Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 7 (4.1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 248 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 248 D a s Sc h Opfer und Sefcle, von Max Früh schon begann man damit, der biblischen Gesetzgebung über die Opfer die Hinwendung auf das Sittliche zu geben. Daß die Propheten immer wieder darauf hinwiesen, daß Opfer allein kein Dienst an Gott sind, sondern daß sie von der sittlichen Tat begleitet sein müssen, ist zu bekannt, als daß man es mit grossen Belegen wiederholen brauchte. Die von den Propheten begonnene Linie setzt sich im Midrasch fort. Und unter den mancherlei Bibelworten, auf die er dabei Bezug nimmt, ist mit das wichtigste und ausschlaggebende das Psalmwort (51,19) „Opfer vor Gott sind ein gebrochen Gemüt, ein gebrochenes, gemalmtes Herz, Gott, Du wirst's nicht verachten." Ein Babbi erklärt das folgendermasson: „Dawid sprach vor dem Heiligen, gelobt sei er, ich habe meinen Trieb geopfert und habe Umkehr getätigt vor Dir: wenn Du mich in meiner Umkehr annimmst, so weiss ich, daß Schelomo, mein Sohn, das Heiligtum wird erbauen dürfen und dort den Altar errichten und auf ihm die Opfer in Bauch aufgehen lassen wird, die in der Tora vorgeschrieben sind; darum sprach er den Satz: „Opfer vor Gott sind ein gebrochen Gemüt"." Ein anderer Babbi erklärte es so: , Woher weiß man, daß es dem, der Umkehr tätigt, so angerechnet wird, als sei er nach Jerusalem gepilgert und hätte ein Heiligtum und einen Altar erbaut und hätte dort alle Opfer gebracht, die die Tora vorschreibt? Weil es heisst „Opfer vor Gott sind ein gebrochen Gemüt (Opfer in der Mehrzahl, nicht nur ein Opfer)". Andere wieder erklären: „Woher weiss man, dass, wer als Vorbeter vor die Lade tritt, den Dienst durch die Opfer erwähnen und den Segensspruch sprechen muß ,,habe Wohlgefallen unsor Gott, der Du auf Zion gegenwärtig bist, bald mögen Deine Kinder Dir wieder dienen"? aus dem Vers wolle man es herleiten „Opfer vor Gott sind ein gebrochen Gemüt, ein gebrochenes, gemalmtes Herz. Gott, Du wirst es nicht verachten"." In einer dreifachen Stufenfolge wird hier der Psalm gedeutet. Zuerst wird ins Bewusstsein gehoben, daß die Umkehr, die innere Läuterung der Seele die Vollendung und Erfüllung des Opfers ist. Das zerbrochene, zerknirschte Herz ist das Herz, in dem die Eeue lebt, das Gefühl des Sündigseins. Daran knüpfte der liturgische Dichter an, als er in den „Liedern der Einung" den Satz prägte: , Einen Altar baue ich aus dem Zerbrochensein meines Herzens, und icli zerbreche mein Gemüt in mir". Von dieser Erkenntnis steigt man auf zur nächsten Stufe, nämlich der Erkenntns, daß solche Zerknirschung wie die Erfüllung aller Opfer ist. In der Bibel werden Unterschiede gemacht, es gibt das Opfer, das ganz auf dem Altar verbrannt wird, es gibt welche, von denen der Priester nur isst, und welche, an denen Priester und Opfernder im Mahl sich vereinen. Es gibt das Opfer um der Sünde willen, und das des Dankes und der Freude. Jedes hat seinen besonderen Inhalt und bringt eine Saite der Frömmigriftwort Dank und Freude Dienemann keit zum Schwingen; in der Zerknirschung des Gemütes aber schwingen alle Saiten der Frömmigkeit