Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 195 (sequence 33)
- Language
- German
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Seite 195 Zeitungen. In den polnischen Beth Jakob-Schulen ist es Prinzip, daß man Jiddisch spricht. Im Gegenatz zu dem Unterricht in Palästina lässt man die hebräische Sprache nur als Gebetssprache und für die heiligen Bücher zu. Ich sehe jede Sprachenklausur als "ein Uebel an, aber im Jiddischen sind alle Entwicklungsmöglichkeiten wissenschaftlicher, literarischer und sprachlicher Art für die deutsche Sprache so gegeben, daß, wer gut Jiddisch kann, in Bälde auch ein gutes reines Deutsch sprechen und verstehen kann, was beim Hebräischen nicht der Fall ist. Eine Verminderung meiner Befriedigung darüber, daß alle jüdischen Kinder durch die Volksschulen ein richtiges Polnisch lernen, erlebte ich durch die Mitteilung, daß die Knaben den Tonfall des Cheder in ihr Polnisch mit hinübernehmen. Da das bei den Mäd- . eben nicht in Frage kommt, ist ihre Verständigung mit der christlich-polnischen Bevölkerung leichter. Nächst der grossen Bedeutung des Schulzwanges im ganzen Lande, also der Bekämpfung des Analphabetentums, waren für mich die Mitteilungen über die Wirkungen des Krieges und die Auswirkungen der Selbsthilfe das Imposanteste. Wie sich die Dinge im christlichen Polen darbieten, konnte ich nicht beobachten;-aber nie ist es mir so zu Bewusstsein gekommen, was es für Deutschland bedeutete, den Krieg nicht im Lande erlebt zu haben, als bei den Erzählungen der Kriegsereignisse im jüdischen Leben, in denen die Schlachten zwischen den Bussen, Polen und Ukrainern sich in den Strassen der Städte abspielten, und wo zu dem allgemeinen Blutvergiessen auch noch dio Pogrome kamen. In allen grossen und kleineren Städten des Landes soll man Bemühungen finden, um auf der Basis der Selbsthilfe, finanziell nur ganz gering vom Staate unterstützt, soziale und kulturelle Arbeit' zu leisten. Joint und Ica und Hilfsverein haben noch ihre Fühler im Lande, haben sich aber deutlich zurückgezogen. Die Form der Geldbeschaffung ist allerdings eine für meine Begriffe sehr befremdliche. Jeder Verein sorgt für sich selbst, hat einen Kreis von Freunden, die für grössere und kleinere Beiträge fortwährend herangezogen werden, und besonders zwei Wege scheinen mir sehr auffallend. Die geselligen Veranstaltungen, wie Bälle, Tombolas, Verlosungen usw. will ich garnicht unterstreichen, aber jeder Verein hat einmal, oder — je nach seinen Bedürfnissen — auch zweimal im Jahr das Recht auf eine Strassensammlung, jedoch die Haupteinnahmen kommen aus Bridge-Stuben, die die Vereine je nach ihrer Potenz in den Kaffeehäusern mit grosser Eleganz einrichten. Es sind mir wöchentliche und monatliche Zahlen genannt worden, die zu wiederholen sich meine Feder sträubt. Die Frage der Ausspeisung ist bei der unsagbaren Armut unter der-jüdischen Bevölkerung eine sehr wichtige. Man kann sich denken, wie die Verhältnisse sind, wenn der Jugendverein Benoth (Beth-Jakob-Jugendorganisation) in Krakau es sich zur Aufgabe gemacht hat, die jüdischen Kranken im städtischen Krankenhaus, die dort die ganze Woche über nur Kaffee und Brot zu sich nehmen, am Samstag mit einer Fleischmahlzeit zu verköstigen! Die Speiseanstalten in Lemberg, sowohl für Erwachsene wie für Kinder sind gut und sauber und reichlich. Für unsere Begriffe sehr reichlieh — es gibt jeden Tag Fleisch und fast jeden Tag Fleischsuppe — eine Lebenshaltung, die wir uns heute nicht nur nicht erlauben, sondern auch nicht vorstellen könnten. Sehr im Argen liegt, um nicht nur über Lichtseiten zu berichten, die Säuglings- und Kleinkinderfürsorge. In Lemberg gibt es 24 städtische Kinderfürsorge- und Mütterberatungsstellen, von denen einige, die in den jüdischen Armenvierteln gelegen sind, hauptsächlich von jüdischen Frauen mit ihren! Kindern aufgesucht w erden. Frauen aller Richtungen kommen. Interessant ist, daß man diese städtische Beratung glaubte, nicht am Samstag abhalten zu dürfen, und daß die jüdischen Frauen darauf bestanden haben, weil sie an allen andern Tagen ihrem Broterwerb nachgehen müssen. Weiter ist interessant, daß von den 24 städtischen Beratungsstellen eine von jüdischen Frauen frequentierte und unter einer jüdischen Beamtin und einem jüdischen Arzt stehende Beratungsstelle allein diejenige ist, mit der eine chemische Fabrik in Verbindung getreten ist, zur Beobachtung der Stadien der Schwangerschaft. In den Beratungsstellen werden Schülerinnen ausgebildet, die auch Hausbesuche machen. Eine traurige Wichtigkeit ist, daß 50% aller vorgeführten Kinder tuberkulös sind. Ueber Geschlechtskrankheiten konnte ich nichts Zuverlässiges erfahren. Säuglingspflege, Hauspflege, Krippen gibt es nicht. In Krakau lehnt man jeden Gedanken an solche Fürsorge ab. Die Sterblichkeit unter den Kindern, besondeis unter den Säuglingen, scheint sehr gross zu sein. Während man in Lemberg und anderen Städten, wo Beratungsstellen sind, mit stillschweigender Energie für Verhütung eintritt, habe ich in Krakau in den Kreisen der Agudoh und der Chassidim eine imgeheure Ablehnung derselben getroffen. Dasselbe trifft sicher für die Orthodoxie des ganzen Landes zu. In den Kreisen der Orthodoxie wird von diesen Dingen nicht gesprochen, und es erscheint als ein absoluter Gegensatz der Auffassungen, das Leben zu erhalten, wo sich Leben regt, und die unhygienische und tötende Art der Lebenshaltung in diesen Kleine Preise spielen die große Rolle Winter-Mäntel mii Sealkanin-Shawl-Kragen B0UCl6-Mäntel mit Skunks- Qlft Opossum-Shawlkragen . . . Cni Marengo-Mäntel mit wundervollem Skunks- Opossum-Shawlkragen . FlotteFlamengo-Klelder in vielen Modefaroen .... 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