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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-05-01 · 8 (5.1936) · p. Seite 293

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
8 (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 293 (sequence 7)
Language
German
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Seite 293 S0fie ROSSbaCh Katoerstr.asggaggjäBen Neue Modelle für Frühjahr u. Sommer Umarbeitungen nach denselb. billigst froh: liehe enthielten die Pakete — dieser Moment war der rührendste unserer Fahrt. Am 25. 1. ging es weiter nach Bovril, wo wir am Nachmittag eintrafen und über Schabbos blieben. Sonntags fuhren wir per Fuhrwerk nach Avigdor. — Durch den Wochen lang anhaltenden Regen waren die Wege so grundlos und mit Bächen durchzogen, daß es den alten Herrschaften manchmal bange wurde. Aber trotz allem wurde die fünfstündige Fahrt mit Gesang gut beendet und Jede Familie zog in das neue Heim ein." Die Berichte ans der Siedlung waren nicht weniger „Alles war nach der angenehmen Seite hin überrascht, denn die Häuser waren entschieden schöner, als es uns geschildert worden war, Häuser mit 2—3 Zimmern nebst Küche und Torbau aus Ziegeln, von aussen und innen verputzt und der Fussboden mit Ziegelsteinen belegt. Das war die erste angenehme Ueberraschung! Wildnis? nein im Gegenteil! Die Gegend, vor allem die Waldungen sehen aus wie alte Kulturen, die Umzäunungen der Ländereien sind exakt hergerichtet. Brunnenanlage mit Pumpen für 2 Familien mit grossartigem Wasser! Jede Familie erhielt 75 ha. Land, wovon 25 ha. urbar sind und 10 ha. ausgesät z. T. mit Mais oder aber fertig zur Saat liegen. Momentan ist jeder darauf, bedacht, einen 1 ha. grossen Garten, der am Haus liegt, in Ordnung zu bringen. Pferde. Kühe und Hühner hat schon jeder bekommen, sodaß jeder schon die wichtigsten Produkte zum Lebensunterhalt selbst hat. Eine Genossenschaft sorgt für den Einbezw. Verkauf. Arbeit gibt es hier in Hülle und Fülle, aber jeder tut diese mit grösster Freude. Alle Siedler sind frohen Mutes und tun ihre Arbeit mit Begeisterung. — Um ehrlich zu sein, muß ich sagen und glaube auch, das für die anderen Kolonisten behaupten zu können, daß es uns bis heute ausgezeichnet gefällt. Für die nach uns Kommenden ist es ein verhältnismässig leichterer Schritt als es für uns war. Mit etwas Glück werden wir der Welt schon zeigen, daß wir fähig sind, ein schweres und gutes Stück Arbeit zu leisten." Die Tochter eines Siedlers schreibt: „Als wir nach Avigdor kamen, waren wir angenehm enttäuscht, wir fanden ein rotes Backsteinhaus mit 3 schönen grossen Zimmern und einer Küche vor. Es waren schon 5 Stühle, 4 Betten (Stahlmöbel) und 1 grosser Tisch da. Auf dem Tisch waren Lebensmittel und ein Sack Brot! Die Fussböden waren zementiert und die Wände weiss gestrichen. 100 m von uns wohnen unsere Nachbarn. Die Männer haben jetzt gerade einen Weg zwischen den Häusern gebaut." j Ein anderer Siedler schreibt: „Bei unserer Ankunft in Avigdor waren wir nicht enttäuscht, was uns versprochen war, fanden wir vor. Am 3. Tage unseres Hierseins wurde die Kolonie zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. Eine Ein- und Verkaufsgenossenschaft verteilt zweimal wöchentlich die erforderlichen Lebensmittel. Was uns am meisten fehlt, sind Kartoffeln, die man in Deutschland glaubt, bei jeder Mahlzeit haben zu müssen. Ob dieselben hier zum Anbau ge-' Iingen, ist vorläufig noch ein Experiment. Die Lebensmittel sind sonst im Grossen und Ganzen billig. Ich kann Ihnen heute schon versichern, die 20 Siedler werden den Anforderungen vollständig genügen, denn sie sind sich alle dessen bewusst, was man von ihnen als Pioniere erwartet Wir lesen hier