mit. Und von dieser Erkenntnis der Aufstieg zur nächsten Stufe, daß das alles nicht nur einen gelegentlichen Erlebnischarakter haben darf, sondern daß man in steter Folge dazu hingeführt werden, sieh selber hinführen muß, darum muß im Gebet auf das Opfer Bezug genommen werden, und dem Gebet muß der Charakter der Hingabe der Seele innewohnen, sonst ist es nicht Erfüllung des Opfers. Der Zielpunkt des Ganzen wird so das Gebet und die Innigkeit der betenden Seele. Dem Psalmwort wird noch eine andere Wendung gegeben. „Bab Abba bar Judän sagte, alles was der Heilige, gelobt sei er, an dem Opfertier als unbrauchbar machend erklärt hat, hat er in Bezug auf den Menschen als besonderen Vorzug benannt. Wenn ein Tier (3. M. 22,22) „blind ist oder gebrochen oder verstümmelt" ist es untauglich zum Opfer, aber des Menschen Seele ist erst in ihrer Gebrochenheit zum Opfer tauglich: „ein gebrochenes und gemalmtes Herz, Gott, Du wirst's nicht verachten"." Der Sinn: Das Innere "ist anders zu werten als das Äusserliche, was im Äusserlichen ein Schade ist, dem Gegenstand seinen Wert nimmt, das ist im Seelischen die Voraussetzung allen Wertes. Babbi Alexandri sagte, wenn irgend ein Mensch sich zerbrochener Geräte bedient, so ist das eine Schande für ihn, aber der Heilige, gelobt sei er, bedient sich zerbrochener Geräte, denn so heisst es (Ps. 34,19) ,;nahe ist Gott denen, die gebrochenen Herzens sind, die, die zermalmten Gemütes sind, erlöst er," und (Ps 147,3) „er heilt die, die zerbrochenen Herzens sind", und (Jeschaj. 57,15) „ich wohne bei den Gemalmten und erniederten Gemütes," und „Opfer vor Gott sind ein gebrochen Gemüt, ein gebrochenes, gemalmtes Herz, Gott, Du wirst's nicht verachten". Hier mündet der Midrasch in die Lehre ein, daß alles Beligiöse aus der Spannung zweier entgegengesetzter Elemente stammt, aus dem Einswerden des Gegensätzlichen. Gott ist der unendlich Erhabene, dem alles Gebrochensein verhasst ist, der den Mensch so eins mit sich will, wie Er selbst Einer ist, und zugleich schlägt er sein Zelt im Herzen dessen auf, der in der tiefsten Erniedrigung ist, im verzweiflungsvollen Gespaltensein und um dieses Zerbrochenseins willen. Alle jüdische Beligiosität erhebt sich aus dem Wissen um solche Spannungen, und weil sie immer neu gelöst werden müssen, gibt es auch im Beligiösen kein Fertigsein und Ausruhen, sondern den ewigen Weg. Der Midrasch vom Opfer des gebrochenen Gemüts schliesst mit einem Gleichnis ab: „Ein König ging durch die Wüste, da kam sein Freund und dachte ihn zu ehren, indem er ihm einen Korb Feigen brachte und ein Fass Wein. Sagte der König voll Ironie: grosse Ehre erweist Du mir! Der Freund antwortete: mein Herr und König, ich habe dich der Zeit und den Umständen entsprechend geehrt, wenn du aber in deinen Palast heimkehren DEUTSCHE EFFECTEN,UND WECHSEL,BANK „ . , , .... vormals L. A. Hahn — gegründet 1821 — Akf.-Ges. seit 1872 « ■ . _, Ct„ , Konsfabler Wache .■ Auch in den Städten: A.lTh.H.gens.r«" " FRANKFURT AM MAIN „. . . m M Osthafen „ . . ,n HD°,fst *' M; Hanauerlandmasse 125 Kaiserstrasse 30 Dalbergstrasse 3 Bockenheim . , . . . ■ ■ » * Offenbach a. M. Leipzigerstrasse 50 IndIVIdUelle D e f B I U H g Frankfurterstrasse 54