Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 10 (7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 367 (sequence 5)
- Language
- German
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Seile 367 An die Gemeindemitglieder! Auf die am 15. Mai und 10 Juni fällig gewesenen Kultussteuervorauszahlungen pro 1936; 37 wird hierdurch nochmals hingewiesen. Wer die Vorauszahlung noch nicht geleistet hat, möge dies bei Meidung von Kosten und Weiterungen sofort tun. (Postscheckkonto No. 800 Frankfurt a. M., Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde.) Wir verweisen im übrigen aui die diesbezgl. Bekanntmachung des Steueramtes in derf. vorliegenden Nummer. Frankfurt a.M., den 1. Juli 1936 VORSTAND DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE des Misrachi, der Agudah und nicht zuletzt die Schulen der Histraduth Erwähnung finden. Es ist, worauf schon andeutungsweise hingewiesen wurde, nicht ganz leicht, die verschiedenartigen Schultypen in ihrer grundsätzlichen Einstellung zu bedeutenden und entscheidenden Fragen wie auch in ihrer Zielsetzung sicher und scharf von einander abzugrenzen. Vieles Neue ist auch hier im Werden, es erschwert oder verhindert die einwandfreie Entscheidung. Gegensätze schwinden, soweit sie nicht ganz grundsätzlicher und damit unvergänglicher Natur sind. So bestehen, um nur eines herauszugreifen, die schärfsten und wohl unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den Schulen des gesetzestreuen Judentums und denen der Histraduth. Beide Schularten sind gerade in ihrer ausgeprägtesten und weithin sichtbaren Eigenart für das Land notwendige Institutionen. Objektiv und zahienmässig ist hierbei allerdings schon jetzt festzustellen, dass die Schulen der Histraduth sich immer weiter ausbreiten und dass, vom Ganzen her gesehen, ihre organische Einfügung in das System des jüdischen Schulwerks eine dringende und unerläßliche Forderung darstellt. Sie sind in ihrem freien, für manche zu freien Erziehungsprogramm in erster Linie darauf bedacht, den Typ des innerlieh freien, unabhängigen, selbstlosen und sozialen Menschen heranzubilden, der sich willig und aus innerem Drange seinem Lande mit einem Höchstmass von Leistung und Bereitschaft unterstellt. In dieser ganz scharf ausgeprägten Tendenz stehen die Schulen der Histraduth in engster Beziehung zu anderen, vor allem zu den Volksschulen und auch zu höheren Schulen, nur mit dem grundlegenden Unterschied, dass bei diesen mit dem allgemeinen nationalen Bildungsziel =ieh eine viel intensivere Pflege des spezifisch Jüdischen und eine weit stärkere Betonung des Wertes der religiösen Unterweisung überhaupt verbindet. In den Volksschulen, die heute noch rein zahienmässig das Bild des jüdischen Schüllebens in Palästina bestimmen, wird, neben dem Hebräischen als offizieller Unterrichtssprache, die Bedeutung auch der beiden anderen im Lande gesprochenen Sprachen dadurch anerkannt, dass in ihnen Englisch als Pflichtfach, Arabisch als zusätzliches Wahlfach gelehrt wird. Die Klassen der Volksschulen sind allerdings sehr zu. ihrem Nachteil zum Teil stark überfüllt, sodass eine individuelle, die Eigenart des Einzelnen berücksichtigende Erziehung kaum möglich ist. Im unterrichtstechnischen Sinne wird ihre Arbeit ausserordentlich gefördert und erleichtert durch die tatkräftige Hilfe und Mitarbeit des unter Leitung von Frau Dr. Persitz in Tel Aviv stehenden Omanuth-Verlags. In dankenswerter Weise hat sich dieser Verlag mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln der sehr verantwortungsvollen Aufgabe unterzogen, brauchbares, methodisch einwandfreies und dabei billiges Unterrichts-Material herauszubringen, wobei es ihm im Ideellen vor allem auf die Verlebendigung und Auffrischung der hebräischen Sprache durch die Einführung des vokalisierten jüdischen Satzes ankam. Er hat, in steter Zusammenarbeit mit bewährten und sachkundigen Pädagogen, einen systemcitischen- Unterrichts-Lehrgang ermöglicht und ist dauernd bemüht, den immer grösser werdenden Anforderungen nach