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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-06-01 · 9 (6.1936) · p. Seite 347

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
9 (6.1936)
Date
1936-06-01
Page
Seite 347 (sequence 21)
Language
German
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Seite 347 Brautleute und Auswanderer! Versäumen Sie nicht, bei Bedarf die Wäsche-Etage Jacob Stern» steiaweg 5 i. zu besuchen. Sie finden in den besten Qualitäten Bett-, Tisch-, Haushaltungswäsche sowie Leibwäsche aller Art überwinden hatte, die durch das starke Zuströmen von Kindern aus den verschiedensten Schulgattungen und mit stark abweichender Vorbildung gerade in den jüdischen Fächern verursacht wurden. Auch die notwendige Kücksicht auf finanzielle Fragen müsse insofern geübt werden, als nicht alle Wünsche befriedigt werden könnten. Auf alle Fälle müsse die Schulleitung wie bisher bestrebt bleiben, den fast 1300 Schülern eine gediegene jüdische Ausbildung zu geben. Einem etwaigen Verzicht auf die Oberstufe könne die konservative Fraktion nicht zustimmen, wenn die Oberstufe auch z. Zt. aus verständlichen Gründen nicht sehr stark besucht sei. Das Gemeindeblatt befinde sich auf einer beachtlichen Höhe des Niveaus und werde gern gelesen. Aus diesem Grunde könne man sich dem Apell anschliessen, den Herr Dr. Geiger an die Gemeinde gerichtet habe, daß jedes Gemeindemitglied auch Bezieher des Gemeindeblatts sein müsse. Ebenso könne man sich.dem Dank an die Gemeinde-Mitglieder für ihre Bewährung bei der Durchführung des Winterhilfswerkes anschliessen, durch welches die Wohlfahrtspflege stark entlastet worden, ist. In diesem Zusammenhange seien auch die Beamten der Wohlfahrtspflege nicht zu vergessen, die ein ausserordentliches Mass von Mehrarbeit übernommen und gut durchgeführt hätten. Der Redner gedenkt alsdann der überaus wichtigen Arbeit des Jüdischen Kulturbundes, die nicht nur den jüdischen Künstlern Beschäftigung und Verdienst gewährt, sondern auch den zahlreichen Besuchern echte künstlerische Genüsse übermittelt hätte. Es sei dringend zu hoffen, daß der Kulturbund seine Tätigkeit im vollen Umfange fortsetzen könne. Zur viel erörterten Frage der anderweitigen Zusammensetzung der Gemeinde-Körperschaften sei zu sagen, daß die vielgestaltige Gemeinde-Arbeit vor allem Persönlichkeiten verlange, die zur Mitarbeit befähigt and gewillt seien. Es sei dabei weniger wichtig, welcher Fraktion diese Persönlichkeiten angehören. Die Gemeinde habe kein Verständnis dafür, daß die Fraktionszugehörigkeit in den Vordergrund geschoben werde. Auch das Lebensalter der Mitarbeiter könne keine ausschlaggebende' Rolle spielen. So wenig man auf die Jugend und ihre Begeisterung verzichten könne und wolle, so wenig könne man auf die Erfahrung des gereiften Alters verzichten. Ueber allem fraktionellen Interesse müsse das Wohl der Gemeinde und ihre Erhaltung stehen. Herr G e r 1 i c h schliesst sich dem Dank der Vorredner an die Beamtenschaft an, spricht aber auch dem Vorstand für seine intensive und hingebungsvolle Arbeit und aüch den freiwilligen Mitarbeitern, welche sich im Interesse der sozialen Einrichtungen der Gemeinde zur Verfügung stellten, besonderen Dank aus. An den Haushaltsplan der Gemeinde anknüpfend, möchte Herr Gerlich weniger die Zahlen, sondern die Erscheinungen und Ausstrahlungen behandeln, welche von diesem Etat ausgehen. Das Kapitel der Ab- und Auswanderung sei nicht nur in finanzieller Hinsicht beeinflussend, sondern stelle geradezu ein Bild des Schicksals und der Zukunft des deutschen Judentums dar. Zu diesem Bild gehöre auch die Erziehung zu dem, was besonders die Jugend notwendig gebrauche, um — leider Gottes — Auswanderer zu werden, den jüdischen Inhalt und die jüdische Substanz. Diese Erziehung habe gleich zu beginnen, wenn der jüdische Mensch in die Schule kommt. Der Redner erkennt an, daß die Schule der Gemeinde auf pädagogischem Gebiet Hervorragendes leiste. Die Gemeinde könne mit Stolz auf ihr Schulwerk blicken. Es müsse aber gefordert werden, daß der zu vermittelnde Bildungsstoff in jüdischer Beziehung dem Zustand und den Bedürfnissen der Zeit angepasst werde. Das, was heute in