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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-05-01 · 8 (5.1936) · p. Seite 294

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
8 (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 294 (sequence 8)
Language
German
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Seite 294 Dr.jur. Hugo Hoffmann Oberlindau 51 Tel. 76655 Versicherungen aller Art Gärtnergruppe ist unter anderem auch für die Mädchen gedacht, die mit den Eltern oder mit der Jugendalija nach Palästina gehen oder in anderen Ländern siedeln werden. In ähnlicher Weise wie bei den Jungen wird die praktische Ausbildung durch theoretischen Fachunterricht und durch Unterricht in verschiedenen Bildungsfächern ergänzt. Die Auswahl der zu übermittelnden Bildungsstoffe ist bedingt durch die besonderen Erfordernisse der Erziehung des jüdischen Mädchens. Auch die gemeinschaftsbildenden Kräfte werden in ähnlicher Weise wie bei den Jungen gefördert. Vor allem soll durch das gemeinsame Leben aller Schülerinnen — alle nehmen während der Unterrichtszeit an den Mahlzeiten teil — die Erziehung zur Gemeinschaft und eine Einführung in die Aufgaben der jüdischen Frau in der Gegenwart erstrebt werden. Anmeldung Die Anmeldung ist auf .einem bei der Beratungsstelle anzuforderndem Bogen zusammen mit dem Personalbogen genau ausgefüllt einzusenden. Die Aufnahme erfolgt nach genauer Prüfung. Es ist ferner eine Probezeit von sechs Wochen vorgesehen. Beginn Die Grundlehre für Jungen beginnt am 4. Mai 1936. Die Grundlehre für -Mädchen beginnt am 18. Mai 1936. Die Jungen-Grundlehre wird in der Fischerfeldstrasse 13, die Mädchen-Grundlehre im Mädchenheim, Taunusplatz 17, eingerichtet. Wohnheime Für die auswärtigen Jungen und Mädchen besteht die Möglichkeit, in den Heimen der Grundlehre zu wohnen, in denen eine pädagogische Betreuung gewährleistet ist. Die Eltern sollen jedoch erwägen, ob vielleicht durch Unterbringung der Jugendlichen hei Verwandten oder Bekannten eine Ersparnismöglichkeit besteht. Auskünfte erteilt die Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe Frankfurt/M., Quinckestrasse 24. Robert Barany Ein jüdischer Nobelpreisträger von Professor Dr. Joseph Berberich •im 22. April 1936 sollte Robert Barany, Direktor der Universum--Ohrenklinik in Upsala (Schweden), seinen 60. Geburtstag feiern. Von schwedischen Freunden waren Ehrungen vorbereitet, an <7enen die ganze wissenschaftliche Welt teilnehmen wollte. Die Geburtstagswünsche konnte Barany nicht mehr entgegenmbr.en, denn einige Tage vorher, am 8. April, ist der Schöpfer der Lehre vom Gleichge'wichtssinn gestorben. So K.'jsste „ein Ehrengruss dem Bahnbrecher der klinischen Labyrinth forsch ung, der ein grosses Kapitel der Otologie neu gesohlten und neu gestaltet hat", gewidmet von den bekanntesten Ae.» //en aller Länder, auf das frische Grab gelegt werden. iJarany durchlief das typische jüdische Forscherschicksal. Gcberen in Wien (1876), studierte er in seiner Heimatstadt und in Freiburg, arbeitete in Frankfurt bei Edinger, um 1900 in Wien den Doktorgrad zu erhalten. Barany kam dann an die Klinik Adam Politzers in Wien, des Mitbegründers der modernen Ohrenheilkunde. Politzer, der ebenfalls Jude war, stellte zu jener Zeit eines der wichtigsten Zentren der neu aufstrebenden Ohrenheilkunde dar. Seine Schule war allerersten Ranges; aus ihr ging eine Reihe bedeutender Schüler hervor. 1909 wurde Barany. der die ersten wissenschaftliehen Lorbeeren schon erworben hatte, Privatdozent der Wiener Universität. Im Jahre 1916 geriet er in russische Gefangenschaft und erhielt als Kriegsgefangener die Nachricht, daß ihm der N io b e 1 p r e i s d e s J a h r e s 1914 verliehen worden sei. 1917 folgte er einem Rufe der Universität Upsala, wo er bis zu seinem Tode Direktor der Universitäts-Ohrenklinik gewesen ist. Schon die frühen Arbeiten dieses Forschers lenkten die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf sich; so ist es nicht verwunderlich, wenn ihm auf dem Internationalen Kongress der Ohrenärzte in Boston 1912 schon der Politzerpreis, 1913 in Breslau der Erb-Preis, 1914 der Guyot-Preis der Universität Groningen verliehen wurde. Obwohl schon aus diesen äusseren Anerkennungen die Bedeutung des Mannes ersichtlich wurde, stellte ihm seine Heimat Oesterreich kein geeignetes Arbeitsfeld zur Verfügung. Barany war der erste Nobelpreisträger Oesterreichs überhaupt und ist bis heute der einzige Nobelpreisträger der Ohrenheilkunde geblieben. Daraus ersieht auch der Aussenstehende, welche Bedeutung seinen Untersuchungen beigemessen wurde. Die Anerkennung der gesamten Welt hat Barany in Dankbarkeit hingenommen, aber er hat, wie man in UnterhaHungen mit ihm feststellen konnte, nie seine Heimat und nie den ihm angetanen Schmerz vergessen. Er war seinem Gastland Schweden sehr verbunden und hing in Liebe und Dankbarkeit an ihm;, aber in privaten Unterhaltungen, die man gerade in Frankfurt des öfteren mit ihm führen konnte, klang nicht selten die Sehnsucht nach der Heimat durch; sein glühendster Wunsch ist ihm unerfüllt geblieben. Um die Bedeutung Baranys voll würdigen zu können, muß man sich den Stand der Wissenschaft um 1900 vorstellen. Man DEUTSCHE EFFECTEN.UND WECHSEL.BANK Konstabier Wache Allerheiligensfrasse Mj Osfhafen Hanaueriandstrasse 125 t Bockenheim Leipzigerstrasse 50 vormals L A. Hahn — gegründet 1821 — Akf.-Ges. seit 1872 FRANKFURT AM MAIN Kaiserstrasse 30 Individuelle Beratung Auch in den Städten Höchst a. M. Dalbergsfrasse 3 Offenbach a. M. Frankfurterstrasse 54

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