gemeinsam das argentinische Tageblatt, eine deutsche Zeitung, die uns über alles gut unterrichtet. Wenn wir abends mit unserem Nachbarn, zusammen 10 Personen, vor der Tür sitzen, den klaren gewölbten Sternenhimmel über uns sehen und unsere munteren Weisen in die Nacht ertönen lassen, dann glauben wir nicht, 15000 km von Euch entfernt zu sein, denn der Mond, Jupiter, die Milchstraße, der kleine Wagen und alle anderen Gestirne stehen genau so nahe bei uns wie zu Hause." Viele in Deutschland warten auf den Erfolg dieser Siedlung, weil sie wissen, daß eine Siedlungsmöglichkeit für sie und ihre Zukunft davon abhängt, was die Menschen drüben schaffen und wie sie den Anforderungen gewachsen sind. Die ersten Monate sind in einer Kolonisation entscheidend, jedoch diese ersten Monate scheinen die Familien jetzt bestanden und damit den Beweis für ihre Fähigkeiten erbracht zu haben. Wir hoffen, daß die ICA, die in verantwortungsvoller Weise erst diesen Versuch abwarten wollte, sich bald entschliesst, weitere Familien anzusiedeln, um den Menschen, die heute ihre Existenz hier verloren haben, drüben einen neuen Lebensraum zu schaffen. H. M. Die Grundlehre Die lange geplante Grundlehre für schulentlassene Jugendliche steht nunmehr vor ihrer Eröffnung. Dazu wird mitgeteilt: Grundlehre für Jungen Drei Grundberufe sollen gelehrt werden: 1. Metallbearbeitung als erstes Ausbildungsjahr für Bauschlosser, Maschinenschlosser, Mechaniker, Dreher u. a. m. 2. Holzbearbeitung als erstes Ausbildungsjahr für Bauschreiner, Möbelschreiner, Zimmerleute. 3. Gärtnerei (Gemüsebau) als Vorbildung für Gärtner und Landwirte. Die praktische Ausbildung, die sich auf täglich 4}h Stunden erstreckt, steht unter Leitung bewährter Fachkräfte. Die Ausbildung wird ergänzt durch theoretischen Fachunterricht, Hebräisch und Judentumskunde (Religion, Schrifttum, Geschiebte, Palästinakunde u.a.m.), Lebenskunde, Deutsch und Geschichte. Den Erfordernissen der Auswanderung entsprechend werden wahlweise neuere Sprachen gelehrt. Gemeinsame tägliche Gymnastik, gemeinsame Aussprachen, Musik und Feier wollen das Gemeinschaftsbewusstsein der Jugendlichen stärken. Es ist geplant, nach Abschluss der Grundlehre für einen Teil der Jugendlichen ein zweites und drittes Ausbildungsjahr zu schaffen; ein anderer Teil wird voraussichtlich nach Palästina — etwa mit der Jugendali ja — oder nach anderen Ländern gehen. Orundlchre für Mädchen 1. Hauswirtschaftsgruppe: Vermittlung aller hauswirtschaftlichen Kenntnisse (Kochen, Hansarbeit, Waschen, Bügeln, Nähen und Flicken u. a. m.). 2. Schneidergruppe: Ausbildung in Schneidern und Wäschenähen, daneben einige Stunden hauswirtschaftlicher Praxis (im Rahmen der gewerblichen Klasse der Jüdischen Haushaltungsschule Frankfurt a. M.). 3. Gärtnergruppe: Gärtnerei (Gemüsebau) als Vorbildung für gärtnerische und landwirtschaftliche Praxis. Die Ausbildung in der hauswirtschaftlichen Grupp e soll jedes jüdische Mädchen befähigen, einen kleinen Haushalt selbständig zu führen. Darüber hinaus soll sie die Grundlage bilden für die Tätigkeit im Heimbetrieb und im Privathaushalt. Sie wird die Voraussetzung schaffen für die spätere Ausbildung in einem sozialpädagogischen oder pflegerischen Beruf und auch für die Jugendalija vorbereiten. In die Schneiderklasse werden nur Mädchen mit besonderer Begabung nach eingehender Eignungsprüfung aufgenommen. Die Schneiderklasse soll das erste Ausbildungsjahr für Schneiderin, Weissnäherin und ähnliche Berufe sein. In der Gärtnergruppe werden im ersten Ausbildungsjahr die Grundlagen für die spätere gärtnerische oder landwirtschaftliche Berufsarbeit gelegt werden. Die Ausbildung in der

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