Palästina vorgeht, macht nicht im geringsten den Eindruck, als ob die Jugend in demvWillen zurückgeschreckt sei, das Land aufzubauen. Umsomehr müsse die jüdische Erziehung von dem Wunsche beseelt sein, die Jugend zu starken und aufrechten Juden zu gestalten und mit dem geistigen Erbe der Väter zu erfüllen. Im Osten Europas kenne man nicht Verzweiflungsakte, wie man sie hier im Westen tagtäglich zu erleben gezwungen sei, deshalb nicht, weil schon das kleine Kind in dem Glauben und in der Ueberzeugung lebe: „Gott wird helfen". Diese Ueberzeugung schützt vor jeder Gefahr, und wenn man dieser Gefahr entgegenarbeiten wolle, müsse man die Jugend erziehen in der Ueberzeugung,. daß ein Volk, das seit Jahrtausenden existiert, nicht untergehen wird. Aus diesem Grunde müsse verlangt werden, daß die Schule folgende programmässige Forderungen erfüllt: 1) Ernstliche Durchführung des neuhebräischen Unterrichts nach modernen Gesichtspunkten in allen Klassen, 2) Aufnahme des jüdischen Volkskundeunterricbts, verbunden mit dem jüdischen Geschichtsunterricht in den Lehrplan, 3) Einführung der hebräischen Sprache als obligatorisches Unterrichtsfach. Bei der Sorge für die Aus- und Abwanderung der Jugend dürfe auch nicht ausser Acht gelassen werden, daß für die wirtschaftliche Betätigungsmöglichkeit der jungen Auswanderer Vorsorge zu treffen ist, wenn sie in das Einwanderungsland, in erster Reihe Palästina, kommen. Diese Sorge übernehme vor allem der Keren Hajessod. Er versorge die Menschen von dem Zeitpunkt ab, in dem sie Palästina betreten. Die Mittel hierfür müssten aber bereits hier aufgebracht werden. Der Keren Hajessod stelle für die Auswanderer, die man gezwungen ist, nach Palästina zu schicken, die einzige Möglichkeit dar, sofort Aufbauarbeit zu leisten. Erkenne man dies aber an, so müsse man auch bereit sein, den Keren Hajessod anders und stärker zu dotieren, als dies bisher geschehen sei. Es werde in der Spezialdebatte Gelegenheit geben, hierüber zu sprechen. Es müsse auch nachdrücklicherweise Stellung genommen werden zu dem Gedanken der Umgestaltung der Gemeindeverwaltung im Hinblick auf die Entwicklung der letzten Jahre. Es handle sich hier nicht um eine Parteiangelegenheit, sondern um die Durchführung des Gedankens der Volksgemeinde in die Tat. Die Jüdische Volkspartei stelle diese Forderung bewussfc bei jeder Etatberatung auf und werde den Kampf zur Erfüllung dieser Forderung auch weiterführen, selbst auf die Gefahr, daß sie in diesem Kampfe unterliegen werde. Zur Verwirklichung dieser Forderung gehöre in erster Reihe die Herstellung eines engen Kontaktes zwischen Steuerzahler und Verwaltung. Die jüdische Öffentlichkeit müsse über die brennendsten Fragen des jüdischen Lebens von dieser Stelle aus orientiert werden. Es handle sich dabei in erster Reihe um das tätige Interesse an den sozialen Einrichtungen der Gemeinde, wie Wohlfahrtspflege, Arbeitsnachweis, Berufsberatung und Beratungsstelle. Der Redner schliesst seine Ausführungen in Anlehnung an drei Postulate des Judentums: „Heiliges Volk, heiliges Land, heilige Thora" mit der Aufforderung zur Fürsorge für das heilige Land Erez Israel und für die jüdische Lehre; dann werde das jüdische Volk weiter leben. Herr Rosen w asser greift aus dem Komplex des Gemeindeetats das Kapitel II (Synagogen und Betsäle) heraus und beantragt im Anschluss an die Titel Hauptsynagoge, Synagoge am Dominikanerplatz und Synagoge Bockenheim, bei welchen die Einnahme- und Ausgabeziffern besonders scharfe Differenzen ergeben, die Einrichtung eines konservativen-national eingestellten Jugendrabbinats. Ferner bedauert Herr Rosenwasser, daß die Ausführungen des Vertreters der konservativen Fraktion nicht Reibungsflächen vermieden haben und im Gegensatz etwa zu den Ausführungen des volksparteilichen Vertreters in religiöser Beziehung dem Zeitgeist nicht genügend Rechnung tragen, sowie daß die konservative Fraktion sich nicht geradezu offiziell als Misrachi-Gruppe konstituiere. Hinweisend auf das Kapitel Beiträge für überlokale Zwecke, insbesondere auf die in diesem Jahr mit RM. 99.500.— dotierten Posten Reichsvertretung und Preus- Auswanderer! 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