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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-03-01 · 6 (3.1936) · p. Seite 216

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
6 (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 216 (sequence 14)
Language
German
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Seite 216 HANS MARCUS TR E U H'A'N DER FACH BERATER FÜR STEUER- UND DEVISE N RECHT GOETH ESTR.5 TELEFON28561 Die Israelitische Männer- und Frauenkrankenkasse Unter den vielen religiösen, charitativen und sozialen Einrichtungen, die der Israelitischen Gemeinde als ehrwürdiges Vermächtnis aus vergangenen Jahrhunderten überkommen sind, ist die Israelitische Männer- und Frauenkrankenkasse von unveränderter Wichtigkeit geblieben. Die „Kippestüb", so heisst das Heim der Krankenkasse in der Rechneigrabenstrasse unter den Frankfurter Juden, geht zurück auf die im Jahre 1739 durch Elias Maass gegründete jüdische Krankenkasse. Der Buchhalter des Bankhauses Rothschild & Söhne, Sigmund Geisenheimer, vermochte seine Chefs, die Freiherrn Anselm, Salomon, Nathan, Carl und Jakob von Rothschild für die Krankenkasse zu interessieren, sodass, als Geisenheimer im Jahre 1828 verschied, er die Gewissheit haben konnte, dass seine Krankenkasse durch den Gemeinsinn der Rothschild'schen Familie ein würdiges Heim erhalten werde. Im Jahre 1831 wurde das Haus in der Rechneigrabenstrasse eingeweiht, „Den Kranken zur Pflege, der Gemeinde zum Frommen, der Vaterstadt zur Zierde, ein Denkmal kindlicher Ehrfurcht und brüderlicher Eintracht". Ein grosser Teil der jüdischen Bevölkerung gehörte der Krankenkasse an, die Wohltaten der Stiftung kamen zahllosen Frankfurter Juden zu Gute. Heute ist das Haus in der Rechneigrabenstrasse ein Altersheim. Als solches ist es aus dem charitativen Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Die schöne Haussynagoge in der „Kippestüb" ist vielen Frankfurter Gemeindemitgliedern die Stätte ihres religiösen Dienstes. — Im Archiv'der Krankenkasse sind Erinnerungen von geschichtlichem und jüdischen Wert erhalten, eine Fundgrube für die Geschichte der Juden in Frankfurt. Die Israelitische Männer- und Frauenkrankenkasse soll jetzt zu neuer und gesteigerter Bedeutung geweckt werden Sie soll zu ihren Aufgaben, der Sorge für die' Alten und der Pflege des Gottesdienstes, ihre ursprüngliche Zielsetzung aufs neue verfolgen,soll wieder Krankenkasse werden und ihren ■ Mitgliedern in Tagen des Krankseins die materielle Belastung erleichtern. Diese alt-neue Aufgabe der Israelitischen Männer- und Frauenkrankenkasse wird in allen Kreisen freudige Unterstützung finden. Die Krankenkasse wirbt selbstlos; nicht für sich, sondern für jeden Einzelnen, der sich ihr anschliesst, zu seinem eigenen Wohle. Ghr. Bett-KatltSChe und kaVfen Sie„ H E I N E & Co. Inh.H.SeUgmann ul»»H IT»ite#ltA ^SV^' 12 e Grüneburgweg 12 a Metall-KaUtSClte haft bei Telefon «2621 Berufsausbildung für Schulentlassene (Frankfurter Grundlehre) Die im letzten Gemeindeblatt angedeuteten Pläne für eine Berufsausbildung unserer Jugend haben inzwischen konkretere Gestalt gewonnen. Es kann heute darüber folgendes mitgeteilt werden: Der geplante Lehrgang soll durchweg manuelle Berufe umfassen. Mit der Ausbildung in den praktischen Fächern soll eine geistige Weiterbildung und pädagogische Betreuung Hand in Hand gehen, bei der nicht nur die die praktische Ausbildung fördernden theoretischen Nebenfächer, sondern auch Sprachunterricht und Fächer der Allgemeinbildung berücksichtigt werden sollen. F ü r M ä d c h e n ist eine Ausbildung in drei Gruppen' gedacht, einer haus wirtschaftlichen, einer gärtnerischen und einer Gruppe TüarNähen und Schneiderei. Diese Arbeit soll den halben Tag in Anspruch nehmen, während der übrige Teil des Tages den theoretischen Fächern vorbehalten bleibt. Für Jungens sind ebenfalls drei Fachklassen vorgesehen: Schlosserei, Schreinerei und Gärtnerei. Die Grundlehre soll das erste Jahr einer dreijährigen Lehrzeit