Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 6 (3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 217 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 217 ideenmäßigen und sachlichen Beeinflussung unter zionistischer Führung, wurden in den Ansprachen ihre Bedeutung gemäß hervorgehoben und gaben der anschließenden Generaldebatte das Gepräge. Während früher die gesamte Arbeit auf den Schultern eines verhältnismäßig kleinen Kreises ruhte, die große Masse dagegen sich ziemlich passiv verhielt, ist heute das Bestreben darauf gerichtet, die Masse zu politischer Gestaltung ihres Schicksals zu erziehen. An dieser Arbeit wird — dies ein Gedanke, den Kurt Blumenfeld in seiner lebhaft begrüßten Rede aussprach — der Zionismus in Deutschland besonderen Anteil haben. Seit jeher, so etwa führte er aus, habe der deutsche Zionismus eine besondere Auffassung innerhalb der Weltorganisation vertreten. Der Zionismus in Deutsehland habe ein eigenes Gesicht. Es gelte, diese Eigenart zu wahren, die vielleicht gerade heute berufen sei, von entscheidender Bedeutung für die zionistische Richtung der Gesamtbewegung zu werden. Auch an der Arbeit in Palästina sei der Anteil der aus Deutschland gekommenen Zionisten und der von ihnen vertretenen Anschauung von besonderem Gewicht. Die Hitachdut Olej Germania, deren Grüße er dem Delegiertentag überbringe, werde bei ihren Bemühungen zur Einordnung der Alija von denselben Erziehungsidealen geleitet, die das Merkmal des Zionismus in Deutschland sind. Das Wertvollste, was ins Land komme, seien die Menschen, die Kraft des Volkes. Im Interesse der Menschen, die noch ins Land kommen sollen, müsse der Zionismus in Deutschland weiterhin Erzieher, Mahner und Lehrer sein. Er müsse die Menschen dazu führen, zu wissen, daß wir begonnen haben, zu plügen und zu säen, aber dass wir noch nicht geerntet haben. Sie sollen erkennen, daß es ihre Aufgabe ist, diese Ernte einzubringen noch in unseren Tagen. Der Erfüllung dieses Anteils der zionistischen Bewegung in Deutschland an der Verwirklichung des Palästina-Aufbaus diente in den Jahren, die zwischen dem im September 1932 abgehaltenen Delegiertentag und dieser Tagung liegen, die Leistung und Bewährung dr Z. V. f. D. Ein umfangreicher, gedruckter Rechenschaftsbericht (auf den wir in unseren Blättern nochmals zurückkommen werden) spiegelt die ungewöhnliche Arbeitsfülle wider, die, zumal als Vorarbeit für die Bewältigung der jüdischen Gegenwartsaufgaben, in Deutschland geleistet wurde. Darüber sprach in großangelegtem Referat Dr. Sigfried M os e s und präzisierte eingehend die Stellung der Z. V. f. D. zu den Plänen jüdischer Auswanderung in andere Länder als Palästina, die kulturellen Forderungen des Zionismus, er betonte die Notwendigkeit organisatorischer Geschlossenheit und Disziplin und behandelte das Verhältnis zu den nicht-zionistischen Gruppen in Deutschland. Bedeutungsvoll war die grundsätzliche Äußerung zur Auswanderungsfrage. Dr. Moses erklärte, es habe sich nach der ersten unmittelbaren Wirkung der Ereignisse des Jahres 1933 in weiten Kreisen des nichtzionistischen Judentums bald das Bedürfnis gezeigt, die Anerkennung der zionistischen Leistung mit einer ideologischen Abgrenzung von den Zionisten zu verbinden. Im Herbst 1933 habe man eine Arbeitsteilung in der Art vorgeschlagen, daß die Zionisten die Auswanderung aus Deutschland zu organisieren hätten, während das Arbeitsfeld in Deutschland den nichtzionistischen Gruppen überlassen werden sollte. Jetzt wolle man die Auswanderungsfrage in der Weise zu ideologischer Abgrenzung benutzen, daß man die Auswanderung nach Ländern außerhalb Palästinas grundsätzlich den zionistischen Bemühungen gegenüberstellt. Die Haltung der Zionisten gegenüber dem Gesamtproblem der Auswanderung werde durch diese Dinge von ihrer sachlichen Linie nicht abgedrängt. Wir halten es, sagte Dr. Moses, angesichts der jüdischen Situation in Deutschland für geboten, daß neben der Auswanderung nach Palästina auch die Auswanderung in andere Länder systematisch und geordnet betrieben wvrd, und wir sind der Ansicht, daß die Kräfte der jüdischen Institutionen in Deutschland und die Hilfsbereitschaft des ausländischen Judentums auch den Dienst dieser Auswanderung zu stellen sind. Wir haben uns von jeher und in der letzten Zeit in besonderem Masse bereit erklärt, an allen dieser Aufgabe gewidmeten Arbeiten teilzunehmen; es gilt, die großen Erfahrungen, die wir bei der Ausbildung und Auswanderung der Chaluzim und bei der Transferierung jüdischer Mittelstandsvermögen nach Palästina gewonnen haben, für die Aufgaben nutzbar zu machen, die jetzt im Interesse einer Auswanderung in andere Länder in Angriff genommen werden. Wir haben niemals ein Auswanderungsmonopol für Palästina gefordert oder vorgeschlagen. Im Gegenteil haben wir es stets auch im Interesse des Palästina-Aufbaues für nötig gehalten, daß Menschen, die für Palästina keine Eignung oder keine Neigung haben, nach anderen Ländern auswandern können. Wir verlangen freilich den Primat für die Auswanderung nach Palästina, weil nur sie mehr und anderes ist als die Rettung einzelner jüdischer Individuen und zugleich auch nationalwirtschaftliche und nationalkulturelle Bedeutung hat. Ueber die Situation in der Frage der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten machte Dr. Moses u. a. folgende Ausführungen: der verstärkte Anspruch der Zionisten auf Beeinflussung der gesamtjüdischen Arbeit in einem gewissen jüdischpolitischen Sinne akzentuierte den Gegensatz zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Die Erkenntnis von der einzigartigen Bedeutung Palästinas als Einwanderungsland sei gewachsen und die Organisation des Keren Hajessod werde von einem immer größeren Teil auch nichtzionistischer Juden als eigene Organisation empfunden. Andererseits hätten sich nach einer gewissen Anfangsperiode Widerstände gegen das Vordringen des zionistischen Einflusses geltend gemacht. Darum sei es notwendig geworden, ausdrücklich zu erklären, daß dem Zionismus die sachliche Führung auf allen Lebensgebieten gebühre, auf denen zionistische Initiative den Juden Deutschlands neue Wege zu konstruktivem Aufbau und zu systematischer Hilfsarbeit gewiesen habe. Nunmehr sei der zionistische Kampf um Zubilligung des entscheidenden zionistischen Einflusses in eine neue Phase getreten. SEDER BECHER ■ SEDER-SCHÜSSELN in reicher Auswahl Juwelen — Trauringe — Armbanduhren Zuchtperlkolliers Besiecke in echt Silber und versilbert Anu. Verkauf aus Privatbesitz, stete Gelegenheiten in Juwelen Posen «Dosen „ B KAISERSTRASSES SILBERSCHMIEDE ■ nächst rossmarkt ——————— Wm FRANKrURT AM MAIN