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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-02-01 · 5 (2.1936) · p. Seite 177

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
5 (2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 177 (sequence 15)
Language
German
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Wie vollendet Händel, der selbst ein ausgezeichneter Bassist war, für die Singstimmen zu schreiben versteht, offenbaren mehr noch als die Ensembles die Solonummern. Die leichten, beweglichen Stimmen haben oft nicht die vom Komponisten verlangte Kraft, die robusten nicht die für die Koloraturen notwendige Geschmeidigkeit. In seltenem Masse erfüllt alle Forderungen Hermann S c h e y. Sein blühender, biegsamer, in allen Lagen untadelig durchgebildeter Bariton findet die Partnerschaft eines geistig und seelisch ausgereiften Künstlertums. Für die Tenorarien trat Herbert Hess mit hübschen Stimmitteln und intelligentem Vortrag ein. In den Frauenstimmen zwei Vertreterinnen von hervorragender Eignung: Paula Lindbergs warmer, für das oratorische Fach prädestinierter Alt hatte es nicht schwer, den Hörer zu fesseln. Reizvolle Ergänzung fand das Soloquartett durch Erika Storms hellen, gepflegten Sopran. Paul Meyer am Flügel, Herbert Fromm an der Orgel und das Kulturbund-Orchester vervollständigten die nachhaltigen Eindrücke der von Nathan Ehrenreich sorgsam vorbereiteten und zielsicher geleiteten Aufführung. A. H. Ilse Seligmann-Ziegellaub in der Gesellschaft für jüdische Volksbildung Eine Veranstaltung war am 23. Dezember dem Channukafest gewidmet. Nach dem Lichteranzünden sprach Rabbiner Dr. Seligmann über das erst in neuester Zeit in seiner wahren Bedeutung erkannte Fest, das uns ein Symbol dafür sei, daß nicht Masse, Stärke, Bildung für sich allein die eigentliche Macht der Welt darstellen, sondern die Ideen der Sittlichkeit, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Menschenliebe. Ilse Seligmann-Ziegellaub gab darauf Proben einer ausgeglichenen und beseelten Vortragskunst. Sie brachte Gedichte von Hugo Zuckermann, Max Brod, Eudolf Fuchs und Karl Wolfskehl, von Perez die ergreifende Prosaskizze „Der kranke Knabe", aus der Bibel einen Abschnitt aus der Makkabäergeschichte und die Geschichte Simsons in der Buber-Rosenzweigschen Uebersetzung. Eine Rezitation aus ostjüdischem Milieu mit Musikbegleitung beschloss den schönen Abend. E. Sch. Offenbach-Einakter im Kulturbund Eine biographische Erinnerung drängt sich auf: Als Offenbach 1855 seinen Start als selbständiger Bühnenunternehmer begann, stand ihm ein winziges Theaterchen zur Verfügung, in dem nach dem Erlass des Pariser Ministeriums nur Stücke mit 3-4 Personen aufgeführt werden durften. Einen Kleineren als Offenbach hätten die Schwierigkeiten abgeschreckt. In ihm lösten sie die besten schöpferischen Kräfte aus. Er schrieb seine entzückenden „Musiquettes", jene kleinen musikalischen Lustspiele, mit denen er Paris, mit denen er später die Welt eroberte. Von dem Überfluss seiner Produktion kann heute noch, nach rund 80 Jahren, der Frankfurter Kulturbund zehren, da er sich in ähnlicher Raumnot befindet, wie damals der Komponist. Und es ist nicht so, als ob er unter dem Zwang der Verhältnisse eine verstaubte Requisitenkammer überwundenen Theaters aufschlösse. Im Gegenteil. Die drei Einakter „Mädchen von Elizondo", „Salon P i t z e 1 b e r g e r" und „Die Hanni weint — der Hansi lacht", die er zur Schau stellt, gewinnen gerade unter dem Aspekt eines an heiteren Werken armen Gegenwartsschaffens neues Leben. Man mag im ersten und dritten Stück den Text für ein an stärkere Würze gewöhntes Publikum etwas veraltet finden. Aber der musikalische Feinschmecker kommt voll auf seine Kosten. Aus jeder einzelnen Musiknummer, und sei es das