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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-03-01 · 6 (3.1936) · p. Seite 218

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
6 (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 218 (sequence 16)
Language
German
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Seite 218 Dr. j u r. Julius Sonn Beratung von Auswanderern u. Durchlühiung aller Formalitäten, sowie Transferanträge Steuer-, Rechtsu. Devisensachen Frankfurt a M., Horst Wesselplatz 14, Ii. — Tel. 22798 Die zionistische Organisation verlange jetzt die Führung in allen zentralen und örtlichen Körperschaften, die den Gesamtplan der jüdischen Arbeit bestimmen. Wenn dieser Führungsanspruch erst jetzt erhoben werde, so sei dies dadurch bedingt, daß durch die Haltung der ganzen Judenheit Deutschlands in der Auswanderungsfrage die Berechtigung des zionistischen Programms nicht bloß in der Theorie, sondern auch in der Praxis erwiesen worden sei. Die zionistische Organisation sei zur Zusammenarbeit mit den übrigen Gruppen bereit; wenn sich aber die Lage zuspitzen sollte, weil nichtziönistische Kreise, die sich an einen zionistischen Einfluß noch nicht gewöhnen können oder wollen, erklären, daß sie es vorziehen, den Zionisten die Geschäfte ganz zu übergeben, so würden sie auch vor der Uebernahme der vollen Verantwortung nicht zurückschrecken. In den dreitägigen Verhandlungen des Delegiertentages wurde eine umfangreiche praktische Arbeit geleistet; in den Schlußanspraehen konnte ein Ausblick auf eine neue Arbeitsperiode gewiesen werden, die die Erfüllung der zionistischen Aufgaben in Deutschland in Zusammenarbeit mit der Gesamtheit des deutschen Judentums entscheidend näherbringen soll. Zum Vorsitzenden der Z. V. f. D. wurde wiedrum Dr. Siegfried Moses gewählt, dem nach erfolgter Wahl eine eindrucksvolle Vertrauenskundgebung zuteil wurde. Der neue Landesvorstand setzt sich aus 72 Mitgliedern zusammen. Aus der großen Zahl wichtiger Resolutionen, die beschlossen wurden, sei im Wortlaut wiedergegeben: Appell an die Judenheit in Deutschland „Der XXV. Delegiertentag der Z. V. f. D. wendet sich mit einem brüderlichen Appell an die Judenheit in Deutschland. Das jüdische Schicksal in einer Zeit historischer Wende und Wandlung der gesamten jüdischen Lebensgrundlage, in einer Zeit, wo große Massen des jüdischen Volkes in Bewegung und Wanderschaft geraten sind, und eine neue Form unserer Existenz aus eigener Kraft geschaffen werden muß, verlangt die Zusammenfassung aller jüdischen Energien für die Aufgabe der nationalen Erneuerung unseres Volkes, deren Krönung ein friedliches und kulturell schöpferisches jüdisches Nationalheim in Palästina sein soll. In der schweren Aufbauarbeit, deren Früchte allen Juden — und in der letzten Periode besonders auch den Juden Deutschlands — zugute kommen, bedarf der Zionismus, dessen schwere und verantwortungsvolle Aufgaben der Delegiertentag sichtbar hervortreten ljess, der Mitarbeit aller Juden. Kein Jude darf heute abseits stehen, wenn es gilt, an der jüdischen Zukunft mitzuarbeiten. Gerade in einer Zeit, in der nach einer Periode erstaunlichen ununterbrochenen Aufstiegs das Aufbauwerk in Palästina vor gewissen Schwierigkeiten steht, die der Delegiertentag rückhaltlos dargelegt, aber auch auf ihr wahres Maß zurückgeführt hat, bedarf es des Einsatzes aller Kräfte, um so mehr als die Stimme der Judenheit Deutschlands, die einen Ausweg für Tausende ihrer Menschen und insbesondere ihre Jugend sucht, gewiß nicht ungehört verhallen wird. Nur eine starke und geschlossene Zionistische Organisation, deren Mitglider von dem Bewußsein persönlicher Verpflichtung und Verantwortung erfüllt sind, kann dieser geschichtlichen Aufgabe genügen.Durch den Anschluss an die Zionistische Organisation wird jeder, der zu uns kommt, nicht nur seinen Anteil an der großen jüdischen Schöpfung unserer Zeit leisten, sondern auch das beglückende Bewußtsein empfangen, daß es über alle Not der Judenfrage hinweg einen Sinn und eine große Zukunftsperspektive im Leben des jüdischen Volkes gibt. Das Wohl