sein, nach deren Ablauf die Jungens etwa die Reife eines jungen Gesellen erreicht haben sollen Die Jungens sollen täglich 4Vs Stunden körperlich arbeiten, während der übrige Teil des Tages mit theoretischen Fächern ausgefüllt ist. Die geistige Fortbildung der Jungens und Mädchen soll sich zu einem erheblichen Teil auf die Theorie des von ihnen zu lernenden Faches erstrecken, sodaß die Schlosser und Schreiner z B. Werkzeichnen, Werkzeugkunde und ähnliches, die Mädchen Ernährungskunde und Hauswirtschaftsbuchhaltung lernen; ausserdem sollen Sprachen unterrichtet werden, wobei Hebräisch als Pflichtfach, Englisch und Spanisch als Wahlfächer gedacht sind. Auch Geschichte und Gegenwartskunde des Judentums soll Unterrichtsgegenstand sein. Lebenskunde und Biologie sollen die charakterlißhe Entwicklung und Lebenstüchtigkeit der jungen' Menschen fördern. Schliesslich soll tägliche Gymnastik in;, den Stundenplan aufgenommen werden. Um ein, geschlossenes Gemeinschaftsleben zu ermöglichen <und den Jugendlichen den wiederholten Weg zur Arbeitsstätte zu ersparen, ist die Grundlehre in Form einer Tagesschule vorgesehen, in der Frühstück, ein einfacher Mittagstisch und eine Kaffeemahlzeit eingenommen werden sollen* Die Höhe des Schulgeldes wird noch bekanntgegeben. Die Durchführung der gesamten Pläne und die Aufnahme der Schüler in die Grundlehre erfolgt durch die Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe, Quinckestr 24, nach vorheriger Verständigung des Vorstands der Israelitischen . Gemeinde. ■ Es ist zu hoffen, daß die Geldbeschaffung für die Durchführung des Plans sich ermöglichen lässt, damit unsere Jugend die Ausbildung bekommt, die sie für ihr zukünftiges Leben benötigt. Delegiertentagung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland In Anwesenheit von 300 Delegierten und einer außerordentlich grossen Zahl von Gästen wurde in Berlin am 2.-4. Februar der XXV. Delegiertentag der Z. V. f. D. in dem mit blau-weißen Farben und zionistischen Emblemen reich geschmückten Bachsaal abgehalten. Es entsprach der besonderen Bedeutung dieses Delegiertentages, der nach einer Pause von drei Jahren zum erstenmal in einer Zeit zusammentrat, die dem Zionismus in Deutschland die Lösung von Aufgaben ungeahnten Ausmaßes und unabsehbarer Tragweite für die Gestaltung jüdischen Gesamtschicksals aufgibt, daß die Veranstalter darauf verzichteten, eine Kundgebung rein repräsentativen Charakters an den Beginn ihrer Beratungen zu setzen. Der festliche äußere Rahmen hinderte nicht, daß die erwartungsvolle Spannung der großen Zuhörerschaft unmittelbar den Problemen und sachlichen Aufgaben galt, die der geschäftsführende Ausschuß in der vor dem Delegiertentag veröffentlichten programmatischen Proklamation aufgezeigt hatte. In die Erörterung dieser Probleme führten die Eröffnungsansprache des geschäftsführenden Vorsitzenden der Z. V. f. D., Dr. Franz Meyer, und das groß angelegte Referat des Vorsitzenden, Dr. Siegfried Moses, mitten hinein. Auch Kurt Blumenfeld, der frühere Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der gemeinsam mit Dr. Georg Landauer die zentralen Instanzen der zionistischen Bewegung auf dieser Tagung vertrat und ihr •' die Grüße der in Palästina unmittelbar am Aufbau teilnehmenden Zionisten aus Deutschland überbracht, stellt die Verantwortung, die der Zionismus in Deutschland gerade heute der Gesamtbe-. wegung gegenüber zu tragen hat, in den Vordergrund seiner Ausführungen. Die auch außerhalb Deutschlands unternommenen großzügigen Versuche, eine konstruktive Lösung der dringenden Gegenwartsaufgaben herbeizuführen, insbesondere die Bemühungen der Samuel-Delegation, die Frage der Zusammenarbeit mit den ausserhalb der Zionistischen Organisation stehenden Faktoren, die Probleme des Neuaufbaus jüdischen Kulturlebens in Deutschland und der Ausrichtung der jüdischen Gemeindearbeit nach den durch die Ergebnisse der Entwicklung bedingten Zielen, ihrer

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