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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-05-01 · 8 (5.1936) · p. Seite 291

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
8 (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 291 (sequence 5)
Language
German
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Seite 291 sprach sie zu ihrem Mann: „Allen Menschen gibt Gott Gutes, und du sitzt in einem finsteren Hause in Dunkelheit, sieh unsern Nachbar, er hat den König geehrt mit einem Korb voll Feigen, und dafür hat er ihm ihn gefüllt mit Goldstücken. Mach dich auf, und nimm einen grossen Korb und fülle ihn mit allerband Süssigkeiten, Aepfeln, Feigen und sonstigen schönen Früchten, die er liebt, vielleicht wird er dir auch den Korb mit Goldstücken füllen, wie er es unserm alten Nachbar getan hat". Der Mann ging, und hörte auf seine Frau, nahm einen grossen Korb und füllte ihn mit allerhand Süssigkeiten, Feigen und Aepfeln, lud ihn' auf seine Schulter und nahte sich dem König und sprach: „Herr König, ich habe gehört, dass du Früchte liebst, so bin ich gekommen, dich zu ehren mit Feigen und Aepfeln." Sprach der König zu seinen Soldaten, nehmt sie ihm ab und klatscht sie ihm ins Gesicht. Sie klatschten sie ihm ins Gesicht, bis es geschwollen war und er nicht mehr aus den Augen sehen konnte. Weinend und tief betrübt ging er nach Haus. Die Frau dachte, er käme mit einem Korb voller Goldstücke und sah ihn, wie er nun ankam, die Augen geschwollen, am ganzen Körper geprügelt und zerschlagen, und sie sprach zu ihm: „Was hat er zu dir gesagt?" Er antwortete: „w.ehe mir, dass ich auf dich gehört habe,, und hinging, den König zu ehren mit jenem Korb, ins Gesicht hat man mir die Früchte geklatscht, hätte ich womöglich noch Esrogim im Korb gehabt, man hätte mich damit gesteinigt." Wozu wird das alles erzählt? Damit man lernt, daß böse Frauen ihre Männer ins Unglück bringen, und aus dem Anfang kann man lernen, dass der Mensch nie aufhören darf zu pflanzen, so wie er Pflanzungen vorfand, soll er das .Werk fortsetzen und pflanzen, auch wenn er noch, so alt ist." Der zweite Teil der Erzählung hat mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun, er ist hier nur wiedergegeben, um zu zeigen, wie der Midrasch jede Gelegenheit benutzt, erzieherisch einzuwirken. Hier will er noch mit einem Seitenhieb den Neid strafen und aufzeigen, wie ihm vergolten wird. Die Hauptsache aber bleibt die Mahnung, wie auch Zeiten sein mögen: Pflanzet! Der Rabbiner Der Vorstand des Hamburger Synagogenverbands lud das Präsidium der Eeichsvertretung der Juden in Deutschland zur Amtseinführung des Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebach am 22. April 1936 ein, mit dem Wunsch, dass Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann-Frankfurt a. M. die Amtseinführung vornehmen möge. Bei dieser Gelegenheit hielt Herr Rabbiner Dr. Hoffmann eine Ansprache, die über die bei solchen Akten übliche Begrüßung hinaus, wichtige persönliche und programmatische Erklärungen enthielt. Wir bringen im Folgenden einen Auszug aus der bedeutsamen Rede, die uns von Hamburger Seite zugestellt wurde. Die Schriftleitung. Tatkraft und Tatwille! Wann waren sie notwendiger als in heutiger Zeit! Die rabbinische Wirksamkeit ist in unseren Tagen nach vielen Seiten hin ungemein schwierig geworden. Die Gründe sind zu bekannt, als dass sie dargelegt werden müssten. Aber in einem wichtigen Punkte, in einem letztlich entscheidendem' Punkte ist die rabbinische Wirksamkeit leichter geworden. Die Geister sind aufgeschlossener, die Gemüter empfänglicher für des Judentums Lehren und Forderungen, für jüdische Kultur, jüdische Geschichte, jüdisches Denken und jüdisches Leben. Viele jüdische Menschen, aufgewühlt und aufgelockert, suchen aus der Ferne den Heimweg. Viele, die an den Rändern des jüdischen Lebens stehen, blicken nach Wegen aus, die mitten in das jüdische Leben hineinfuhren. Andere wieder suchen Orientierung zwischen vielen. Wegen und Stegen, die, atomisiert wie nun einmal unser jüdisches Leben ist, allesamt als der jüdische Weg angepriesen werden. Bezieher des Gemeindeblatts! Gemäss behördlicher Bestimmung darf eine kostenlose Lieferung des Gemeiudeblattes nicht stattfinden. Wir richten daher an alle Mitglieder die dringende Bitte, das Bezugsgeld von RM. 0.45 pro Vierteljahr pünktlich beim Vorzeigen der Quittung zu entrichten, damit in der regelmässigen Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Erhebung des Bezugsgeldes für die Monate April bis Juni ds. Js. erfolgt im Mai 1936 durch unsere Boten. Frankfurt a. M., 30. April 1936 VORSTAND DER JSRAELITISCHEN GEMEINDE VERWALTUNG DES GEMEINDEBLATTS in unserer Zeit Alle diese Menschen brauchen kraftvolle und liebevolle Führung und Stärkung und Labung. Es laasaus lahaschem! Jetzt ist's Zeit, und jetzt ist es eine besondere Gnade, für Gott und das Judentum zu wirken. Jetzt brauchen wir Männer — ich sage dies rein persönlich, aus meiner Gesinnung und Ueberzeugung heraus — jetzt brauchen wir Männer, die erfüllt von den Ewigkeitswerten des Judentums, die beherrscht von der Grösse und Erhabenheit des Judentums, fernab von zweckhaften Zugeständnissen an taggeborehe Notwendigkeiten, das Judentum in seiner Ganzheit und Unbedingtheit, in seinem geschichtlich überlieferten Seinsinhalt und in seiner geschichtlich überlieferten Seinsform lehren und leben und — Kaul Haschern Bakauach Kaul Haschern Behodor — die ganze Kraft und Klangfülle und die ganze Schönheit und Poesie des traditionsgebundenen jüdischen Lebens ihren Gemeinden aufzeigen. Ich halte aber auch dafür, dass es heute notwendiger ist denn je, dass die Lehrer und Wortführer des traditionellen Judentums mitten in der Gemeinschaft stehen, dass sie nicht nur in abgeschiedenen homogenen Zirkeln wirken, daß sie vielmehr in den grossen Gemeinden und Verbänden und Gemeinschaften, überall, wo verantwortungsbewusste Männer zusammentreten, um jüdische Gemeinschaftsfragen zu erörtern, um jüdische Gemeinschaftsarbeit zu leisten, dass sie überall da, wo Entscheidungen fallen, die mitbestimmend sind für die Gestaltung des religiösen, kulturellen und sozialen Lebens, und die vor. allem mitbestimmend sind für die Heranbildung und Ertüchtigung des heranwachsenden Geschlechts, ihre Stimme erheben, ihre hin-

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