Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 9 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 332 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 332 Sofie Rossbach D3l11GllllÜtG Neue Modelle für Frühjahr u. Sommer KaiserStr.25 Damenmoden Umarbeitungen nach denselb. billigst den Beitrag, den Israel zur Weltkultur geleistet hat. Er nennt die Judäo-Israeliten das weltgeschichtlich wesentlichste Volk des vorderasiatischen Kulturkreises. Was unterschied sie von anderen beduinischen Völkern, die vordem in Kanaan eingezogen und von dessen schwüler Atmosphäre sämtlich aufgesogen waren? Man könnte meinen, es sei eine besondere, angeborene oder erworbene geistige Qualität. Sicher war sie vorhanden und hat „sich in entscheidenden historischen Augenblicken bis zu einer in der Dichtigkeit der Talente kaum glaubhaften Massenhaftigkeit persönlicher Genialität gesteigert____auf dem Hintergrund eines sehr komplexen schwer enträtselbaren Charakters des Volkes als Ganzen; eine durch die Jahrtausende bis heute überall offenbare geistige Qualität, von der die Josephslegende eine typische, immer wiederkehrende Spielart herausstellt". Ihre besondere Aufnahmefähigkeit für babylonische und ägyptische Kultur ist ja auch nur das erstmalige Hervortreten einer stets bewährten „gewichtigen Rezeptionsfähigkeit bei letztem S i c h-s e 1 b s t-n i c h t-V e r 1 i e r e n"." Aber diese Qualität reicht nicht aus, die Besonderheit Israels und seiner Geschichte zu erklären. Sie bliebe vielmehr unbegreiflich ohne ein überwältigendes religiöses Erlebnis, das ihm nach dem Auszug aus Aegypten widerfuhr. Es ist die B e r i t h, der doppelte Bund zwischen den Stämmen des Volkes untereinander und zwischen dem Volke und einem ihnen bis dahin fremden Gotte, der sie wunderbar errettet hatte. „Dieser im Dornbusch erschienene, dem Volk als Feuersäule vorangegangene fremde unheimliche Gott war für das Volk nach diesem Erlebnis kein Gott, wie ihn die anderen vorher eingewanderten Völker mitbrachten, kein Baal, der sich leichthin einfügte in Fremdes". „Er war ein strenger und eifriger Gott, mit dem man e'inen ausdrücklichen Vertrag geschlosssen hatte.... Der sich also, wurde dieser Vertrag nicht eingehalten..., auch abwenden konnte, um ein anderes Volk zu seinem auserlesenen zu machen". Zwar äußerlich bietet die Geschichte des auserwählten Volkes zunächst nichts Besonderes. Wir ahnen wohl ein reiches und bewegtes Leben aus den Büchern der Bibel, die „immer noch das inhaltlich umfassendste, aus einer gewaltigen Mannigfaltigkeit einheitlich zusammengefügte Schriftwerk der Erde" ist. Und doch wäre dies Leben verwest und versunken, zwischen Aegypten und Assyro-Babylonien zerrieben wie alle anderen kleinen Nationen, wenn nicht eine zweite historische Konstellation für dieses Volk eingetreten wäre, aus der erst „die Unvergleichlichkeitseiner Weltleistung" erwuchs. Daß Israel in der Zeit seiner Bedrohtheit und seiner politischen Katastrophe seine weltgeschichtliche religiöse Höhe erstieg, verdankt es seinen Propheten. Sie knüpfen alle an den Bund vom Sinai an; alle moralische Schuld des Volkes ist Abfall vom Bunde, der mit dem Untergang des Volkes bedroht wird. Arnos und seine Nachfolger, die im Grunde alle das Gleiche künden, sind , grosse Einzelpersönlichkeiten, diejenigen Einzelpersönlichkeiten der morgenländisch-westlichen Hemisphäre, die wir als erste deutlich und plastisch erkennen, da die Welt des Wortes, die sie um sich getan haben, uns ihre Seele wiedergibt bis heute". Wodurch, so fragt nun der Verfasser, sind diese Männer die Schöpfer der weltgeschichtlichen Bedeutung des Judentums geworden? Nicht durch ihre Theologie, lautet seine Antwort, denn sie haben bis zum babylonischen Exil keinen streng universalistischen Monotheismus gepredigt; vielmehr durch die „besondere Färbung des religiösen und ethischen Verhaltens zu Gott", wie sie aus