Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-05-01 · 8 (5.1936) · p. Seite 319

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
8 (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 319 (sequence 33)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094434--5212-3100021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 319 Ein Nachmittag im Jüdischen Kinderhort Der Jüdische Kinderhort in der Bleichstraße ist eine soziale Einrichtung, die seit etwa 1SS0 besteht, deren Notwendigkeit aber gerade in der heutigen Zeit besonders erkannt wird. Im Tlort werden nachmittags gegen geringes Entgelt schulpflichtige Kinder im Alter von 6-14 Jahren beaufsichtigt, deren Eltern es an Ruhe und Zeit fehlt, um die Kinder zu beschäftigen und erzieherisch ku beeinflussen. Der Tag im Hort verläuft etwa so: Wenn die Kinder um 1 Uhr mit mächtigem Hunger aus der Schule kommen, finden sie im Hort einen gedeckten Tisch vor, auf dem ein schmackhaftes Essen auf sie wartet, das manchmal mehr, manchmal weniger Beifall findet. Leider ist nicht genug Raum vorhanden, um diel Speisung für alle Kinder gemeinsam durchzuführen. Die später Kommenden warten ungeduldig bis die ersten fertig sind. Zum Glück gilt aber hier nicht das Sprichwort: Wer nicht kommt zur rechten Zeit......, der Vorrat wird gerecht verteilt und es ist reichlich für alle da. Die Kinder, die gegessen haben, gehen in eine Schulklasse, um ihre Schulaufgaben zu erledigen. Die Kinder, die keine Aufgaben zu machen haben, können im Garten spielen. Ausser der Leiterin sind noch 3 Hortnerinnen angestellt, und so wird jede Gruppe von einer Erwachsenen betreut. Da der Hort aber 130 Kinder zählt, haben die Hortnerinnen wahrlich keine leichte Aufgabe, zumal es in jeder Gruppe einige Sorgenkinder und ausgesprochen „schwierige Kinder" gibt. Wenn dann die Kinder mit den Aufgaben fertig geworden sind, taucht die Frage auf: Was sollen wir tun? Die Kinder können sich bis 4Va Uhr beschäftigen, ganz wie sie wollen, im Garten tollen, Tischtennis oder Fussball spielen oder im Zimmer sieh mit Brettspielen oder Lesen unterhalten. Dem Hort steht eine grössere Bibliothek zur Verfügung, die mehr als 600 Kinder- und Jugendbücher enthält und die den Grösseren Anregung und Unterhaltung gibt. Um 4Va Uhr werden die Kinder ihren Gruppen zugeteilt; es gibt 4 Gruppen, 6-10jährige und 10-14jährige Jungen. 6-14jährige Mädchen und eine gemischte Gruppe. Nachdem die Kinder sich an einem Becher Kakao und 2 Eierwecken gestärkt haben, werden sie zu einer ruhigen Beschäftigung angehalten. Die Grossen machen Holz-Sägearbeit«n, die Mädchen werden in Handarbeiten unterwiesen, andere bekommen vorgelesen. Die Kleinen basteln gerne, am liebsten jeden Tag etwas Neues. Die Hortnerin muss immer etwas „anderes" erfinden. Trotz aller Schaffensfreude oder gerade wegen dieser Freude geht der kleine Mund unaufhörlich — und wenn 30 Kinder lachen und schwätzen, dann' ist in einer kleinen Stube schon allerlei Unruhe. Man kann ihnen ihre Lebendigkeit gewiss nicht übel nehmen. Man muss sich im Gegenteil darüber freuen und sie richtig zu lenken versuchen. Aber alle mit dem Leben verwurzelte Erziehung ist an materielle Mittel gebunden und so macht sich auch oft in unserem Hort bemerkbar, dass wir mehr Raum haben müssten, um eine den Nerven der Kinder noch zuträglichere und beruhigendere Atmosphäre zu schaffen, und mehr Menschen, um auch ein Eingehen auf das einzelne Kind zu ermöglichen. Es ist