allen Seiten hin gerecht zu werden. Von der plastischen Darstellung des Alphabets über den schlichten Lesebogen zur modernsten und aller jüngsten, hebräischen Literatur, das ist fürwahr ein schwerer und dornenvoller Weg. Aber gerade seiner Arbeit ist heute in allererster Linie die Möglichkeit eines geordneten und systematischen Unterrichts zu verdanken. Die auf diese Weise einwandfrei gewordene Methodik des Unterrichts erleichtert naturgemäss den eingewanderten Kindern, die von ihren früheren Schulen her Exaktheit und Disziplinierung gewöhnt sind, in stärkstem Maße die Eingewöhnung in ein ihnen zunächst ungewohntes, wenn nicht gar fremdes Milieu. Diese Feststellung hat meines Erachtens grössere Bedeutung als eine etwa grundsätzlich anzustellende Untersuchung darüber, ob die Eingewöhnung auf dem Lande oder in der Stadt sich leichter vollziehe. Im besten Falle Hesse sich für eine derartige Betrachtung die Tatsache anführen, dass in den Schulen des Landes bei ihrer geringeren Schiilerzahl und einer im Ganzen freieren und individuelleren üriterrichtsform der Uebergang sich leichter und hemmungsloser vollziehen könnte. Man sollte sich hüten, hierbei Stadt und Land gegeneinander auszuspielen. Eine solche Betrachtungsweise bleibt immer einseitig und führt leicht zu unliebsamen Verkennungen und Missdeutungen der wirklichen Situation. Letzten Endes bleibt die Intelligenz und die Aufgeschlossenheit des Einzelnen ebenso ausschlaggebend wie die Gestalt des Milieus, in das der neu Hinzukommende sich einzuleben gezwungen ist. Es besteht kein Zweifel darüber, dass er den inneren Zugang zu dem Leben einer jemenitischen Schule weit schwerer finden könnte als den zu irgend einer der anderen Schulen des Landes. Damit soll nichts gegen diese Schulen gesagt werden, bei denen von einem niederen Niveau, einer weniger gut durchgeführten Organisation oder einer geringeren Spannkraft im Allgemeinen überhaupt nicht gesprochen werden kann. Aber so viel steht fest und bietet sich dem objektiven Besucher immer wieder dar, da>s sie bis auf den heutigen Tag ihre eigene Lebensart, ihren eigein n Rhythmus, ihre reine Originalität sich bewahrt haben. Die Schule der Jemeniten in der Frage der Haltung und Disziplin der Schüler nach unseren überlieferten Begriffen und Anschauungen zw beurteilen, wäre verfehlt; es wird, wenn es überhaupt nötig erscheint, noch einer langen Entwicklung bedürfen, um sie organisch und von innen her in das Gesamtwerk des jüdischen Schullebens in Palästina einzugliedern. Sie sind gut organisiert, früh wird bei ihnen das Bewusstsein der Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft und die Selbsthilfe der Schüler geweckt. So konnte man sich in der jemenitischen Schule in Tel Aviv davon überzeugen, dass abwechselnd täglich eine Reihe von Mädchen aus oberen Klassen in der Küche tätig sind, um ihrerseits bei der Durchführung der Schulspeisung mitzuhelfen. Diese Schulen scheinen stärker dem Ganzen verhaftet zu sein als' die der Alliance Israelite Universelle, wobei allerdings auch nicht übersehen werden darf, dass diesen aus ihrer Geschichte und einer ihnen besonders gestellten Aufgabe eigenständige Anschauungen und Ziele anhaften. Wenn man es ihnen auch zum Verdienst anrechnen muss, dass sie infolge ihrer Schulgeldfreiheit jüdische Kinder vom Besuch nichtjüdischer Schulen fernhalten, so ist doch wieder auf der anderen Seite eine Abweichung von der Norm insofern festzustellen, als Hebräisch nicht ausschliesslich Unterrichtssprache ist und sie auch in manchen grundsätzlichen Fragen der allgemeinen Ideologie noch nicht gänzlich verhaftet sind. Dem Höchstmaß an Idealismus, der selbstlosesten Hingabe an ein grosses Ziel begegnet man doch wohl am stärksten in den Schulen der ländlichen Siedlungen. Hier trifft man bei denen, die oft in primitiven äusseren Verhältnissen die Aufgaben der Erziehung zu leisten haben, eine aussergewöhnliche Reife der Darstellung, ein natürliches, methodisches Arbeiten. Gerade hier werden — wenn nicht Katastrophen die gradlinige