des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit ist unser höchstes Ziel. Darum rufen wir von diesem Delegiertentag alle Juden, in deren Herzen die Liebe zum Judentum nicht erloschen ist, zur gemeinsamen Arbeit, zur Einreihung in die von Theodor Herzl geschaffene Zionistische Organisation, die durch geeinte Kraft das jüdische Volk zu einem neuen Leben führt." * Zur Frage der Mitarbeit zionistischer Vertreter in allgemeinjüdischen Gremien hat der XXV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutsehland eine Reihe von Beschlüssen gefasst. Die Resolutionen, die den zionistischen Führungsanspruch betreffen, haben folgenden Wortlaut: 1. ) Der Delegiertentag billigt die Erklärung des Geschäftsführenden Ausschusses vom 10. Januar 1936. 2. ) Der Delegiertentag stellt fest, daß der berechtigte Füh-. rungsanspruch der zionistischen Bewegung in vielen jüdischen Körperschaften in Deutschland noch nicht verwirklicht ist. Eine Mitverantwortung für die Arbeit der jüdischen Körperschaften ^erscheint dem Delegiertentag nur dann tragbar, wenn den Zionisten ausschlaggebender Einfluss gesichert ist. Falls dieser Forder rung nicht genügt werden sollte, ermächtigt der Delegiertentag den Geschäftsführenden Ausschuss, die zionistischen Vertreter aus den betreffenden Körperschaften zurückzuziehen. * , Als Mitglieder des Landesvorstands der Z. V. f D. sind vom Delegiertentag aus Frankfurt a. M. gewählt worden: Ar je Händler, Hugo Hecht, Rabbiner Dr. J. Hoffmann, Dr. Alfred Moser, Aenne Pomer an z, Dr. Hans Pomeranz, Alfred Reis. Der Gemeindeäusschuss der ZVfD besteht aus dem Vorsitzenden der ZVfD, dem Vorsitzenden der Unabhängigen Misrachi-Organisation Deutschlands, dem Vorsitzenden der Berliner Zionistischen Vereinigung sowie u. a. aus Hugo Hecht, Dr. Hans Pomeranz. Dem Ehrengericht gehört u. a. Dr. Hans Pomeranz an. Kulturarbeit des Monats Beim Hechaiuz Die Hunderte von Juden, jungen und alten, die dem Ruf des Hechaiuz zu einer Feier ins Vereinshaus Eschersheimerlandstrasse zu folgen bereit waren, machten es erforderlich, dass die Veranstaltung dreimal stattfinden musste. Man hatte also Erwartung an diese Kundgebung der zionistischen Jugend geknüpft und war gespannt, wie sie erfüllt würden. Sowohl in der äusseren Form der Darbietungen als in der inneren Einsatzbereitschaft, für die Idee, die den Hechaiuz beseelt, glühend zu werben, blieb kein Wunsch unerfüllt. Die mustergültige Diszipliniertheit, der Gruppen, die geschickte Ordnung des Programms, der kluge Wechsel zwischen optischen und akustischen Darbietungen übertraf alles, was bisher an künstlerisch-propagandistischer Leistung aus den Kreisen der jüdischen Bünde in Frankfurt geboten wurde. Die Lieder der unverbildeten, frischen Chöre, die scharfe rythmisierenden Sprechgruppen, die wirksamen Bildprojektionen — alles war getragen von der Devise, die die Wand des Saales" schmückte: „Ohne Arbeit keine. Heimat" und „Der Hechaiuz marschiert an der Spitze der Bewegung" (womit verständlicherweise die zionistische Bewegung gemeint war). Die Ansprache von-Schlomo R.e.ichenstein aus Eyn Charod fasste zusammen, was auf dem Wege über künstlerische Impressionen mit Steigerung der Hörerschaft vermittelt wurde: Die Einsatzbereitschaft und die Hingabe an die große Aufgabe, der sich diese ernste und doch frische Jugend geweiht hat. Ghr Kammermusik im Kulturbund Max Kowalski Iiess einen neuen, nach japanischer Lyrik von Bethge komponierten Zyklus von Liedern zur Uraufführung bringen, der das Bild seines sensiblen, vom Lärm des Tages 'abgewandten Schaffens nach der positiven Seite hin zu j ergänzen vermochte. Die hauchzarten, dichterischen Gebilde sind in eine adäquate, musikalisch feingeformte und persönlich erfühlte Klangsphäre getaucht, .deren zerfliessende impressionistische Farbe durch eine nobei geführte Gesangslinie" die' konstruktive Stütze erhält. Verwandt mit diesen leicht exotisch getönten Gesängen sind die ebenfalls zu Gehör gebrachten Miniaturen nach Texten von Hafis. Die R o k o k o - L i e b e s 1 i e d e r zeigen Kowalski als

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