Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-02-01 · 5 (2.1936) · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
5 (2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 196 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094431--5074-3099880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 196 Kreisen. Allerdings würgt der Todesengel in den Kreisen der Aermsten, aber auch dort liessse sich durch Sozialhygiene und Volkspflege die ärgste Armut beheben. Es soll übrigens in Krakau noch recht begüterte Kreise geben, die sich diesen Pflichtenaufgaben völlig verschliessen — trotz des Maasser-Gebotes! Unverändert fand ich die Einstellung aller Personen, mit denen ich sprach, zu der Frage der körperlichen oder Hausdienstarbeit. Die Löhne der polnischen (christlichen) Dienstmädchen sied so gering, daß man es vom Standpunkt einer gewerbetreibenden Hausfrau vielleicht verstehen kann, daß sie im Geschäft mehr verdient, als sie durch Hausarbeit ersparen würde. Aber die Verachtung der Arbeit, die man nicht innerhalb von geschlossenen Türen für sich selbst macht, ist ungeheuer, und Beth- Jakob und Benoth haben nicht das geringste Verständnis für irgendeine Berufsarbeit, die mit dem Hausdienst in irgendeiner Verbindung ist. Es gibt nur eine Erklärung, die aber noch keine Entschuldigung für die allgemeine Einstellung zu sein braucht, und zwar, daß die technische Seite des Hausdienstes unter so schwierigen und oft ekelhaften Bedingungen zu machen ist, daß man die Abneigung begreift, und daß man für manche Arbeit in den jüdischen Häusern eine Stallmagd verwenden könnte. In zionistischen Kreisen ist eine deutliche Umkehr nach dieser Eichtung zu bemerken, jedoch im Verhältnis zu den Bedürfnissen der 3*/* Millionen der Bevölkerung ist es erst der Beginn der Verwirklichung einer Idee. Eine, vielleicht die sichtbarste, Auswirkung der Kraft der Selbsthilfe ist das Fortbildungs- und Gewerbeschulwerk von Frau K1 af t en, Lemberg, das in seinen ersten Bemühungen im Zusammenhang mit der Kriegskinderhilfe gestanden hat. In einem grossen, schönen, sauberen Haus ist der Mittelpunkt einer Berufschulorganisation für Mädchen. Von Lehrkräften, die z. T. im Hause selbst ausgebildet sind, teils von anderswo herbeigeholt werden, gibt es theoretische und praktische Kurse in Schneidern, Weißnähen, Maschinenstricken, Kunststicken, Teppich weben und eine Koch- und Haushaltungsschule. Außer der technischen Ausbildung haben alle Schülerinnen noch Unterricht in polnischen Fächern — Handelsschulfächer, Nahrungsmittellehre — Hebräisch (Bibel und moderne Sprache) — Jüdische Geschichte. In dem Haus ist ein kleines Internat (Bursa) für solche Mädchen, die Keine Familie in Lemberg haben, und der wirkliche, menschliehe Mittelpunkt für alle ist Frau Klaften, die Initiatorin der ganzen Bewegung, die immer und für alle da ist, sie zu fördern und zu betreuen. Die Anstalt wird streng rituell geführt, und es sind Mädchen aus allen Kreisen und von allen Parteien da. Ich hielte es für sehr wünschenswert, wenn die Kreise der orthodoxen Richtung die Gelegenheit, ihre Mädchen technisch und praktisch anlernen zu lassen, besser benutzen würden. Eine entsprechende Einrichtung für Knaben besteht in dem Korkis-Haus, in dem Jungen vom 13. Jahre ab eine vollständige Lehre und Durchbildung in Schlosserarbeit, Maschinentechnik, Tischlerei erhalten. Knaben und Mädchen sehen gut, gesund, vergnügt aus. Daß die Jungen, die Wert darauf legen, unbeanstandet ihre Käppchen tragen, fügt sich ebenso unbeanstandet in den Musik- und Turnunterricht, und die Haushaltungsschule gibt auch nach keiner Richtung Anlass zu irgendeiner Beanstandung Die Gesamt-Gewerbeschulen des Landes sind in einem Verband zusammengeschlossen, durch den sie — je nach dem Unterschied, den die Stadt lokal bringt — prinzipiell und pädagogisch gleichmässig geführt werden. Da meine Reise den eigentlichen Zweck hatte, einen flüchtigen Einblick in die Beth-Jakob-Schulen zu haben, habe ich, getrennt von meinen allgemeinen Beobachtungen, einen Beth-Jakob-Bericht niedergeschrieben. All' die Notizen sollen nicht mehr als solche sein. Ihr letzter Zweck ist allerdings, die Aufmerksamkeit der Juden in der Welt — wenn es ginge — auf das Leben und die ganz speziellen Existenzformen der Juden in Polen zu lenken. Mein INVENTURsVERKAUF vom 27. Januar — 8. Februar bringt Ihnen Reitposten —Posten mit kleinen Fehlern in allen meinen Artikeln— auch Markenartikeln zu besonders günstigen Preisen SCHILLER¬ STRASSE 1 Herrenu. Damenwäsche — Strumpfwaren L.EP5TEI Ihr jüd. Friseur Dauerwellen, Haarfarben Parfumene-Ausschank erstklassige Bedienung zeitgemäße Preise - UJEINGPRTNER flUmiUEG ECKE GflUSSTRflSSE Altbekannt mt gute Kofferu Lederwaren zu niedrigen Preisen ist L«««« agwa* ■ »w«. oewenherz goefyestr. v Gegründet 1881 Denkt an das JWH. Hochwertige Damenstoffe HRISS INVENTUR¬ VERKAUF Rossmarkt 8,1. Lift E. KRIEGER - jetzt Friedbergerldstr. 25 Einziges jüd. Geschäft am Philanthropin Sämtl. Schulartikel f. d. Philanthropin Papier-Schreibwaren-Kurzu. Merceriewaren Photo-Labor D. Spier Hochstr. 49 Tel. 76732 OberneoideD, Lrovotien, socken wertvolle Einzelslücke zu bedeutend herabgesetzten Preisen im Inventur« Verkauf bei EF-K A-ZET Ilse Salonion Kaiserstr. 50 PORTRÄTS . P-SSBILDER Aufnahmen aflrr Art Foto-Atelier Arno KATZ Sandweg 7 Samsr Resdil. « Te). 44475 3nferieren bringt Setmnn! Tel. 29174 LEI DENHEIMER'S PßAlD ME SS u.Tee-Gebäck Täglich frisch KalbädiergasseS Uhren-Fuchs Inh. E. van Gelder ZEIL 65 L H. Zeimani. [Eigene Rep.- Werkstatt* Kaufe gut erhaltene IHer»Kiei»er BAUMANN & ANGSAM 7 Gr. SönüQuSse 7 Tel. 27097 Pen ■ e Lii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.