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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-04-01 · 7 (4.1936) · p. Seite 270

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
7 (4.1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 270 (sequence 28)
Language
German
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Seite 270 Rankeiiiour habe sich mit komplizierten Rechtsfragen hefasst, auf die im einzelnen einzugehen, er (LordPlymouth) nicht berufen sei. Er sei dahin unterrichtet, daß die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina durch königliche Verordnung auf Grund des Foreign Jurisdiction Act von 1890 erfolgen werde. Abschnitt 11 dieses Gesetzes sehe die Möglichkeit der geplanten Verordnung vor. Dem Gesetze gemäß werde die Verordnung beiden Häusern des Parlamentes vorgelegt werden; es würde dem feststehenden Brauch widersprechen, diese Verordnung als Entwurf vorzulegen. — Elisabeth B e r g n e r, die erkrankt war, tritt demnächst wieder in London auf. Sie wird in Barries neuem Drama „Der Knabe David" die Hauptrolle in englischer Sprache spielen. Frankreich. In der am 4. März abgehaltenen ordentlichen Sitzung der Executive der Hias-Ica Emigration Association erstattete der Direktor der HICEM, Edouard Oungre, einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der HICEM zugunsten der jüdischen Auswanderer aus Deutschland sowie über den Anteil, den sie an der Organisation der direkten Auswanderung von Deutschland in die Ueberseeländer genommen hat. Im Jahre 1935 sind über 3000 Auswanderer mit Hilfe der HICEM weitergeleitet 'worden. Seit dem Beginn ihrer Tätigkeit zugunsten der Auswanderer aus Deutschland — d. h. von Mai 1933 bis Ende Februar 1936 — hat die HICEM 13667 Personen befördert. Nach einem gründlichen Meinungsaustausch wurden die Tätigkeits- und Finanzberichte für das vergangene Jahr sowie das Budget für 1936 angenommen. In der Aussprache wurde insbesondere die Notwendigkeit betont, das Kreditwerk mit Hilfe von speziellen Kassen in den Eiawanderungsländern, vor allem in Südamerika, zu verstärken. Dieses Werk gilt den Neueinwanderern aus Deutschland, die nicht in der Lage sind, Kapital auszuführen. — Prof. Eugen Mittwoch, der bekannte Berliner Orientalist, ist zum Mitglied der Academie Internationale d'Histoire des Sciences in Paris ernannt worden. — Prof. Arnold Netter, der erst vor kurzem als Nachfolger von Professor Sylvain Levi zum Präsidenten der Alliance Israelite Universelle gewählt worden war, ist in Paris während eines Vortrags, den er in der Pariser Aerzte- Gesellschaft hielt, im Alter von 81 Jahren plötzlich gestorben. Griechenland. König Georg II. von Griechenland wohnte am 25. Februar dem Gottesdienst in der Synagoge von Jänina bei. Zum Andenken wurde ihm ein goldener Thoraschmuck überreicht. Nach'dem Gottesdienst besuchte der König das jüdische Viertel. Die jüdische Bevölkerung brachte ihm, als er die Max Nordau-Strasse passierte, begeisterte Huldigungen dar. Italien. In Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste für die Wissenschaft ist der bekannte jüdische Physiker und Philosoph, Professor Federigo Enriques, Herausgeber der bedeutenden wissenschaftlichen Zeitschrift „Scientia", zum Mitglied des Institut de France ernannt worden. — Im Alter von 65 Jahren ist in Bologna der Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde, Professor Ing. Attilio M u g g i a gestorben. — In Milano (Mailand) hat sieh unter der Führung einiger Frankfurier Herren eine deutsch-jüdische Gemeinde traditioneller Richtung gebildet. 1 >er regelmässige Gottesdienst findet in einer zur Synagoge umgebauten Halle der Via Sirtori statt. In letzter Zeit konnten mehrere Bar-Mizwahfeiern begangen werden. Da hier noch Niederlassungen genehmigt werden, besteht Aussicht, daß mit der Zeit eine starke Gemeinde erblühen wird. Nähere Auskünfte erteilen: Herr Rothschild, Via Castelmorrone No. 6 und Herr Singer, Via Castelmorrone No 11. Oesterreich. Das erste Konzert des von Bronislav Hubermann gegründeten Palästina-Orchesters, das bekanntlich unter Leitung von Arturo Toseanini am 24. Oktober in Tel Awiw stattfinden wird, wird von fast allen Sendern Amerikas und Europas übernommen werden. Der berühmte Violinvirtuose Fritz Busch wird als Solist mitwirken. — Der Dichter Franz Werf el, der mehrere Wochen in Amerika zugebracht hat, um die Aufführung seines Bibelspiels „Der Weg der Verheissung", das unter der Regie von Max Reinhardt herauskommen soll, vorzubereiten, ist nach Wien zurückgekehrt. Gegenüber Pressemeldungen, die von einer Verschiebung