Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 6 (3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 215 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 215 werden kann. Über das eine werden und müssen sich wohl alle klar sein: In Haus- und Küchenarbeit perfektes oder geschultes, männliches Personal ist heute genau so rar und vergriffen wie gelernte und professionelle weibliche Hausangestellte. Dafür muß hervorgehoben werden, das es geradezu erstaunlich ist, welche stattliche Zahl von Männern, gleichgültig welchen Berufs — seien es nun Handwerker, Gärtner oder Kaufleute — die Zeit ihrer Arbeitslosigkeit dazu benutzt haben, im eigenen Haushalt, in dem der Eltern oder von Bekannten mit Hitnd anzulegen und sich auf solche Weise Kenntnisse der Hausarbeit, oft sogar im Kochen, ja bisweilen im Stopfen und Flicken anzueignen. Eine Anzahl dieser Leute bringen also erhebliche Vorkenntnisse für ihre neue Arbeit mit. Bei einiger Anleitung dürften aus diesen jungen Männern bald perfekte Haus- und Küchenkünstler werden. Aber auch, wo solche Vorkenntnisse nicht vorhanden sind, wird immer der Wille mitgebracht, ganz in der neuen Art Arbeit aufzugehen. Gerade weil diese Leute schon mehr oder weniger lange arbeitslos waren, wissen sie das Glück dieser neuen Arbeitsmöglichkeit zu schätzen und werden ihre Pflichten immer mit Ernst und Gewissenhaftigkeit zu erfüllen suchen. Etwas Mühe und Geduld seitens der Hausfrauen ist freilich unerlässlich. Das Alter der Leute, die sich auf Hausarbeit umgestellt haben, ist unterschiedlich. 18-20 Jahre werden die jüngsten sein. Nach oben gibt es innerhalb des Vollbesitzes der Arbeitskraft fast keine Grenze. Diejenigen um die Dreissig, also etwa die im Alter von 27-33 Jahren, überwiegen. Nur zum kleinen Teil handelt es sich dabei um Leute aus der Grosstadt, Die meisten der Bewerber stammen aus den Kleinstädten und vom platten Lande. So war es aber ja schon immer beim Hausangestellten-Nachwuchs, so schon früher bei den Mädchen. Gar mancher wird daher noch der „Politur" bedürfen, die ihn für einen „besseren" Haushalt befähigt. Aber auch manches Mädchen musste erst erzogen, d. h. „angelernt" werden. Die Form, in der diese männlichen Hausangestellten Verwendung finden, ist ebenfalls verschieden. Im Interesse beider Teile liegt es, wenn der männliche Hausangestellte genau so vollständige Aufnahme in den Haushalt findet, wie das bei den Mädchen der Fall ist. Es stehen aber auch männliche Hausgehilfen für die Arbeit über Tage (also mit Wohnung ausser Hause) und für stundenweise Beschäftigung zur Verfügung, ebenso solche für nur grobe Haus- und Putzarbeit an einzelnen Tagen der Woche und für Gelegenheitsarbeit im Hause. Nicht selten finden sich auch verwendbare Kombinationen mit dem erlernten, früheren Beruf wie Hausarbeit und Chauffeur, Hausarbeit und Krankenpflege. Die Bezahlung entspricht etwa derjenigen, die heute Mädchen in jüdischen Haushaltungen bekommen. Leute mit guten Vorkenntnissen, insbesondere im Kochen, und in grossen Haushaltungen werden heute gut bezahlt, Leute in kleineren Haushaltungen mit geringen Vorkenntnissen, mit geringerer Arbeit und geringer Selbständigkeit entsprechend geringer. Häufig wurde für eine vorübergehende Anlern- und Eingewöhnungszeit eine etwas niedrigere Bezahlung vorgeschlagen und akzeptiert. Im grossen und ganzen ist an der Gehaltsfrage die Einstellung eines männlichen Hausangestellten eigentlich fast nie gescheitert. Für grosse llaushaltunge'n, insbesondere Villen und Einfamilienhäuser, die mehr Haushaltspersonal als eine Kraft bedürfen, hat sich eine besondere Regelung ergeben. Hier werden Hausgehilfen-Ehepaare untergebracht. Die Arbeitsverteilung ist dann gewöhnlich so, daß die Frau die Küche besorgt und daneben einen Teil des Hauses, der Mann die Heizung, evtl. den Garten, die schwere Hausarbeit und daneben noch sonst der Frau im Hause hilft. Auch die Vermittlung solcher Ehpeaare in den Haushalt hat der Verein „Berufsberatung und Arbeitsnachweis".in der Quinckestraße übernommen. Gerade hier steht reiche Auswahl zur Verfügung. Die heute besonders schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden auf dem Lande und in den kleinen Orten haben bewirkt, daß manches Ehepaar kein Auskommen mehr im bisherigen Beruf findet und sich deshalb nach einem Unterkommen in der Stadt umsieht. Es ergreift diese Möglichkeit gemeinsamer Arbeit im Haushalt gern, da sich zur Zeit nur schwer eine andere Betätigungsmöglichkeit findet. Auf der anderen Seite ist Auswanderer! Wie transferieren Sie ihr Vermögen! 1) Beratung über die Einwanderungsstaaten aus eigener Landeskenntnis (Europa u. Uebersee) 2) Bestmöglicher und schneller Vermögenstransfer 3) Immobilientausch bei Auswanderung Dr. jur. G. E. 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Dasselbe gilt noch gesteigert für Stellen, bei denen der; Mann vielleicht noch im Geschäftsbetrieb des Haushaltsvorstandes ganz oder teilweise, die Frau aber in dessen Haushalt tätig sein kann. Was die Bezahlung betrifft, so kann man sagen, daß die Beschäftigung von Ehepaaren sich billiger stellt als die Einstellung zweier einzelner Kräfte. Die Erfahrungen, die bisher in der kurzen Zeit seit dem 1. Januar d. J. mit Männern im Haushalt gemacht worden sind, sind nach den eingegangenen Berichten überwiegend gute. Die Urteile lauten fast immer: fleissig und gewissenhaft, willig und zuvorkommend. Es ist nicht zu zweifeln, daß sich diese Einrichtung auf die Dauer bewähren wird. Allerdings müssen sich die Damen des Hauses darüber klar sein, daß es auch bei ihnen liegt, ob sich auf solche Weise der fehlende Ersatz an Hausangestellten wird schaffen lassen. Bei ihnen liegt es, ob sie sich der geringen Mühe unterziehen wollen, jene jungen Männer in ihren neuen Aufgabenkreis einzuweisen. Es können keine perfekten Diener — wie manchmal angenommen wird — und keine routinierten Hausmädchen männlichen Geschlechts vermittelt werden; aber bei den Hausfrauen steht die Möglichkeit, solche aus den gebotenen Kräften heranzuziehen. Die noch yielfach vorhandene1 leise Scheu vor männlichen Hausangestellten wird überwunden werden müssen; sie ist nur ein Vorurteil wie viele andere. Man mag auf dem Standpunkt stehen, daß männliche Hausangestellte nur ein notwendiges Übel und nur Ersatz sein können, weil und soweit nicht genügend weibliche Kräft vorhanden sind. Bis auf weiteres werden wir froh sein können, daß sich dieser Ausweg hat finden lassen, sowohl im Interesse der Hausfrauen wie in demjenigen der zahlreichen, erwerbslosen jüdischen Männer und Familien. Den echten tropen festen RADIO feder Art EHRMANN Frankfurt am Main, Br Uder-Grimmstrasse 7 Rufs 43233_—_Lieferung nach allen Orten