Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 179 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 179 Kammermusik bei den jüdischen Tonkünstlern Ein Mittwochskonzert der jüdischen Tonkünstler Frankfurts brachte dem Publikum, das diesmal den Saal bis in die letzte Ecke füllte, einen besonderen musikalischen Genuß. Drei Kammermusikwerke der klassischen und der romantischen Zeit, jedes in seiner Art von reicher Schönheit, bildeten das Programm, und zu den beiden Mitgliedern des Kulturbundorchesters Theo Ratner (Violine) und Rudolf D ö b 1 i n (Cello) hatte sich als „prima inter pares" die-ausgezeichnete, gerade für Kammermusik besonders feinfühlige Pianistin Lilly Schwarz -Mayerhofer gesellt. Das berühmte melodiefreudige erste Klaviertrio Haydns, das bereits auf Mozart hinweist, Beethovens „Geistertrio" und op. 8, h-Bur von Brahms wurden in kultiviertem, in jeder Weise ausgeglichenem "Zusammenspiel temperamentvoll und künstlerisch vollwertig vorgetragen. Die technische, wie vor allem die geistige Erfassung der drei Vortragsstücke,, liess kaum einen Wunsch unerfüllt. Mit Recht fanden die Ausführenden starken herzlichen Beifall. Was die Freude an dem prächtigen Abend einzig etwas beeinträchtigen konnte, war ein Umstand, unter dem sicher auch die Spieler zu leiden hatten: die fast unerträgliche Hitze und Luft in der Arnold Lazarus-Halle; hoffen wir, dass der bevorstehende Umbau auch in dieser Beziehung sich günstig auswirken wird. g. seh. Lieder- und Arienabendje Das künstlerische Risiko eigener Abende wird von Konzeitgebern häufig unterschätzt. Auch die Mezzosopranistin Alice K a s s e 1 hätte ihrem Programm durch die Mitwirkung eines zweiten Solisten stärkeren Reiz geben können. Im Rahmen der ihrer Darstellungsgabe, und ihrem stimmlichen Fonds gezogenen Grenzen vermittelte die Sängerin ein sorgfältig abgetöntes, ansprechendes Bild der gewählten Lieder. Durch Arien von Gluck, Mozart, Meyerbeer und Saint-Saens befestigte die mit freundlichem Beifall bedachte Konzertgeb er in die schon im lyrischen Teil gewonnenen Eindrücke. Die Altistin Annelise Bender hatte ebenfalls ihren Hörerkreis im Trausaal der Westendsynagoge um sich versammelt. Sie weckte Beifallsfreude durch ein Programm geschmackvoll durchgeformter, mit üppigem Material vorgetragener Lieder und Arien. Die verdienstliche Aufgabe, für schaffende jüdische Musiker Frankfurts zu "Verben, erfüllte die Sängerin in Arbeiten von Rosy Geiger-Kullmann und Willy Salomon. (Es sei übrigens betont: das Fehlen der Texte auf Programmen schädigt das Niveau eines Liederabends erheblich; man sollte, wenn irgend möglich, dem Hörer das Mittel der besseren Einfühlung durch Mitlesen der Dichtung lassen.) In guter Auswahl brachte Annelise Bender von beiden' Autoren je drei Lieder, die deren starke lyrische Gestaltungsgabe bekundeten. Besonders gefiel das charmant archaisierende Lied von Salomon „Die Strassburger Münster- Engelchen". An beiden Abenden stützte Willy Salomon die Konzert: geberinnen am Flügel gewandt und anpassungsfähig wie immer. A. H. Alfred Auerbach-Abend Die Begabung des Schauspielers und Regisseurs Alfred Auerbach muß augenblicklich brachliegen; er findet weniger, als durch die Zeitumstände an sich erklärlich wäre, im szenischen Rahmen ein Wirkungsfeld. Um so stärker meldet sich in dieser Etappe der erzwungenen Ruhe als Bühnenkünstler der Dichter in ihm. Auerbach ist der geborene Fabulierer. Er