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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-04-01 · 7 (4.1936) · p. Seite 249

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
7 (4.1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 249 (sequence 7)
Language
German
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Seite 249 Sofie Rossbach 'ü^MjgggSSZ* Neue Modelle für Frühjahr u. Sommer Umarbeitungen nach denselb. billigst wirst, sollst du sehen, w i e ich dich ehren werde. So auch als der Heilige, gelobt sei er, sprach (3. M. 6,2) „dies ist die Lehre vom Ganzopfer", sprachen sie vor ihm: Herr der Welt, der Stunde entsprechend haben wir uns dir genaht, doch, wenn du in deiner Gnade Zion Gutes tun und die Mauern Jerusalems erbauen wirst" (Ps. 51,20.21) „dann wirst du Gefallen haben an. Opfern der Gerechtigkeit, sie sind Hochgabe und Ganzopfer"." Das will heissen: Alles was der Mensch an Gabe opfert, es sei, was es wolle, Tier, wie einst im Tempel, Geld, Gebet, es ist zeitgebunden, den Umständen angepasst und unvollkommen; erst die Gerechtigkeit und Liebe, nicht an Zeit gebunden und alle Zeiten besiegend und, überdauernd, sind das vollkommene Opfer. Zugleich aber strömt aus d£n Worten des Midrasch, der das Zeitgebundene auch in Gottes Wohlgefallen eingehen lässt, eine Tröstung und Beruhigung zu uns, die wir in unserer Seele unter dem Bewusstsein leiden, wie unvollkommen und rückläufig all unsere Leistung ist, immer nur auf das Nächste gerichtet und beglückend, wenn diesem Augenblick Genüge getan ist. Auch dieses Zeitgebundene ist olah, Hochgabe, Ganzopfer. Die Tora benennt in ihren Vorschriften über die Opfer verschiedene Arten von Opfern, Ganzopfer, Sühneopfer, Schuldopfer. Eins trägt den Namen Friedensmahl, und eine besondere Art dessen ist das Dankopfer. Über dieses Dankopfer sind bemerkenswerte Aeusserungen ergangen. .,Es heisst (Ps. 50,23) „wer Dank opfert, ehrt mich". Vom Sündopfer, vom Schuldopfer ist das nicht gesagt, nur vom Dankopfer. Warum? Das Sündopfer hat seinen Zweck, Schuldopfer hat seinen Zweck, um von der Sünde loszukommen, Dankopfer hat keine Sünde zur Veranlassung". Mit anderen Worten heisst das, der Wert des Dankopfers liegt darin, daß kein auf den Menschen, der es bringt, bezogener Zweck mit ihm verbunden ist, es ist nur aus dem "Überströmen der Seele geboren, aus seinem Bedürfen, sich Gott zu nahen. Der sich Nahende will nichts für sich, er will nur Gott ehren. Das ist der wahre Gottesdienst, sein Bedürfen, Gott nahe zu kommen, in Freiheit und Zweck- und Selbstlosigkeit ausströmen zu lassen. „Einstmals", so lautet eine andere Bemerkung zu dieser Schriftstelle, „werden alle Opfer in Wegfall kommen, nur das Dankopfer nicht, alle Gebete werden in Wegfall kommen, nur das Dankgebet nicht, das ist's, was geschrieben steht (Jirmej. 33,10. 11), noch wird man hören in den Strassen Jerusalems .... Stimme der Wonne, Stimme des Bräutigams, Stimme der Braut, Stimme derer, die sprechen, danket IHM dem Umscharten, denn gütig ist ER, denn ewig ist seine Gnade; derer die Dankopfer bringen in SEIN Haus". So sagt auch Dawid (Ps. 56,13) „Deine Gelübde liegen mir ob, Dankerweisungen will ich Dir erstatten. Es heisst nicht Dank sondern Dankerweisungen, in der Mehrzahl, Dankgebet und Dankopfer"." In diesem Betonen des Wertes des Dankes und in seiner Ansetzung als das künftig allein Bleibende kommt zum Ausdruck, daß nur er als der wirklich uninteressierte, nicht vom Egoismus bewegte Gottesdienst gilt, die Anbetung schlechthin. Aber alle solche Sätze sind nicht um eines schönen Gedankens willen gesagt, sie wollten und sie sollen erziehen, sie sollen in uns, den Lesern, den Willen zur Dankbarkeit festigen, in allen Beziehungen, denn der Dienst am Menschen ist Dienst an Gott. „Es heisst (3. M. 7,37) „dies ist die Lehre für Hochgabe, Mehlepfer, für das Sündopfer und das Schuldopfer, sowie für daa Einsetzungsopfer und das Friedensmahl". Warum Friedensmahl zuletzt? Weil es in vielerlei Art sich gliedert, ein Teil kommt auf den Altar und wird dort verbrannt, ein Teil wird an die Priester gegeben, einen Teil bekommt der Eigentümer zu eigenem Genuss." Das also erscheint als das Wichtigste, woran alle Teil haben, was nicht einem nur zugemessen wird, und