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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-06-01 · 9 (6.1936) · p. Seite 331

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
9 (6.1936)
Date
1936-06-01
Page
Seite 331 (sequence 5)
Language
German
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Seite 331 des Amtes tragen will, nur der hat ein inneres Anrecht anf Bestallung und Ehre und auf Hinausgehobensein aus der Masse. Eine andere Darstellung versteht unter diesen siebzig Aeltesten neu bestellte und lässt jene ersten nicht mehr vorhanden sein. „Gab es denn nicht vorher auch schon Aelieste? Es heisst doch (2. M. 24,9) „Aufstiegen Mosche und Aharon, Nadaw und Awihu und siebzig von den Aeltesten Israels?" Und diese Erzählung hier von den Aeltesten, die zu künden begannen, ist doch zeitlich später, wo waren jene Aeltesten vom Sinai? Folgendes Avar geschehen: Als Israel in diese Verstrickung kam, (4. M. 11,1) „Das Volk war wie Klagende, übel vor SEINEN Ohren, ER hörte es, sein Zorn entbrannte, ein Feuer von IHM flammte in sie nieder", da wurden jene Aeltesten alle mit vom Feuer verzehrt, und ihr Brand war wie einst der Brand Nadaw und Awilms (3. M. 10). Denn sie alle hatten sich leichtfertig benommen, als sie den Sinai hinaufstiegen und Gottes Gegenwart sahen, denn so wird berichtet (2. M. 24,11) „sie sahen Gott und assen und tranken". Damals hatten Nadaw und Awihu und die Ältesten sofort den Tod verdient. Aber weil die Verleihung der Tora dem Heiligen, gelobt sei er, lieb war, darum wollte er sie an jenem Tag nicht treffen und so einen Riss reissen in Israel, das ist's was geschrieben steht, ( 2. M. 24,11) „gegen die Edlen der Kinder Israels streckte er seine Hand nicht aus"; das heisst doch, dass sie es in Wirklichkeit verdient hatten, dass Gottes Hand wider sie sich erhoben hätte. Nach einiger Zeit kam es so, dass Nadaw und Awihu vom Feuer verzehrt wurden, als sie das Zelt der Gegenwart mit unheiliger Gabe betraten, und die Aeltesten fanden ein gleiches Ende hier, als das Gelüst aufgekeimt war in Israel." Dahingestellt sei, ob das wörtlich gemeint ist; der Wortsinn der biblischen Sätze ist es nicht, aber der Midrasch will diese Gelegenheit benutzen, um klarzustellen, wie fluchwürdig, wie untragbar es ist, wenn jemand in dem Augenblick grossen Erlebens, wo es sich um das grosse Ganze handelt, wo man Gott gleichsam schaut, an sein Persönliches, an sein „Essen und Trinken" denkt, daran denkt, welches eigene Begehr er in diesem Augenblick befriedigen könne; um klarzustellen dass, wer so denkt, keinen inneren Anspruch auf Hinausgehobensein, auf Leitung erheben darf. Die Erzählung wird in ihrem Schluss vom Talmud mit einem besonders bitteren Wort begleitet. As jene zwei, Eldad und Medad, hinausragend über die anderen Aeltesten ununterbrochen kündeten, und, wie der Midrasch erzählt,9Ereignisse der Zukunft enthüllten, da sprach Jehoschua zu Mosche: mein Herr, Mosche wehre ihnen.. In dem hebräischen Wort steckt die Wi>r:<i:l sie ist im Klang einem anderen Wort gleich, das ein Hinschwinden, Aufhören bedeutet. Und darauf gestützt, erklärt ein Midrasch die Bedeutung der Bitte Jehoschuas folgendermassen: er habe zu Mosche gesagt „lege ihnen auf, für die Bedürfnisse der Gemeinde zu sorgen, und sie werden von selbst hinschwinden". Man braiicht und soll solch ein Wort nicht wörtlich nehmen, der Midrasch liebt solche Uebersteigerungen, sie sind nicht in reinem Ernst gemeint. Aber ein Stück Wahrheit steckt immer in ihnen. Und wir werden beim Lesen eines solchen Satzes uns sagen: was müssen das einmal für Zeiten gewesen sein, wo man sagen konnte, dass die Leitung der Gemeinde den Mensch so in Anspruch nahm, daß sein Leben \mä seine Gesundheit darüber hinschwanden und er sich darin verzehrte? Da3s also die Last und Gefahr die Ehre überwog? Bezieher des Gemeindeblattes! Gemäss behördlicher Bestimmung darf eine kostenlose Lieferung des Gemeindeblattes nicht stattfinden. Wir richten daher an alle Mitglieder die dringende Bitte,? das Bezugsgeld von RM. 0.45 pro Vierteljahr pünktlich beim Vorzeigen der Quittung zu entrichten, damit in der regelmässigen Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Erhebung des Bezugsgeldes wird auf behördliche Veranlassung künftig im Voraus durch* geführt, demgemäss für die Monate Juli — Seps tember 1936 im Monat Juni 1936. Frankfurt a. M., 23. Mai 1936 VORSTAND DER JSRAELITISCHEN GEMEINDE VERWALTUNG DES GEMEINDEBLATTES Der sinaitis als Schlüssel zur weltgeschichtlichen Bedeutung des von Rabbiner Dr. Die Zeiten, da man raeinte, eine objektive Weltgeschichte schreiben zu können, sind vorüber. Selbst wenn er von einer moralischen Wertung der dargestellten Menschen und Geschehnisse absieht, muss der Historiker sie von einem, seinem festen Standpunkt aus betrachten, sei es ein vorwiegend politischer oder wirtschaftlicher, geistesgeschichtlicher oder soziologischer. Einer Geschichte der Juden würde der rein politische Standpunkt am wenigsten gerecht werden, auch der bloß wirtschaftliche ergibt ein Zerrbild. Am nächsten kommt ihr bis heute noch der soziologische in Verbindung mit dem geistesgeschichtüchen, zuunl wenn dabei, wie es erstmals Max Weber versucht hat, das Religiöse stark hervortritt. Soziologie im weitesten Sinne bedeutet „Darstellung des Ablaufs des gesellschaftlichen Geschehens in seiner Totalität, Darstellung und Erfassung des Kulturprozesses in seiner inneren Notwendigkeit". Alfred Webers „Kulturgeschichte als Kultursoziologie" will che Bund Judentums, nach Alfred Webers Kulturgeschichte G. Salzberger nur insofern Kulturgeschichte sein als sie eine Kultursoziologie ist, eingebettet in die Anschauung und den Stoff der Universalgeschichte. Sie gibt sich als ein Versuch, Geschichte und Gegenwart zu konfrontieren, um aus der einen für die andere ein klares Gesieht zu erhalten, als eine Art Geschichtsphilosophie, die sich aber auf das durch Erfahrung Erfaßbare und seine verstehende Zusammenfassung beschränkt, sich gleich weit entfernt haltend von einer bloß objektiven Wiedergabe der Tatsachen wie von blendenden Verallgemeinerungen und fragwürdigen Prognosen. Es ist zwar, wie der Autor selber bekennt, keineswegs immer.kurzweilig, aber es ist höchst lehrreich, mit ihm den Weg der Menschheit von den primitiven Kulturen über die asiatischen Hochkulturen (Aegypten, Babylonien, China und Indien) zur europäischen Antike und bis in unsere Zeit zu verfolgen. Für uns ist von besonderem Interesse seine Anschauung und sein Urteil über

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