erklärlich, dass es, wie in jeder grösseren Kindergemeinschaft auch in diesem Hort eine Anzahl schwieriger, ja man kann vielleicht sogar sagen asozial eingestellter Kinder gibt, die sich nur schwer und widerwillig in die notwendigen Anordnungen fügen. Oft ist es dann nötig, dass die Hortnerin ihre ganze Autorität einsetzen muss, um Ruhe und Ordnung in das Gewimmel und Getöse der Kinderschar zu bringen. Viel Liebe und Geduld gehört dazu, um den Kindern ein Heim zu schaffen, in dem sie sich „zu Hause fühlen", ein Heim, das ihnen die Eltern durch die Ungunst der Verhältnisse zumeist nicht verschaffen können. Die Frequenz des Hortes ist so hoch, dass neue Anmeldungen leider zurückgewiesen werden müssen, obwohl manche Eltern verzweifelt anfragen, wo sie denn ihre Kinder nachmittags hinschicken sollen; oft sind nämlich die häuslichen Verhältnisse so schwierig, dass der Hort die einzige Unterbringungsmöglichkeit darstellt. Der weitere Ausbau des Hortes ist eine dankbare Aufgabe. Welcher Aufwand wäre wohl lohnender als der für Kinder unserer Gemeinde? Welche Sorge nötiger als die um jüdische Kinder in der heutigen Zeit? Hella Morgentb.au Jüdische Nachbarhilfe Die Ortsgruppe Frankfurt (.Main) des Jüdischen Frauenbundes erlässt folgenden Aufruf: Liebe Hausfrauen! Da wir wissen, dass die heutige Zeit viele Anforderungen an Euch stellt, Ihr viele Schwierigkeiten im Haushalt habt, wollen wir Euch gerne helfen. Darum, sei es bei einer plötzlichen Erkrankung, sei es bei anderen Schwierigkeiten, wie sie im Haushalt immer vorkommen, wendet Euch stets an die Jüdische Nachbarhilfe, Hans Handwerkstrasse3, Telefon 27093 Sprechstunden Montags bis Freitags von 9—1 Uhr. Ein ganzer Stab von Hilfskräften, die sich teils ehrenamtlich, teils bezahlt zur Verfügung gestellt haben, sind, hier verzeichnet. Die Zentrale vermittelt jederzeit und für alle Notfälle ihre Helferinnen. Die Helferin der Nachbarhilfe kann bis zu einer Woche aushelfen. Die Nachbarhilfe ist jedoch keine Arbeitsvermittlung, sondern eine gemeinnützige Einrichtung. Sie will Euch Hausfrauen, die Ihr heute durch die bestehenden Verhältnisse oft vor schwere Situationen gestellt seid, eine Helferin sein, die sich Euerer Nöte verstehend annimmt! Wendet Euch in allen Notfällen vertrauensvoll an die Geschäftsstelle der Jüdischen Nachbarhilfe, HansHandwerkstr. 3, Telefon 27093 Wir sind jederzeit für Euch da und helfen, wo wir können! Die Obmänninen der einzelnen Bezirke sind: Bezirk I Zoo Frau Rothschild, Röderbergweg 63, Telef. 46138, Frau Ettinghausen, Palmstrasse 11, Telefon 44.012 Bezirk II Norden Frau A. Marbach, Günthersburgallee 71, Telefon 48772 Bezirk III Holzhausen Frau Cohen, Lichtensteinstrasse 2, Telefon 55629 Bezirk IV Oper Frau Löwenthal, Böhmerstrasse 13, Telefon 51393, Frau Schlesinger, Staufenstr. 28, Tel. 76731, Frau Lehmann, Leerbachstr. 19, Tel. 53328. Bezirk V Bockenheim Frau Hirsch, b. Strauss, Beethovenstr. 32 Tel. 78993, Frau Mosbacher, Elsheimerstr. 6, Tel. 54872 Bezirk VI Westen Frau Düllken, Fellnerstr. 5, Tel. 54881, Frl. Simon, Staufenstr. 30, Tel. 71211 Bezirk VII Bahnhof-Süd wird noch bekannt gegeben. Bezirk VIII Innenstadt Frau Landauer, Leei-bachstr. 57, Tel. 51468, Frau Bergen, Liebigstr. 32, Tel. 23180 Pelzmäntel, Jacken, Paletots. Massanfertigung Umarbeitung nach neuesten Modellen billigst. iBI EBERGASSE 1 I.ETAGE Silber- Blau- und Naturfüchse, moderne Besätze Tel. 25494__

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.