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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-03-01 · 6 (3.1936) · p. Seite 213

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
6 (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 213 (sequence 11)
Language
German
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Seite 213 der Aufbau einer landwirtschaftlichen Siedlung mit Hilfe eines grösseren Kredits, da erfahrungsgemäss kaum die Verzinsung, in den seltensten Fällen die Eiickzahlung solcher Kredite aus landwirtschaftlichen Betrieben herausgewirtschaftet werden können. 2) Landwirtschaftliche Gemeinschaftssiedlungen. Auch beim landwirtschaftlichen Transfer liegt daher der Gedanke der Zusammenfassung von Transferenten und bereits Eingewanderten nahe. In Betracht kommen hierbei für Mittelstandseinwanderer vor allem Siedlungen auf privatwirtschaftlicher Grundlage^ unter genossenschaftlicher Zusammenfassung von Einkauf und Verkauf, eine Form, Idie für Mittelstandssiedlungen in Palästina typisch zu werden beginnt. Man kann nicht nur die Baumaterialien für die Siedlungshäuser, die hier einen relativ kleinen Prozentsatz der Gesämtkosten darstellen, sondern auch Vieh, insbesondere Kühe, landwirtschaftliche Geräte, Maschinen und Düngemittel, Rohre (diese allerdings erst wieder ab September 1936), Brunnenanlagen usw. aus Deutschland beziehen. Bei gemeinschaftlicher •^Siedlung besteht auch hier der Vorteil, daß dem Transferenten, der einen Teil der Investitionen für andere beschafft, ein grösserer Prozentsatz seines Guthabens transferiert werden kann. Da ^allerdings der landwirtschaftliche hypothekarische Kredit in Palästina erst im Aufbau begriffen ist, kann auch auf diesem "Wege nur in Ausnahmefällen die ganze Siedlung im Transferwege bezahlt werden. Der Siedler wird daneben ein Barkapital benötigen, wozü in der Regel das Vorzeigegeld genügen wird. Der Preis einer mittelständischen Siedlerstelle auf eigenem Boden bewegt sich zwischen 1.000.- und 2.500.- PL. Einzelne Klein-Siedlungen haben sich leider nicht als ausreichend tragfähig erwiesen,sodaß man heute, wenn man eine auskömmliche Wirtschaft mit genügender Bodenreserve erwerben will, durchschnittlich mit einem Preis von 1500.— bis 2.000.— PL. rechnen muß. Daneben sollte eine gewisse Barreserve für Notfälle (Missernte usw.) vorhanden sein. 3) Stadtrandsiedlungen. Erwähnt sei noch ein Zwischentyp von städtischem Wohnbau und landwirtschaftlicher Siedlung, der in letzter Zeit viel erörtert wurde, die sogenannte Stadtrandsiedlung. Hier handelt es sich um Kleinsiedlungen im näheren Umkreis der Stadt. Ausser einem bescheidenen Wohnhaus wird dem Siedler eine kleine1 Wirtschaft gestellt, etwa eine Geflügelzucht, etwas Vieh, sowie Boden für Gemüse- und Obstbau. Gedacht ist dieser Siedlungstyp für solche, die einen Beruf in der Stadt ausüben — weshalb die Siedlung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem erreichbar sein muß — und daneben durch ihre Familienmitglieder eine Wirtschaft kleineren Umfangs betreiben. Mit diesem Siedlungstyp ist beabsichtigt, städtische Existenzen krisenfest zu machen, da sie mit der Siedlung nicht nur die in Palästina besonders teuere Miete ersparen, sondern durch den landwirtschaftlichen Nebenbetrieb auch ihre Lebenshaltung weitgehend sichern können. Die Kosten einer solchen Kleinsiedlung können bei gemeinschaftlicher Projektierung ähnlich, wie dies oben für den Wohnbau und die landwirtschaftliche Siedlung dargelegt wurde, zu einem erheblichen Teil im Transferwege aufgebracht werden. * Diese Ausführungen mussten sich auf