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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-03-01 · 6 (3.1936) · p. Seite 214

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
6 (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 214 (sequence 12)
Language
German
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Seite 214 BANKHAUS S. MERZBACH Gegründet 1 832 iriiiiüiiiiiüiiiiiniiniiiiiiiiiiu Offenbach am Main — Frankfurt am Main Frankfurter Strasse 43 Kaiserstr. 14 (Hapaghaus) fizierten Hausangestellten den Arbeitsnachweis kaum in Anspruch zu nehmen brauchten. So geben die ausgewiesenen Zahlen des Angebots und der Nachfrage nach hauswirtschaftlichen Stellen die Lage nur teilweise richtig wieder und es lassen sich aus ihnen nur bedingt richtige Schlüsse ziehen. Das Mehrangebot von 700 Hausangestellten kann der um 1700 gestiegenen Nachfrage nicht ohne weiteres entgegen gestellt werden, da nur ein kleiner Teil wirklich brauchbare hauswirtschaftliche Kräfte waren und praktisch für die Vermittlung in Frage kamen. Wie gross diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage qualitativ ist, geht am besten aus den Neumeldungen im Monat Dezember hervor: ' offene Stellen: Hausangestellte: 318 Alleinmädchen 69 Alleinmädchen 17 Hausmädchen 9 Hausmädchen 8 Köchinnen 12 Köchinnen 1 Küchenmädchen 77 Haushälterinnen 28 Hausdamen Die vorhergehenden Monate ergeben alles in allem dasselbe Bild, denn insgesamt waren unter den 2145 arbeitssuchenden Hausangestellten nur: 549 eigentliche Hausgehilfinnen (Alleinmädchen und Köchinnen). Zu dieser Schwierigkeit kam hinzu, daß die Mehrzahl der von den Nürnberger Gesetzen betroffenen Haushaltungen liberal waren, während der grösste Teil der Hausangestellten rituell lebt, fast ausnahmslos die vom Lande Hinzugekommenen. Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang schliesslich bleiben, daß sehr viele Vermittlungen nicht zustande kamen, weil manche Hausangestellten in falscher Einsehätzung der „Konjunktur" unerfüllbare Lohnforderungen stellten. Auf dem Markt für kaufmännische und gewerbliche Arbeitskräfte hat sich gegenüber dem Vorjahre Wesentliches nicht ereignet. Die beträchtliche Steigerung des Artgebots: 1546 gegen 1038 im Vorjahre erklärt sich durch "den weiteren Fortgang der Gleichschaltung. Der grösste Teil der Arbeitsuchenden setzte sich ans älteren Büroangestellten und Verkäuferinnen zusammen. In Auswirkung des Gesetzes von*. 28. 8. 1934 stieg die Nachfrage nach kaufmännischen Kräften im Alter von 25-35 Jahren. Dagegen ist die Schwierigkeit, ältere Üüroangeslellte, selbst hochqualifizierte Kräfte, zu vermitteln, unvermindert bestehen geblieben. Verschlechtert hat sich auch die Lage der Verkäuferinnen. Nur für die Ausverkäufe und den Weihnachtsverkauf konnten wir eine Anzahl vermitteln. Die Möglichkeiten, eine Entlastung des kaufmännischen Stellenmarktes durch weitere Umschichtungen herbeizuführen, sind begrenzt, da die nicht oder schwer zu vermittelnden kaufmännischen Kräfte in der Mehrzahl bereits über 40 Jahre alt sind. Die Erfahrungen auf dem Gebiet der Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung waren die gleichen wie im Vorjahre. Charakteristisch war die Vorliebe für das Handwerk und die Abneigung gegen den kaufmännischen Beruf bei den Schulentlassenen. Sehr stark war während des ganzen Jahres — wohl auch in Auswirkung des Gesetzes vom 28. 8. 