einer Vermischung des Bundes mit der alten Nachbarsehaftsethik hervorging. Das Ziel, das hinter dem unentrinnbaren Unheil sich auf tut ist ein Weltendzeitalter, ein Friedensreich der ganzen Erde. Aber der W»g, der zu ihm führt, heisst nicht Lebensabkehr, sondern Demütigung des ganzen Volkes vor Gott. „Man mag das einschätzen wie man will, es ist mit einer so hinreissenden Gewalt vorgebracht, das Grundpostulat des Glaubens, das als Erfüllung der Gebote dieses Gottes gestellt wird, ist so stark verinnerlieht, daß das Phänomen auf die Geschichte, so weit sie unter diesen Einfluss gekommen ist, immer wieder gewirkt hat, fundamental, als Absolutes, nicht aus bestimmten historischen Bedingungen^ aus diesem Volk und für sein Schicksal Erwachsenes." Die Propheten wurden von den Leviten und Schriftgelehrten abgelöst. Durch ihre das ganze Leben des Volkes umgestaltende Reformation wurde das Judentum weltgeschichtlich konstituiert. Alsbald wurde es als Staat vernichtet. Aus äusserem und innerem Schicksal entstand in der Folge eine Lage, „aus der wieder vermöge der unvergleichlichen Form der religiös-kultischen Gebundenheit erneut Unvergleichliches hervorging: ein rituelles Eingesponnensein and eine Abkapselung, derart, daß das Judentum von da an als eine späier aussergeographische und ausserstaatliche Einheit durch alle Geschichte als einziges antikes Volk bis heute hindurchgehen konnte. Unzerstörbar anscheinend." Die Thoragesetze, von den Rabbinen als Nachfolger der Leviten ausgelegt, und die sich anschliessende Ritualpraxis, die sich auf die Zukunftshoffnung des göttlichen Bundes gründete, wurden „eine allen Zersetzungsstoffen und Auflösungstendenzen trotzende Hülle des weiter mit oder ohne Jerusalem verbleibenden Judentums". Was Weber im Folgenden über die bewusste Absonderung der Juden von ihrer Umwelt und deren bittere Konsequenzen, über eine Fortbildung der jüdischen Religion vom Eigenen her und eine Ergänzung von aussen, durch den Parsismus, sagt, ist gewiß auch interessant, betrifft aber nicht mehr den Kern des Problems. Diesen hat er vielmehr in den 14! Seiten, die er in seiner gedrängten Weltgeschichte den Juden widmet, klar herausgeschält. Es ist unter dem Einfluss christlich-theologischer Anschauungen und der Untersuchungen Max Webers (auf den er, der Bruder, sich wiederholt beruft) in der von diesem begründeten Religionssoziologie fraglos manches unrichtig gesehen. Von Mose ist bei ihm, der die Propheten und die Künstler, nicht die Staatsmänner und die Erfinder, als die eigentlichen Genies der Geschichte betrachtet, überhaupt nicht die Rede. Es ist ein fremder Gott, nicht der Gott der Väter, dem Israel sich verschreibt. Der Bund vom Sinai bedeutet ihm eine Bundesschliessung zwischen den Stämmen des Volkes und einen förmlichen Vertrag zwischen diesem und Gott. Aber die konstitutive Bedeutung der einzigartigen „Berith" für den Anfang der israelitischen Geschichte, für ihren in den Propheten erreichten Gipfel und auch noch für die Zeit des rabbinischen Gesetzes ist klar erkannt. Der unvergleichliche Beitrag, den das Judentum zur Weltgeschichte geleistet hat, wird immer wieder hervorgehoben. Nichts von „plebejischer Ethik", von „Paria-Volk", wie noch bei Max Weber, geschweige von rassischer Minderbewertung! Und darum steht auch der jüdische Leser voll Ehrfurcht vor einem Werke von so umfassenden Wissen, von solcher Einheitlichkeit und Geschlossenheit, nicht weil sein Volk und dessen Kulturleistung von einem Aussenstehenden gewürdigt werden (wir sollten uns unseres Wertes selber genügend bewusst sein), sondern weil er hier in einer Zeit aufgewühlter Leidenschaften, wissenschaftliche Forschung unbeirrbar auf das Ziel der Wahrheit zusteuern sieht. Pelzmäntel, Jacken, Paletots. Massanfertigung n"eh —-"lÄS Umarbeitung billigst. Peh-Hess BIEBERGASSE 1 I.ETAGE Silber- Blau- und Naturfüchse, moderne Besätze Tel. »s*M k ■