sei es selbst Gott, sondern daran alle ihre Freude haben. Das Opfer soll der Freude aller dienen und alle befrieden. Ein besonderes Opfer war das Pessachopfer. Ein Midrasch, der die biblische Verordnung darüber begleitet, rührt an jenes Spannungsmoment, das, wie oben gesagt, wesentliches Charakteristikum jüdischer Frömmigkeit ist. „Es heisst, (2. M. 12,43) „dies ist die Satzung des Pessach, kein Fremder darf daran essen," das ist's, was geschrieben steht (Jeschaja 56.3) „nimmer spreche der Fremde, der IHM anhangt, solche Sprache: ER trennt, ja trennt mich von seinem Volke ab," und ferner (Ijob 31,32) „draussen darf nicht bleiben der Fremde". Der Heilige, gelobt sei er, verwirft kein Geschöpf, die Tore sind offen zu jeglicher Stunde, wer eintreten will, mag eintreten". Es ist mehr als bezeichnend, daß diese den Fremden als Zugehörenden begrüssende Verse hier angeführt werden, als die Erklärung des Wortes vom Pessachopfer mit dem strengen Hinweis, „das ist's, was geschrieben steht." Die sich scheinbar widersprechenden, einander aufhebenden Sätze werden in eine Einheit gespannt; es ist hier der ewige Widerstreit von Universalismus und Partikularismus, von Weltweite und Enge, vom Sichöffnen und Sichabschliessen, Teilnehmenlassen und Ausschiiessen; oben war es der Gegensatz von Ganzsein und Gebrochensein, immer ist's eine Spannung, aus deren Überwindung Religiosität erblüht. Pessachopfer soll die Freude der einstigen Rettung festhalten (2. M. 13,10) „wahren sollst du die Satzung zu, ihrer Zeit von Jahr zu Jahr". Aber kann man Freude festhalten, wenn sie in Leid sich kehrt? „Ein Gleichnis: Ein König ehelichte eine Frau aus überseeischem Land. Aber Wogen gingen über sie weg, ehe sie endlich zu ihm kommen konnte. Und der König begrüsste sie mit den Worten: denk nicht an all die Wogen, die über dich fluteten, nur an dem Tag, an dem du ihnen entrannest, an dem denk stets meiner und begehe ihn alljährlich als Freudentag. So auch Israel, der Heilige, gelobt sei eroffenbarte sich ihnen, sie zu erlösen, und wieviel schwere Wogen gingen über es hin und er wirkte ihnen Erlösung! Darum ermahnte er es, dass es sich mit allen Erlösungen freuen soll, Jahr um Jahr." Der Schöpfer der „Wissenschaft des Judentums" Zum 50. Todestag von Leopold Zunz am 17. März von Professor Dr. I. Elbogen Noch lebende Augenzeugen berichten von dem geringen Trauergefolge, das den Leichenzug von Leopold Zunz nach dem Friedhof in der Schönhauser Allee geleitete. Sein Leben hatte weit über die Grenzen des dem Menschen gewährten Alters gereicht, Freunde und Mitstrebende waren naturgemäss ihm im Tode vorangegangen. Seit dem Heimgang seiner Frau (1874) war er überdies ein gebrochener Mann, der sich von den Menschen zurückzog. Wenige Berliner Juden wussten etwas von diesem grossen Gelehrten, der, mit nur kurzer Unterbrechung, mehr als 70 Jahre in ihrer Mitte gelebt hatte. Sie liebten und lasen zwar Heinrich Heine, ahnten aber nichts von seiner Verehrung für den vortrefflichen Zunz, „der in einer schwankenden Uebergangsperiode immer die unerschütterlichste Unwandelbarkeit offenbarte, trotz seinem Scharfsinn, seiner Skepsis, seiner Gelehrsamkeit dennoch treü. blieb dem selbstgegebenen Worte, der großmütigen Grille seiner Seele. Mann der Rede und der Tat, hat er geschaffen und gewirkt, wo andere träumten und mutlos hinsanken". Heinrich Heine hatte ihn im „Verein für Kultur und Wissen, schaft der Juden" kennen gelernt, den Zunz 1819 mit einigen Freunden begründet hatte. Der Verein hat viel versprochen, wenig geleistet, ruhmlos geendet und ist dennoch ein Markstein in der Entwicklung des neuzeitlichen Judentums geworden. In diesem Verein ist in einer Zeit der Haltlosigkeit und Zersetzung, das Wort „Historisches Judentum" geprägt worden. Das alte Judentum kannte diesen Begriff nicht, hatte ihn auch nicht nötig; es war ja selbst eine Ausprägung dieses historisch gewordenen Judentums, wenn es auch das nicht zum Bewusstsein bringen konnte. Die Jünger Mendelssohns aber hatten das Judentum nach dem Muster der Aufklärung nivelliert, ihm alles Eigenständige, Wurzelhafte genommen. Hier aber erkannten junge, an der Romantik gebildete Menschen, dass das Judentum sein ei-

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