Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 8 (5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 298 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 298 DANZAS&C? Frankfurt am Main Main?er Landstr. 65, Tel. 30576 G.lll. FRÜHER ALBERT HERZ bu Hb "Abteilung für Auslands-Umzüge Palästinau. Übersee-Transporte in üfls u. Sammelladungen per Bahn u. Rhein Fachmännische Beratung. Sachgemässe Verpackung, Lagerung, Versicherung Er bericbtete dieses kleine Wunder als das Omen seines Daseins. Kaufmann wollte er nicht werden und doch sollte er in das Geschäft seines Onkels bekommen. Als ihm das Studium versagt wurde, war er tiefvnglücklieh. Da brach das Geschäft seines Verwandten zusammen, und er sass da. War es Pech, war es Glück? Er holte mit Selbststudium nach, was ihm an Vorbereitung fehlte und — fiel im Examen durch. Zu einer Hauslehrerstelle leichte seine Wissenschaft. Er sagte: Das Leben ist kein Rechencxempel! Im Hause seines kleinen Schülers war ein nettes Mädel. Es var nicht die Schwester des Jungen, es war eine Verwandte, die im Nest geduldet wurde — miterhalten! Simon Berndorf und Eise Klein fanden manche Aehnlicbkeiten in ihrem Schicksal — nur hatte er den Humor der Resignation, sie hatte — Ansprüche und — auch kein Geld. Simon verliebte sich, sie hatte nichts dagegen. Er machte Zukunftspläne, wollte Unterricht geben, an Zeitungen arbeiten und sich sonst noch was suchen, das die fehlenden Einnahmen ergänzen würde. Sie rümpfte das Naschen. Sie Hess ihn suchen. Derweil suchte sie auch und fand — weil sie geschickt war —, was sie wünschte, den Dummen. Simon sah den nicht sehr schönen Mann, der eine schwere goldene Uhrkette trug und einen blitzenden Ring an einem dikken Finger. Ein halbes Jahr später hörte Simon, dass der gutmütige Paul Wolff schon graue Haare trage. Simon lächelte und sprach: „Schon wieder hatte ich. Glück im Pech." Sein Lebensweg war hart Er war müde, der gute Simon, als er die Hälfte erledigt hatte. Eine Krankheit kam ihm zu Hilfe und nahm üim die letzten Mühen gnädig ab. Sein letztes Wort war: „Da habe ich wieder einmal Glück im Pech gehabt." Dann lächelte er und sein Antlitz war verklärt. Mein Freund, dem ich diese Geschichte erzählte, ist ein Fanatiker der Pointe. Er will immer, dass Geschichten Pointen haben, sonst lässt er sie nicht gelten. Die Geschichte gefiel ihm nicht. Er fand auch nicht, dass sie gar nicht so frohgemut sei, wie ich behauptete. Er sagte: „Sie haben immer ganz besondere Auffassungen von Pointen und Tonarten". Ich sagte: „Wenn ein Mensch mit gutem Lächeln aus diesem Dasein geht,, dann ist das eine Pointe, mein Freund, und, wenn er unverdrossen kreuz und quer tappte, dann war er ein Musikant des Lebens, der eine feine Melodie in dur spielte". Das Landschulheim Florenz Jüdische Jugend aus Deulschland in der Toskana von Oberregierungsrat a. D. R. K e m p n e r Zwischen schönberankten italienischen Gartenmauern steigt man von der Haltestelle der Tram aufwärts, immer umfassender wird der Blick über das herrliche Florentiner Tal: das Ziel ist die „Villa Pazzi", inmitten ihrer Gärten, ein schlossartiges Gebäude auf einem Hügel mit überwältigendem Rundblick, einst im Besitze des Geschlechtes der Pazzi, der grossen Nebenbuhler der Medici. An dieser Stätte der alten Kultur wächst eine neue Generation heran, wohl nirgend in der Welt kann sie in schönerer und geeigneterer Umgebung gross werden. Hier haben die Kinder den Auslauf, den ihr Bewegungsdrang verlangt, hier können sie sich sammeln zu ernster Vorbereitung auf ihren Beruf, zur Besinnung auf ihre besondere jüdische Situation. Unten die schnell erreichbare Stadt, angefüllt mit historischer Bedeutsamkeit — hier oben grüne Hügel, Gartenland und Bauernland de; Süden?, mit Oelbaum und Weinstock, Blume und Frucht, Kern und Gemüse, Vieh und Hühnern, mit allem, was das Wort an Naturnähe, an Gesundheit, aber auch an Belehrungsniöglichkeiten, namentlich für jüdische Jugend aus Deutschland in sich begreift. Das Landsehulheim Florenz, das seinen Knaben und Mädchen diesen Rahmen bietet und ihn mit Leben erfüllt, besteht nun fast drei Jahre mit seinen bewährten Pädagogen, Kennern der weiten Welt und seinen Kindern aus Deutschland, Oesterreich, Italien, U. S. A. und anderen Ländern. Diese Schöpfung wurde unmittelbar aus der Forderung des Tages heraus geboren: Jüdischen Kindern besondere Ausbildungs-, Entwicklungs- und Zukunftsraöglichkeiten zu schaffen, und zwar auf einer für weite Kreise materiell tragbaren Grundlage. Auf der einen Seite bietet das Landschulheim Florenz seinen Kindern geistiges Rüstzeug; die Vorbereitung für das Abiturium mit seiner Studienberechtigung an fast allen europäischen Universitäten; ausserdem intensivste Pflege der modernen Sprachen: englisch, französisch, italienisch, neuhebräiseh, spanisch etc. Auf der anderen Seite steht die praktische Vorbereitung in Gartenbau, Landwirtschaft, Handwerk und kaufmännischen Fragen, sowie die Ausbildung der Mädchen in allen Zweigen des Haushaltes. Ueber aller Einzelarbeit, die Lehrer und Schüler in lebendiger Gemeinschaft in der „Villa Pazzi" vereint, steht aber der Leitgedanke: jungen, jüdischen Menschen aus Deutschland ein Rüstzeug zu geben, das ihnen überall in der Welt weite Zukunftsmöglichkeiten erschliesst. «pS V «s;ji-' m& l-fffT^W*- rü' 3ii kw&$ ji Ii •iV £~ __ ,-o ^g^^^p^p^UllvaS^^^Ak^iJ tlUschhom ^r KAISERSTRASSE3 JUWELEN GOLD SILBER TRAURINGE BESTECKE edltSilberund 100grVer8||b»,,ung Armband-Uhren | Uhren-Reparaturen zuverlässigTu. preiswert! Anu. Verkauf aus Privatbesitz, stets Gelegenheiten in Juwelen Dosen (Dosen SILBERSCHMIEDE KAISERSTRASSES NÄCHST ROSSMARKT FRANKrURT AM MAIN