Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 7 (4.1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 251 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 251 gestürzt habe wie Luther das Papsttum? Aber Mendelssohn hatte den Talmud nicht gestürzt und nicht stürzen wollen; Geschichte kann nur durch Geschichte, nicht durch einen willkürlichen Eingriff von Menschen beseitigt werden. Mit der fortschreitenden Vertiefung in die jüdischen Quellen und das jüdische Leben gewann Zunz tieferes Verständnis für das eigene, für das Urwüchsige, für das Wertvolle, für das Religiöse im Judentum. Die Bedeutung des Irrationalen im Leben dos einzelnen und der Gesamtheit ging ihm immer deutlicher auf. Auch der Mangel an Ernst, an Selbstüberwindung auf Seiten der Reformer stiess ihn ab, er zog sich mehr und mehr auf sich selbst zurück, lebte seinen Forschungen und Idealen. Und gerade als die jüdische Refornibewegung ihren Höhepunkt erreichte, überraschte er ihre Führer durch eine Reihe von Aeusserungen, die sie als Absage gegen alle Reformbestrebungen auslegen mussten. Von einem Freunde zur Rode gestellt, fasste er seine Anschauung wie folgt scharf zusammen (1S4.5): , Die Norm für das Religiöse kann nur das Religiöse, das Gemeingültige und in lebender Ueberlieferung Hochgehaltene sein: aber dem höher gebildeten Geiste ist es gegeben, auf dieser Grundlage zu bauen. Uns müssen wir reformieren, nicht die Religion: bestehende Missbräuche, nach aussen wie im Innern, haben wir anzugreifen, nicht ein ererbtes Heiligtum. Das Geschrei gegen den Talmud ist bereits die Stellung des Apostaten". So hatte sich Zunz infolge seiner Studien und seiner Lebenserfahrungen im Laufe eines Menschenalters gewandelt. Er hatte seine Grundanschauung nicht geändert, er blieb der Kämpfer für Freisinn und Fortschritt, wenn auch ausserhalb jeder Partei. Was er suchte, war Bewegung, Aufrüttelung von Menschen, Auf- oder Umbau, nicht Zersetzung von Institutionen. Wir leben in einer Situation, die vielfach an die von Zunz Weltkultur und jüdifche Bildung von Studienrat a. D. Dr. Innerhalb der Erneuerung unseres jüdischen Daseins, in der wir stehen, spielt auch die Frage, ob Weltkultur und jüdische Bildung miteinander vereinbar sind, eine nicht unerhebliche Rolle. In der nun abgelaufenen Epoche sah es bei den Juden in Deutschland so aus, als ob die jüdische Bildung auf Kosten des allgemeinen Wissens und der Einordnung in die Weltkultur immer mehr verloren ginge. Heute ringen die Juden um die Erneuerung und Vertiefung ihres jüdischen Wissens. Der Wille, die Lücken auszufüllen und das Langversäumte nachzuholen, ist erfreulicherweise ausserordentlich gross. Jung und Alt bemüht sich um das Erlernen der hebräischen Sprache und um Beziehtingen zur jüdischen Geschichte. Dabei stellt es sich aber heraus, daß die Gefahr besteht, die Verbindung mit den Werten des allgemeinen Wissens, nennen wir es kurz „Weltkultur", zu verlieren. Ist es nun möglich, beide Dinge zu vereinigen und zu dem Ideal eines harmonisch ausgeglichenen Menschen und Juden zu gelangen? Vielleicht wird man von vornherein grundsätzlich einwerfen, daß wir von so vielen Sorgen belastet uns um solche Fragen nichtkümmern können. Solchem Widerspruch gegenüber sei es gesagt, daß die Erneuerung des Judentums ohne Vertiefung der Probleme unseres geistigen Daseins gänzlich unmöglich ist. Wir sind nicht gewillt, auf das, was wir uns im Laufe vieler Generationen geistig erarbeitet haben, zu verzichten, auch wenn uns die Fortarbeit nicht mehr so leicht ist. erinnert; die Lage ist eine andere, aber die Aufgabe eine durchaus ähnliche. Auch wir sollen Neues schaffen und durchsetzen und suchen nach einem Maßstab dafür. Wie