eine Skizzierung der bestehenden Möglichkeiten beschränken. Sie sollen zeigen, daß der Palästina-Transfer vielfache Möglichkeiten der Existenzgründung oder .doch der Existenzfundierung bietet. Er setzt allerdings, ganz besonders bei der zu erwartenden Neuregelung, eigene Initiative des Transferenten voraus. Die Tätigkeit des Arbeitsnachweises und der Berufsberatung der Weiblichen Fürsorge im Jahre 1935 von Sara Eisenstädt Das Jahr 1935 brachte erneut eine gewaltige Steigerung der Inanspruchnahme unserer Institution. Wesentlich dafür war: die beträchtliche Steigerung des Angebots anarbeitssuchen-- den Kräften — eine Auswirkung der besonderen Verhältnisse der jüdischen Wirtschaftslage — und, als Folge der Nürnberger Gesetze, die ausserordentliche Erhöhung der Nachfrage nach Hausangestellten. Zahlen vermögen hier mehr zu sagen als-Worte; wir setzen deshalb die statistische Übersicht an den Anfang unseres Berichts: Zahl der Arbeitsuchenden insgesamt 3691 (gegen 2484 i. Vorjahre u. 2088 . Jahre 1933), davon waren: 2145 Hausangestellte (gegen 1410 i. J. 1934 und 1329 M „ 1933.) 1546 kaufm., gewerbl. und sonst. Arbeitskräfte (gegen 1038 i. J. 1934 und „ 759 „ „ 1933.) Zahl der angebotenen Stellen insgesamt 3638 davon waren: 3247 Hausstellen (gegen 1522 i. J. 1934 und „ 1331 i. J. 1933.) und 391 Stellen in kaufm. u. gewerbl. Betrieben (gegen 369 i. J. 1934 und „ 215 „ „ 1933.) Zahl der Vermittlungen: 751 Personen, davon waren: 448 Hausangestellte, 251 kaufm. gewerbl. u. sonst. Angestellte, 'j. 51 Lehrmädchen. Gegenüber dem Vorjahre hat sich die Zahl der Arbeitsuchenden um ein Drittel erhöht, während die Nachfrage seitens der Arbeitgeber sich sogar verdoppelt hat. Die Zunahme der Arbeitsuchenden verteilt sich in fast gleichem Masse auf kaufmännisches, gewerbliches und Hauspersonal. In beiden Kategorien stieg die Zahl der angebotenen Kräfte rund um ein Drittel. Demgegenüber zeigt jedoch die Zusammensetzung der Arbeitgeber ein völlig anderes Bild. Während die Zahl der Hausstellen sich mehr als verdoppelte: von 1522 auf 3247, ist die Nachfrage nach kaufmännischen und gewerblichen Kräften gegenüber dem Vorjahre fast unverändert geblieben: 391 gegen 369. Die Zahl von 3247 Hausstellen (hiervon allein 2348 für Alleinmädchen und Köchinnen) zeigt die Auswirkung der Nürnberger Gesetze « auf unsere Arbeit, Es muß bei der Betrachtung der Zahlen überraschen, daß das Angebot an hauswirtschaftlichen Kräften gegenüber dem Vorjahre so beträchtlich gestiegen ist: 2145 gegen 1410. Noch mehr als auf dem kaufmännischen Stellenmarkt ist diese Steigerung ein Ausdruck der Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse weiter jüdischer Kreise, die glaubten, durch Übernahme von hauswirtschaftlichen Arbeiten ihre Lage verbessern zu können. Eine sehr grosse Zahl der Stellensuchenden waren über 50 Jahre alte Frauen, die vor allem als Haushälterinnen vermittelt werden wollten, darunter viele Frauen, die als Ernährerin ihrer Familie eine Hausstelle suchten, in der die Möglichkeit bestand, den Mann mit zubeschäftigen und 1-2 Kinder unterzubringen. Diese Frauen, die bisher nur ihren eigenen Haushalt versehen hatten, und auch die jungen Kräfte, die bisher hauswirtschaftlich noch nicht tätig waren, hatten begreiflicherweise das Verlangen nach besseren Hausstellen wie: frauenlosen Haushaltungen, Kindermädchenstellen, mit einem Wort leichterer Hausarbeit. Sie vor allem kamen zu uns, weil sie trotz Konjunktur keine Stellung fanden, während die quali- KOFFER REISEARTIKEL F. EHRENFELD FRANKFURT AM MAIN, ZEIL 104

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