Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 9 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 339 (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 339 lüH Frioflh/vfcnÖlH-nai*! empfkhlt sich für Unterhaltg.u. Neuan- JUU. I I ItsUIIU loyal lllül i lagen v. Grabstätten a.d. allen Friedhof Fritz Kamp Günthersburg Alke 45 Fernsprecher 46461 „Grosser Abend" im Saalbau Der Begriff „Grosser Abend" wird, je nach Einstellung, verschieden definiert werden können. Auf jeden Fall ist die Veranstaltung, die am Lag b'omer im Saalbau zugunsten der jüdischen Blinden Deutschlands geboten wurde, der Gattung jener Abende zuzurechnen, die den Zweck verfolgen, das Publikum auf angenehme Weise zu unterhalten. Dabei hatte der musikalische Teil ansehnliches Gewicht. Hans Bassermann überraschte durch eine bisher unbekannte Seite seiner künstlerischen Physiognomie: durch blendende Virtuosität, sinnliche Tongebung, überhaupt durch temperamentvolles „Aus sich Herausgehen". Sein eigens unter dem Gesichtspunkte der „Wirkung" gewähltes Programm gah ihm reiche Gelegenheit, diese Vorzüge zu entfalten. — Eine gewisse Sensation bedeutete das Auftreten von Magda Spiegel. Die Stimme der Sängerin hat an Glanz und Schönheit, - an Umfang und Tragfähigkeit nichts eingebüsst. Die dankbaren Arien des Alt-Kepertoires, die sie - mit Bravour zum Vortrag brachte, erweckten mit Recht grosse Begeisterung. — Den kabarettistischen Teil bestritten Willy P r a g e r und Camilla S p i r a- Eisner. Prager konferierte in bewährter Manier und amüsierte durch schlagkräftig geformte eigene Chansons. Frau Spira-Eisner hat dank ihrer bezaubernden Erscheinung von vornherein gewonnenes Spiel. Die charmante Art, mit der sie, eigentlich ohne viel Stimme, ihre „alten und neuen" Lieder darbietet, tut ein übriges, um ihr den Erfolg zu sichern. Die berechtigte Frage, ob Kleinkunst geläufigen Stils für uns heute noch Sinn hat, wurde von dem gutbesetzten Saal positiv beantwtortet. — Der vorzüglichen Klavierbegleitung Willy Salomons und Max Firnbergs sei anerkennend gedacht. Dr. E. Beschauliche Dichtungen Vortragsabend Alfred Auerbach und Bernhard Hirschberg-Schrader Alfred Au erb a ch s Geschick, die kleinen Begebenheiten des Alltags literarisch ansprechend auszuformen, ist oft bewiesen. Seine Miniaturen bekommen dann ein besonders gefälliges Relief, wenn der Autor die Gestalten aus dem schwäbischen Volksleben herauswachsen lässt. Allerdings sollte Auerbach sein Programm nicht mit allzu belanglosen Plaudereien und anekdotischem Material ohne starke Pointen belasten. So haben die von ihm diesmal gebrachten „Theatererinnerungen" zu wenig Substanz. Auch der zusammen mit Bernhard Hirschberg-Schrader verfaßte Dialog „Kaufleute" setzt ein recht anspruchsloses Publikum voraus. Mehr noch als der in ständigem Kontakt mit der Öffentlichkeit stehende Rezitator Auerbach täuscht sich Bernhard Hirschberg- Schrader über die Durchschlagskraft mancher seiner Arbeiten. Die meisten sind ausgesprochene „Lesestücke" für Menschen, denen diese Art von besinnlicher Weltbetrachtung etwas gibt. Auch in einer mehr kunstgerechten Wiedergabe als in der gewählten legeren Form des Abiesens vom Manuskript erscheint die Wirkung zweifelhaft. Die ins Deutsche übertragenen Geschichte von Schalom Alechem- „Die Erben" warf die Frage auf, ob Jargonliteratur dieses Stiles nicht bei der Ubersetzung ihre anziehendsten Eigenschaften, ihre besondere Atmosphäre einbüßt Als Autor stellte Hirschberg-Schrader noch in mehreren kleinen Betrachtungen, die den Charakter alter Legenden tragen, seine schöpferische Beanlagung zur Diskussion. Die Hörer dankten beiden Vortragenden am Schluss lebhaft. A. H. Maikonzert der jüdischen Tonkünstler An einem gut besuchten „Kammerkunstabend" der jüdischen Tonkünstler Frankfurts, der in allen Teilen viel Anklang fand, iiörte man Gesang, Rezitationen und Instrumentalmusik. FränneSchmuckler, die zum ersten Mal in diesem Kreis spielte, erwies sich als ausgezeichnete Geigerin, die vor allem einen wann ansprechenden vollen Ton besitzt. Sie trug im Verein mit Hans Joachim Böhm, der ihr sehr diskret mit leichtem Anschlag am Klavier Partnerschaft leistete, die schöne A- Dur Sonate (Jesar Francks eindringlich vor und gab der obligaten Violine besonders in einer Solokantate Buxtehudes Ausdruckskraft. Das abschliessende „Rondo brillant" op. 70, hmoll von Schubert Hesse sich noch mitreissender, zwingender denken. — Ihre Musikalität und Stilsicherheit zeigte Bettina Feitier in der erwähnten Kantate und in einer Frühlingsarie Mozarts; allerdings war auch die schon öfter erwähnte Beengung der höheren Töne hörbar, und die an sich wohllautende Sopranstimme wird, etwa bei einzelnen Koloraturen, noch nicht leicht und gelockert genug geführt. Hans Joachim Böhm begleitete mit Geschmack. Die vorgesehenen Rezitationen von Rudolf Ganz mussten wiederum ausfallen; Leni Steinberg sprach noch mit ihrer klangvollen All- Sprechstimme (die nur die Endsilben etwas stark tönen lässt) in lebendigem Vortrag orientalische und griechische Gedichte, darunter herrliche Stücke, wie jenen letzten Hymnus auf die Hoffnung. g. sch. Vorschriftsmässige PASSBILDER sowie alle Photo-Arbeiten zu billigen Preisen Samson & Co. ZEIL 102 (riehen Fhrenfeld) E. KRIEGER jetzt Friedbergerldstr. 25 Einziges jüd. 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