würde ein Zunz über den Erfolg seiner Lebensarbeit urteilen? Der Gelohrte in ihm hatte würdige Nachfolge gefunden, wissenschaftliche Arbeit wird in seinem Sinne vielfältig geleistet. Aber dem Erzieher, dem Menschenbildner sind wir viel schuldig geblieben. Erst wenn ein sittlicher Totalitätsanspruch durchgesetzt ist, wird sein Name im wahren Sinne unsterblich sein! * Kuratorium und Beirat der Ztinz-Stiftnng erlassen folgenden Aufruf: Am 17. März kehrte zum fünfzigsten Male der Tag wieder, an dem Leopold Zunz in die Ewigkeit eingegangen ist. Zu tiefster Dankbarkeit hat er Mit- und Nachwelt durch seine bahnbrechenden gelehrten Werke verpflichtet. Unvergänglich aber ist seine Schöpfung, die er als ,,Wissensehaft des Judentums" bezeichnet hat. Mit dieser Anregung, das Judentum in seinen Seins- und Erscheinungsformen nach den Methoden der Wissenschart zu erforschen und darzustellen, hat er das gesamte geistige Leben des Judentums neu begründet und zu fruchtbarer Entfaltung gebracht. Die Zunz-Stiftung, die vor siebzig Jahren zu Ehren des Altmeisters errichtet wurde und die Förderung der wissenschaftlichen Forschung in seinem Sinne zur Aufgabe hat, erneuert das Gelöbnis, den Namen und das Werk von Leopold Zunz weiter in Ehren zu halten und nach dem Geiste ihrer Satzungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Ausbreitung der Wissenschaft des Judentums beizutragen. Mittwoch, Wassermann, Elbogen — Das Problem ihrer Vereinigung Willy Cohn — Breslau Wie aber gestalten wir das in Wirklichkeit? Als jüdische Lehrhäuser, Rabbinerseminare und dergl. gegründet wurden, genügte es, daß sie ihre Tätigkit auf den besonderen jüdischen Bezirk beschränkten, weil ja ihren jüdischen Hörern daneben der Besuch der Universität, Akademien tisw. offen stand. Es ist bekannt, daß die Juden von diesen Möglichkeiten weitesten Gebrauch machten. Heute werden diese Aufgaben der F o r t b i 1 d u n g auf allgemeinen Gebieten von den jüdischen Anstalten mitzuübernehmen und denjenigen zugänglich zu machen sein, die, ohne einen besonderen Zweck damit zu verbinden, lediglich darauf bedacht sind, geistig weitemiarbeiten. Die Frage der Lehrkräfte dürfte am leichtesten zu lösen sein. Viele der jüdischen Geistesarbeiter, die in Auswirkung der jüngsten gesetzlichen Massnahmen sonst keine Möglichkeit zu lehren haben, werden, oft sogar ehrenamtlich, zur Verfügung stehen können. Sie werden es heute auch als besondere jüdische Pflicht ansehen, ihr Können Juden zur Verfügung zu stellen. Schwieriger sind gewisse Probleme der inneren Einordnung. Wie schon angedeutet, liegen die Dinge nicht so einfach, daß allgemeine Bildung und jüdisches Wissen nebeneinandergolagert sind. Es wird darauf ankommen, sie organisch zu verbinden. Hier dürften sich auch bei den Lehrern schon grössere Schwierigkeiten ergeben. Mancher, der auf seinem Gebiete ein tüchtiger Fachgelehrter war, bringt nur eine geringe, oft gar keine jüdische Einstellung mit, die das jüdische Publikum von heute unbedingt er- Ch n 1 C.II. W J rh.nrh «„«. 1'Schu,bnd<3b' z' Abih»ium 6- Vorbereitung für Palästina J[ßBflBlDflllffleD Z. l.flPPÜ D. l.Mfli 1936 ÄZBkunli Ihrer Kinder mn^^säsr^Mmt^7zässssfett ™* p™»M* je 1- 11^ 3 Leitung bewährter ,ffl lmm 3 MoM,e m Meer durCh Öie Le,tun9 : I ffinflirnillnOini |l|flF0II7 Pädagogen 8. Schönste Umgebung, Sat"Ä Dr. Werner PttSer bUUUllUUlUClIll 1 IUI Ullll 4. Studienberechtigung in fast 9u,es KIima SPort Dr. M. Goldstein all. Staaten, Sprachenpflege 9. Erstklassige Verpflegung HÖhP.rß SnhlllP linrt Intfirnat 5. Werkunterricht, Landarbeit, 10. Zeitgemäße Preise-keine H°'enZ' XHjÄ f.3**If nullt/IC ObllUIG UHU IHlClllcU Haushaltkunde Transferschwierigkeiten Plan del GlUÜarl