unscheinbarste Couplet, blitzt das Genie. Unübertrefflich, wie Offenbach mit ein paar Tönen oft, mit einem kleinen Motiv eine komische Situation schlagkräftig zeichnet oder erhellt, wie er Melodie und kecken Rhythmus gleichsam aus dem Handgelenk schüttelt, wie er instrumentale Effekte mit einfachsten Mitteln hinsetzt. Seine Parodie auf die „Grosse Oper" (im „Salon Pitzelberger") sucht ihresgleichen in der gesamten Musikliteratur. Steinberg Hess die Partitur in allen Lichtern einer zügigen, geistreichen, ja geradezu raffinierten Ausführung funkeln. Sein Orchester ging federnd, in bester Musizierlaune mit. Der Regisseur Willi A r o n wusste die alte Komödienhandlung geschickt aufzufrischen und zu aktualisieren, ohne die Pointen zu überspitzen. Er sorgte für Tempo und für beziehungsreiches Ineinandergreifen des Spiels. Die Bühnenbilder von Fritz Schames: treffender, schmissig, hingeworfener Rahmen für Offenbach'schen Witz Ein glücklich gewähltes Ensemble bestritt den solistischen Seite 177 BANKHAUS S. MERZBACH lllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllW lliüüüliülllillilüüllllülllil Gegründet 1832 Offenbach am Ma?n — Frankfurt am Ma>n Frankfurter Strasse 43 Kaiserstr. 14 (Hapaghaus) Teil. Edith Eisen heimer, Soubrette von Format, setzte sich für ihre beiden Rollen mit starken darstellerischen und gesanglichen Mitteln ein. (Ihre Stimme hat sich zusehends entwickelt). Ganz ausgezeichnet der Bassbuffo Walter R i e s s, ein Charakterkomiker mit erstaunlicher Stimme und Musikalität. Der „Nicht¬ Sänger" Bert Bär, überwältigender Vermittler drastischer Komik, stellte sich den Vokalisten ebenbürtig an die Seite und „ersang" sich sogar Dacapos. Herbert Hess gab mit seiner weichen, biegsamen Stimme und seiner guten Erscheinung den tenoralen Partien gewinnendes Relief. Käte Ettlinger kam durch mangelnde Bühnenroutine nicht ganz zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Senta Würzburger, Trude Kanter, Alfons Blumenthal und Robert Marx vertraten im „Salon Pitzelberger" den Chor der Gäste. Die Besucher der zweiten Aufführung spendeten an den Höhepunkten dankbaren Beifall, verhielten sich aber nach unserer Meinung doch etwas allzu „zugeknöpft". Wussten sie den Humor der Offenbach'schen Musik, der freilich nicht immer an der Oberfläche liegt, nicht ganz zu würdigen? Oder ist es so schwer, aus sich herauszugehen? Der Sänger braucht den Beifall, namentlich, wenn er auf der Bühne steht. Rührt Eure Hände, wenn Ihr Euch unterhalten und erheitert fühlt! Auch Ihr seid in der Operette Mitspieler. Fluidum, das von Euch ausgeht, trägt und befeuert den Künstler. Dr. E. Dr. jur. Julius Sonn — Steuer-, Rechtsu. Devisensachen — Beratung von Auswanderern und Durchführung aller Formalitäten Frankfurt a. M., Horst WesselpMz 14, i|. — Tel. 22798 Orchesterkonzert des Kulturbunds Die 125. Wiederkehr von Chopins Geburtstag wurde mit der Aufführung des 2 Klavierkonzerts gefeiert. Als Solistin war Rosa Etkin gewonnen. Eine bessere Wahl hätte man nicht treffen können. Das Chopinspiel dieser polnischen Künstlerin steht im Kreise der jüngeren Pianistengeneration, soweit wir sie überblicken können, wohl ohne Beispiel da. Eine vollendete Figuren- und Passagentechnik bildet die selbstverständliche Voraussetzung. Mit ihr verbindet sich eine ganz seltene Kultur des Anschlags1, die eine reiche Skala von Zwischenfarben und -stufen der Nuancierung ermöglicht und als letzte Auswirkung eine erstaunliche Entmaterialisierung des von Haus aus so spröden Klaviertons erreicht. Der virtuose Apparat wird — das ist überraschend und Den MM ■ ■ U ■ Frigidaire alle elektiisehe Gegenstände RADIO Jeder Art EHRMANN Frankfurt am Main, Briider-Grimmstrasse 7 Rufs 43233 — Lieferung nach allen Orten

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