Form angenommen hat. Auch hier wird die eben angedeutete Methode des liebevollen Verstehens allein in der Lage sein, auszugleichen und zu helfen. Für die aus Europa in Palästina eingewanderten Kinder wird der Uebergang in eine der höheren Schulen des Landes sich verhältnismässig am leichtesten und ohne Hemmung M. S. Fei 11 er Reuferweg 77 Telefon 51704 Versicherungen aller Art Verwaltungen vollziehen, weil diese Schulen weder in der äußeren Form noch in der Art des Unterrichts wesentlich von dem abweichen, woran diese Kinder von früher her gewöhnt sind. In Frage kommen hierbei in -erster Linie das H e r z 1 - G y m n a s i u m in Tel Aviv und die B i r a m-S c h u 1 e in Haifa. Der offizielle Titel der zuletzt genannten Schule ist Beth Sefer Reali Iwri (Hebrew Secondary School); sie verdankt ihre Entstehung dem bei der Begründung des Technikums in Haifa ausgebrochenen Streit um die Unterrichts-Spraehe. Der Aufbau vollzieht sich in beiden Anstalten im Wesentlichen nach denselben Grundsätzen: Vier Vorbereitungsklassen, sechs eigentliche Real-, bezw. Gymnasialklassen und zwei Klassen der oberen Stufe. Beim Herzl-Gymnasium erfolgt vom Beginn der Oberstufe an die Aufteilung des Unterrichts in eine literarische und in eine realistische Seite, womit auf das Individuelle' der geistigen Artung .und auf die mehr praktischen Wünsche eines jeden einzelnen Rücksicht genommen wird. Die Biram-Sehule, die sich ausdrücklich zum Werk des nationalen Aufbaus und somit zu den oben entwickelten Erziehungsgrundsätzen bekennt, weicht von der Struktur des Herzl-Gymnasiums insofern ab, als in ihr sich bereits von der 5. Klasse an eine Aufteilung in verschiedene Unterrichtszweige vollzieht, und zwar in einen naturwissenschaftlichen, einen literarischen und einen handefinitives und offiziell anerkantes Schluss-Examen. Französisch ist ein mittleres Examen abzulegen, am Ende der Oberklassen ein definitives und offiziell anerkanntes Schluss-Examen, Französisch und Arabisch treten als Wahlfächer ven der mittleren Unterrichtsstufe ab hinzu. In dem Lehrgang der mittleren Stufe, d. h. in der eigentlichen Realschule, werden folgende Fächer gelehrt: Bibelkunde (6 Jahre, wöchentlich 2—3 Stunden) Hebräisch (6 Jahre, wöchentlich 6 Stunden) Englisch (6 Jahre, wöchentlich 5 Stunden) Arabisch (3 Jahre, wöchentlich 4 Stunden) Geschichte (4 Jahre, wöchentlich 3—4 Stunden. Mathematik (6 Jahre, wöchentlich 5 Stunden) Naturgeschichte (4 Jahre, wöchentlich 3 Stunden) Geographie (4 Jahre, wöchentlich 2 Stunden) Freihandzeichnen (4 Jahre, wöchentlich 2 Stunden) Gewerbliches Zeichnen (1 Jahr, nur für Jungens, wöchentlich 2 Stunden) Handfertigkeitsunterricht (6 Jahre, wöchentlich 4 Stunden) Turnen (6 Jahre, wöchentlich 3 Stunden) Musik (2 Jahre, wöchentlich 2 Stunden) Schönschreiben (2 Jahre, wöchentlich 1 Stunde). Dazu treten als Sonderfächer, jeweils im Sinne der persönlichen Entscheidung, für einen der oben bezeichneten von der 5. Klasse ab gültigen Unterrichtszweige hinzu: Physik, Chemie, Buchführung und Geschäftskunde, Maschinenschreiben und Handelskorrespondenz. Ohne auf weitere Einzelheiten einzugehen und ohne im einzelnen ausführen zu können, bis zu welchen erstaiinlich-en Leistungen gerade diese Schule es -in einzelnen Unterrichtsgebieten bringt, sei folgendes Grundsätzliche den obigen statistischen Angaben hinzugefügt. Der Besuch der handelswissenschaftlichen Abteilung soll — und das ist das ausdrückliche Ziel dieses Unterrichts — zur Erlangung von wichtigen Positionen innerhalb der Regierung ebenso befähigen wie zum Eintritt in die Privatindustrie und in die Konzerne. Die Unterrichtsgebühren betragen für die Vorbereitungsklassen 10 — 12j£?pro Jahr, in der 1—3. Klasse von 13—18dfp. Jahr, in der 4.-8. Klasse 21—26^ p. Jahr. Neben der Schule besteht ein Internat, das für Schüler, die aus dem Ausland kommen, bestimmt ist und ungefähr 50 Zöglinge beherbergen kann. Die Internats-Gebühren betragen 110.- p. Jahr. In der Schule ist die Koedikation durchgeführt.