1934 — die Nachfrage nach kaufmännischen Lehrmädchen; allerdings wurden nur solche mit Untersekundareife gesucht. Wir waren nicht in der Lage, alle uns gemeldeten kaufmännischen Lehrstellen zu besetzen, da infolge des vorzeitigen Abgangs von Schülerinnen in den Jahren 1933 und 1934 nicht genügend Mädchen mit Untersekundareife verfügbar waren, und die Wenigen nur zum Teil eine Neigung für den kaufmännischen Beruf hatten. 751 Personen konnten wir im abgelaufenen Jahre Arbeil vermitteln — 3691 Arbeitsuchende nahmen unsere Hilfe in Anspruch — dieser Eückblick auf die Leistungen des Arbeitsnachweises der Weiblichen Fürsorge lässt leider nur allzu deutlich erkennen, wie wenig es uns trotz grösster Anstrengung möglich war, den Anforderungen gerecht zu werden. Die Ueberwindung der durch die besonderen Verhältnisse der Juden bedingten Schwierigkeiten liegt nicht in unseren Kräften. Wenn es uns gelungen ist, unseren seit dem Vorjahre, vielfach vergrösserten Aufgaben arbeitstechnisch, nachzukommen, so vor oliem deswegen, weil wir in umfangreichem Masse Unterstützung und Verständnis für unsere Arbeit, besonders bei unseren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, gefunden haben, denen .wir auch an dieser Stelle besonders danken. Männer und Ehepaare im Haushalt Zur Praxis des Hausangestelltenproblems von Dr. Arthur Loeb Es ist keine unbekannte Tatsache mehr, daß man in vielen jüdischen Haushalten in Auswirkung der Nürnberger Gesetze dazu übergegangen ist, anstelle der unzureichend vorhandenen jüdischen Hausgehilfinnen Männer als Hausangestellte zu verwenden. So fremd und ungewöhnlich im ersten Augenblick dieser Gedanke anmutet, rasch wird man für/ diesen Ausweg Verständnis finden. Es lag nahe, eine solche Gelegenheit aufzugreifen, jüngere Männer der verschiedensten Berufe und vor allem handwerklicher Ausbildung, die vielleicht seit Jahren in ihrem erlernten Fach ohne Arbeit waren, in diesem neuen Erwerbszweig, der geradezu nach Arbeitskräften schrie, unterzubringen. So ist es kein Wunder, daß die jüdischen Arbeitsnachweise allenthalben diese Möglichkeit, den Arbeitsmarkt zu entlasten, sich gern zunutze gemacht haben. In Frankfurt a/Main hat es der Verein „Berufsberatung AUSWANDERER nach E r e z u. a. ^fc | M BL| ffe Ländern kaufen ihr I A% |^| %ß Schillerstrasse 20 bei ISAAC NEUMANN und Arbeitsnachweis" in der Quinckestrasse 24 übernommen, die in den jüdischen Haushalten entstandenen Lücken auf diese Weise auszufüllen. In diesen Blättern ist in der Februar-Nummer berichtet worden, auf welche Weise eine Anzahl junger Männer durch einen vorbildenden Kurs für ihren neuen Beruf vorbereitet worden sind. Es ist auch erwähnt worden, daß alle diese so vorbereiteten jungen Leute mit Leichtigkeit und beinahe restlos in Haushaltsstellen untergekommen sind. Darüber hinaus ist aber gleichzeitig schon hervorgehoben worden, daß für eine Wiederholung eines solchen Lehrganges zunächst keine Aussicht besteht. Trotzdem hat der Arbeitsnachweis in der Quinckestrasse seinen Vorsuch, männlichen Ersatz in die freien Haushaltsstellen zu schaffen, nicht eingeschränkt, sondern er hat seine diesbezügliche Arbeit vervielfachen und die gestellten Aufgaben grösstenteils mit gutem Erfolg lösen können. Auf diese Weise ist es für einen Teil der jüdischen Hausfrauen heute schon zur Selbstverständlichkeit geworden, beim Freiwerden einer Haushaltsstelle sich auch an den Arbeitsnachweis für Männer um den Nachweis von geeigneten Kräften zu wenden. ' ' Die Hausfrauen interessiert es natürlich, welches „Material" ihnen an Kräften für ihren Haushalt zur Verfügung gestellt

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