des Termins der Erstaufführung oder *ogar von einem Scheitern des Projektes aus finanziellen Gründen wissen wollten, erklärte Werfel, die Uraufführung werde bestimmt im frühen Herbst 1936 im Manhattan Opera House in New York stattfinden. — Im 68. Lebensjahr ist in Wien der hervorragende Internist und Neurologe Professor Friedrich P i n e 1 e s gestorben. Polen. Der polnische Aussenminister Oberst Beck hat eine Abordnung des Weltverbandes der polnischen Juden im Ausland empfangen und mit ihr über die judenfeindlichen Unruhen in Polen und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Gesetzes gegen die Schechita gesprochen. Aussenminister Beck gab seinem Bedauern Ausdruck. Ausserdem gab der Minister bekannt, daß von der Regierung Pläne zur Unterstützung jener jüdischen Gemeinden erwogen werden, die infolge des teilweisen Verbots der Schechita eine Kürzung ihres Einkommens durch Ausfall der Schächtgebühren erleiden. — Im Plenum des polnischen Sejm wurde am 20. März der Gesetzentwurf über die Einführung des Betäubungszwanges bei der Schlachtung von Tieren in zweiter und dritter Lesung durchgepeitscht. Der Entwurf wurde in der von der Regierung beantragten Fassung beschlossen, der den Betäubungszwang bei der Schlachtung aller Arten von Tieren, sowie von Grossvieh als von Geflügel vorsieht. Die Zulassung eines dem Bedarf der jüdischen, karäischen und mohammedanischen Bevölkerung entsprechenden Kontigents rituell zu schachtender Tiere wird im Verordnungsweg ermöglicht. Nach der Annahme durch den Sejm wird der Gesetzentwurf nunmehr dem Senat übergeben, der die Abstimmung noch vor Beginn der Parlamentsferien, die vor den Osterfeiertagen beginnen, vornehmen wird. Damit tritt das Gesetz über die Kontigentierung der Schechita in Polen am 1. Januar 1937 in Kraft. — Der früher dem Ensemble des Berliner Jüdischen Kulturbundes angehörende Schauspieler Kurt K a t s c h hat seine mit grossem Erfolg unternommene zweite Tournee durch Polen beendet. Er wird jetzt in einem jüdischen Tonfilm „AI Chet" spielen, der in Warschau aufgeführt werden soll. Rumänien. Auf Grund eines gerichtsärztlichen Gutachtens hat der Untersuchungsrichter entschieden, daß Eural Jonescu, der ein Revolverattentat auf den Bukarester Oberrabbiner und Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft im rumänischen Senat Dr. I. Niemirower verübte, als geisteskrank und für seine Tat nicht verantwortlich anzusehen ist. Schweden. Der junge jüdische Boxer David Baltiel verteidigte bei dem Box-Landeskampf mit Erfolg den Meistertitel seiner Klasse und errang dazu den vom König gestifteten Pokal. Schweiz. Der Völkerbunds-Oberkommissar für Auswandererfürsorge, Generalmajor Neill Malcolm, hält sich in Genf auf, um die zwischenstaatliche Konferenz von Regierungsvertretern vorzubereiten, auf der der Rechtsstatus der Ausgewanderten aus Deutschland geregelt werden soll. Tschechp-Slowakei. Der Leiter der Kurbadeanstalten in Marienbad, Ing. Doberauer, ist nach Tiberias in Palästina, wohin er als Sachverständiger von der Gesellschaft The Hamei Tiberia Hotsprings berufen wurde, abgereist. — Bei den in Prag ausgetragenen Weltmeisterschaften im Tischtennis gelang es der Amerikanerin Ruth Aarons, im Finale gegen die Deutsche Krebsbach glatt 21 :16, 21 :14, 21 :11 zu siegen, wodurch sie zum ersten Mal den Weltmeistertitel errang. Vorher hatte sie die ehemalige' tschechoslowakische Weltmeisterin Kettnerova 3 : 1 ausgeschaltet. Amerika. Zweihundert aus Deutschland ausgewanderte Juden, zum grössten Teil Angehörige geistiger Berufe und Kaufleutc, sind an Bord des Dampfers Washington in New York eingetroffen. Die Einwanderer sind auf Grund regulärer Visa und von Garantien ihrer in Amerika bereits ansässigen Angehörigen zugelassen worden. — Der berühmte Violinvirtuose Y ehudi Me nuh in ist an Bord des Dampfers „Paris" in New York eingetroffen. Vertretern der Presse gegenüber äusserte ersieh mit Begeisterung über die Gründung des von Bronislav Hubermann angeregten repräsentativen palästinensischen Symphonie-Orchesters. — Im Alter von 61 Jahren ist in New York der Leiter des Erziehungswesens der Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of Amerika (HIAS), Rabbi Isaac L. Br il. gestorben. Rabbi Bril, ein gebürtiger Mainzer, war auch in der zionistischen Bewegung Amerikas sehr aktiv. Er /war der Sohn Jechiel Brils, der 1863 in Palästina die erste hebräische Zeitung „Halewanon" gegründet hatte- Die Anzeigen-Annahme des Gemeindeblattes befindet sich jetzt Reineckstrasse 17 Telefon 24888

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