Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 8 (5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeinde mitglieder vierteljährlich 45 Kpfg. (einschl. Zustellungs- und Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.- zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: SammelnummerH. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. — Anzeigenverwaltung: M. Isaac & Co., Eeineckstr. 17/19, Telefon: 24888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluss für die nächste Nummer: 19. Mai 1936 — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 14. Jahrgang Frankfurt a. M., Mai 1936 Nr. 8 Der Frühjahrslehrgang des Jüdischen Lehrhauses Während die Lehrpläne des Jüdischen Lehrhauses für die Wintermonate sehr viele Bildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten zusammenfassten, bringt das soeben erscheinende Verzeichnis der Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften des Jüdischen Lehrhauses nur eine kleinere .Zahl von Kursen, die während des Frühjahrs, das heisst vom 4. Mai bis zum 2. Juli durchgeführt werden sollen. Die Erfahrungen vergangener Jahre haben die Lehrhausleiiung veranlasst, im kommenden Tertial im wesentlichen die seit langem durchgeführten Kurse weiterzuführen und nur einige neue Kurse beginnen bezw. durchführen zu lassen. Es sind vor allem die judaistischen Fächer, die auch im kommenden Lehrabschnitt stark vertreten sind. Lesen der Heiligen Schrift, hebräische Übungen für Anfänger und für „Vorgebildete, Erschliessung jüdischer literarischer Gebiete, Durchdringung jüdischer geschichtlicher Situationen, aber auch Uebungen in modernen Sprachen und manche Themen der Kunst- und Geistesgeschichte werden dem Kreis der treuen Lehrhaushörer geboten. So sehr auch bei manchen Vorlesungen und Erklärungen ein Teilgebiet aus einem grösseren, durch Jahre geführten Stoff durchdrungen wird, es ist nie ein Isoliertes, sondern immer ein Spiegel des Ganzen, was geboten wird. Deshalb darf die Lehrhausleitung hoffen, dass ihr im kommenden Lehrabschnitt auch viele Juden und Jüdinnen jeden Alters und Berufs Gefolgschaft leisten, die bisher den Weg zu der einzigartigen Möglichkeit vertiefter jüdischer Bildung noch nicht gefunden haben, die das Lehrhaus bietet. Es sollte mehr als wahrscheinlich sein, dass gerade in den Monaten, in denen die Beanspruchung weiter Kreise durch künstlerische Veranstaltungen fehlt, das Lehrhaus zur Stätte der Sammlung für alle wird, denen an der Vertiefung, Festigung oder Steigerung ihrer jüdischen Bildung gelegen ist. Wer beobachten konnte, welch nachhaltige Wirkung von manchen Persönlichkeiten des Lehrkörpers ausgeht, wer weiss, welche echte Bereicherung aus der Fülle der Vorlesungen und Uebungen zu gewinnen ist und wer andererseits die Aufgeschlossenheit der Juden, besonders unserer Stadt, für Bildungswerte kennt, wird auch dem kommenden Lehrabschnitt mit Erwartung auf sachliche und menschliche Leistung entgegensehen. Wie wir hören, plant die Leitung des Lehrhauses vor oder nach Beendigung des Frühjahrslehrgangs, eine allgemeine Hörerversammlung einzuberufen. Dabei soll auch Gelegenheit geboten werden, Wünsche, Anregungen und Erfahrungen bekannt zu geben. So wichtig für die künftige Programmgestaltung eine solche Aussprache auch sein kann, es muss vorausgesetzt werden, daß Kritik und Wunsch an tätige Mitarbeit gebunden sind. Nur dann wird das Lehrhaus auch künftig seine Stelle im geistigen und kulturellen Leben unserer Gemeinde behaupten, wenn e3 im Leben jedes Einzelnen eine Stätte findet. Die Möglichkeit zur Gestaltung unserer geistigen Welt wird dadurch für jeden zugleich zu ernster persönlicher Verantwortung. Ghr. Das Schriftwort Heiligung — Pflanzen von Max Dienemann Das neunzehnte Kapitel des dritten Buches ist einer der grundlegenden Abschnitte der Heiligen Schrift: Zunächst durch den einleitenden Satz: „Werdet heilig, denn heilig bin ICH euer Gott". In diesem Satz ist ausgesprochen, daß alles Tun des Menschen hergeleitet sein muss von dem Tun Gottes, mit anderen Worten, daß nicht der Mensch der Maßstab ist und aus sich den Maßstab des Bewertens herholen darf. Hier ist ferner die jüdische Auffassung vom Ziel des Lebens festgelegt, dass nämlich das Ziel die Heiligung des Menschen ist. Und es ist zugleich der Weg aufgezeigt, auf dem die jüdische Lehre die Kluft zwischen Gott und Mensch besiegt, nicht indem sie Gott zum Menschen herabsteigen lässt, und nicht indem sie den Menschen zu Gott aufsteigen lässt, sondern indem sie Gottes Tat am Menschen zum Vorbild der Tat des Menschen am Menschen werden lässt. Grundlegend, ist das Kapitel ferner, weil in ihm der Satz von der Nächstenliebe steht (V 18) ,,du sollst, deinen Genossen lieben, er ist wie du". Grundlegend schliesslich, weil es sich nicht auf die sittlichen Lehren beschränkt, sie allein als das zu Tuende hinstellt, sondern weil es Sittliches und Kultisches, Sittliches und — wenn dieser falsche Ausdruck einmal' gebraucht werden darf, weil er Sprachgebrauch ist — rein Keligiöses zusammenfasst, zu Zeichen dessen, dass nach jüdischer Lehre beides sein mus9, da3 sittliche Tun und das Frommsein, der Wille zum Menschen und der WMlle zu Gott. Den Einleitungssatz „werdet heilig" erläutert der Midrasch mit den Worten „seid D^EHl 53 "» übersetzen das „seid abgesondert"; wie immer man das erklären mag, man kann daraus sehen, dass der Sinn des Wortes Pharisäer, denn das ist Peruschim, der ist, daß das Ziel dieser Menschen die Heiligung war, und dass Heiligung den Sinn hat, sich von allem Gemeinen und allem Gleichmachenden abzusondern. Der Midrasch fügt noch hinzu: ,,e.s heisst, werdet heilig, denn heilig bin ICH; wenn ihr, euch selbst heiligt, rechne ich es euch, an, als hättet ihr mich geheiligt. Oder meinst du etwa, Gott wollte sagen: wenn ihr mich