Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 7 (4.1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 254 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 254 Ein Beitrag zur Statistik der Juden von Professor Dr. R. Weichbrodt Die Engländer unterscheiden drei Arien von Lügen: lies, damned lies and statistics; Quetelet, einer der Begründer der wissenschaftlichen Statistik nennt sie eine Dirne, mit der sich alles machen lasse, wenn man es nur verstehe. Solche Aeusserungen lassen erkennen, wie skeptisch viele statistischen Behauptungen gegenüber sind und auch mitunter sein müssen. Die Statistik ist ein Gebiet der Wissenschaft, das grosse Kenntnisse auf allen Gebieten des Wissens voraussetzt, sie kann nicht, wie manche glauben, im Nebenberuf erledigt werden. Zahlen sprechen wohl, aber nur dann, wenn sie richtig ausgewertet werden. Gesetzmässigkeiten kann man, wenn überhaupt, nur aus grossen Zahlen herleiten. In Württemberg z. B. haben im Jahre 1933 die Selbstmorde unter den Juden im Verhältnis zum Jahre 1932 rein statistisch ausgedrückt um 100% zugenommen. In Wirklichkeit waren es aber im Jahre 1932 nur 5 Juden, im Jahre 1933 10 Juden, al=o Zahlen, die statistisch nicht verwertbar sind, weil sie bei ihrer Kleinheit noch zu sehr dem Zufall unterworfen sind. Nun sollen aber hier nicht alle Fehler aufgezählt weiden, die auf Grund von statistischem Material zu falschen Ergebnissen führen, sondern nur ein Fehler soll herausgehoben werden, der uns Juden besonders angeht. Wer z. B. die Selbstmordstatistik in Preussen vom Jahr 1850 bis 1925 betrachtet, wird eine erschrekkende Zunahme der Selbstmorde unter den Juden feststellen. Während in dieser Zeit die Selbstmorde der Protestanten um ungefähr 80%, die der Katholiken um ungefähr 200% zugenommen haben, sehen wir bei den Juden eine Steigerung um mehr als 1000%. Um das Jahr 1850 hatten die Juden in Preussen noch die geringste Selbstmordhäufigkeit, um das Jahr 1900 übertrafen sie bereits die Katholiken und erreichten die Protestanten, jetzt ist ihre Selbstmordhäufigkeit sogar viel grösser als die der Protestanten. Im Jahre 1925/26 z. B. kamen in Preussen auf 100.000 Einwohner 15 katholische, 29 evangelische und 51 jüdische Selbstmorde. Diese Zunahme der Selbstmorde hat verschiedene Gründe. Einmal wohnen 2/3 der Juden in Großstädten, und in Großstädten ist auch die Selbstmordhäufigkeit der anderen Bevölkerung viel grösser als in Mittel- und Kleinstädten. Ausserdem sind die Juden zum großen Teil in Berufen tätig, die Krisen unterworfen sind. Ferner heiraten sie auch meist später als die andern, und die Ehe ist selbstmordhemmend. Daß psychische Störungen bei ihnen häufiger als bei anderen sind, und daß dadurch auch die größere Selbstmordhäufigkeit zu erklären wäre, ist falsch, ganz abgesehen davon, daß die psychischen Störungen bei der Selbstmordhäufigkeit nicht die Rolle spielen, die man ihnen immer noch zuweist. Alle die angeführten Gründe könnten aber nieht genügend erklären, wieso die Selbstmordhäufigkeit der Juden die der anderen Bevölkerung so ungeheuer überragt, und vor allem, wieso die Selbstmordhäufigkeit in 80 Jahren so erschreckend angestiegen ist. Nun berichtete Felix A. Theilhaber auf der Tagung des bevölkerungspolitischen Ausschusses des Preussisehen Landesverbandes jüdischer Gemeinden im Jahre 1929, daß vor 50 Jahren z. B. die Landgemeinden in den Regierungsbezirken Marienwerder, Gumbinnen, Arnsberg, Wiesbaden, Düsseldorf, Köln, Trier iund die zehnfache Geburtenziffer wie heute hatten. Mit dieser Feststellung, daß seit 50 Jahren die Geburtenziffer ständig abnimmt, ist aber die wichtigste Ursache der Zunahme der jüdischen Selbstmordhäufigkeit geklärt. Wir müssen nämlich bedenken, daß praktisch bis zum 15. Lebensjahr der Selbstmord keine Rolle spielt, sodaß man bei der Statistik die Bevölkerung bis zum 15. Lebensjahre Palestine Express Co. G. Vertretung Frankfurt-M. nach wie vor unter d. langjähr, und erfahrenen H. Kaiserstr. 46 Telef. 32601 Leitung von Fr. Marcus O Preisermäßigung auf allen O Dampfern des Lloyd Triesiino Bahnreise Frankfurt-Triest-Franldurf-M. M. Schiffsreise Triest-Haifa-Triesf.....M. 73.50 123.20 alse Frankfurt-Haifa-Frankfurt . . nur M. 196*70 Fahrpreisermäßigung auf einfache Fahrt 20*Yo Visabesorgung — Reisekreditbriefe auf Palästina — etc. 17. März 1886 — 17. Märzl936 In memoriam Leopold Zunz IL Die vierundzwanzig Bücher der HEILIGEN SCHRIFT nach 'dem masoretischen Texte in einem Bande in der Übersetzung von DR. ZUNZ H. 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