erzählt absichtslos, affektlos, gewissermassen kunstlos; aber hinter dem naiven Alltagsschwatz seiner schwäbischen Leutchen, hinter den dünn gestrichelten Porträtzeichnungen steckt mehr künstlerisches Feingefühl und mehr psychologische Kenntnis als hinter manchem anspruchs- Das jüdische Blumengeschäft A. HENDLISCH Bockenheimer Landstrasse 17 (geg Rothschild-Palais) Telefon 79554 voll aufgezäumten Literaturerzeugnis. Seine Figuren sind prall und kernig, die Geschehnisse lebensnah und glaubhaft. Dem scharfen Beobachter gesellt sich der Menschenfreund, der Tier- und Naturfreund Auerbach: diese unbeirrbare Liebe zu allem Lebenden überglänzt die kleinen Prosaskizzen und Dialoge, sie gibt ihnen die persönliche, anheimelnde Note. Auerbachs Humor — des Schreibers wie des Sprechers — hat stärkere Schlagkraft als sein Witz: Die originellen „Gestalten aus dem Dorfe" und die „Schwäbischen Miniaturen" überzeugen mehr als die sanfte Satire auf das „Berliner Schallplattenatelier". Mit der Gewandtheit und Pointensicherheit des erfahrenen Vortragsmeisters, wenn auch etwas überhetzt, las Auerbach seine Manuskripte, zum grossen Vergnügen seiner zahlreichen Hörerschaft. A. H. Frankfurter Künstler auswärts Alfred Auerbach hatte mit seiner Konzertbearbeitung und verbindenden Dichtung Peer Gynt zur Griegmusik im Pressburger Sender grossen Erfolg. Der Frankfurter Bariton Hans Assenheim gab in den Kulturbünden Wiesbaden und Koblenz Lieder- und Arienabende. (In Wiesbaden gemeinsam mit der Berliner Sopranistin Erika Storm). Die Konzerte waren aussergewöhnliche Erfolge. Verpflichtungen in die Städte Karlsruhe und Heilbronn wurden bereits abgeschlossen. Julius Höxter, Jüdische Geschichte und Literatur in vergleichenden Zeittafeln. I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 1935. Julius Höxter, der Herausgeber und Verfasser des 5 bändigen Quellenbuchs zur jüdischen Geschichte und Literatur hat, „um die Brücke von einem Quellenstück zum anderen zu schlagen und die sachlichen Verbindungen und gedanklichen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Teilen und grösseren Abschnitten herzustellen" einen Band „Zeittafeln" erscheinen lassen, in dem alle Epochen der jüdischen Geschichte, der politischen, der Geistes-, der Wirtschaftsgeschichte in vergleichenden Tabellen dargestellt sind. Es fällt schwer von diesem Werk ernstesten Gelehrtenfleisses mit der Sachlichkeit zu sprechen, mit der er selbst spricht. Immer wieder ist man versucht in Superlativen den Autor für dieses Werk zu rühmen, ihm zu danken für eine Leistung, die in ihren Auswirkungen alle Gebiete jüdischer Besinnung befruchten wird. In ruhigem Flusse verzeichnet auf jeder dieser Tafeln die erste Spalte die weltgeschichtlichen Daten und Ereignisse. Wie dramatische Akzente sind daneben die Schicksale und geschichtlichen Persönlichkeiten der Juden in den Ländern abzulesen, ihr politisches Erleiden und Streben, ihre glücklichen und unglücklichen Geschicke. Und wiederum erscheinen, wie eine tiefe und. edle Melodie in den Spalten der „Kulturgeschichte" die Ereignisse des religiösen und geistigen Lebens. Von den Zeiten der Stammväter bis zu den Geschehnissen unserer Gegenwart wird hier die Geschichte der Juden dargestellt. In Stichworten nur Außergewöhnliche Preisvorteile in unserem grossen Gute Qualitäten in Seiden- und Wollstoffen weit unter Preis Inventur- Verkauf Rossmarkt 13 Schwarzschild-Ochs Gegr. 1767