Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 176 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 176 Lincoln Menny Oppenheimer Bankhaus Frankfurt am Main + Neue Mainzersfrasse 68 Ausführung bankmässiger Geschäfte insbesondere Vermögensverwaltungen .Anlernen, das noch durch Weiterarbeit vertieft und ausgebaut werden muss. Nahezu 15 Teilnehmer waren von der Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden und der jüdischen Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe, die auch die Kosten für die Teilnehmer vorlegte, ausgesucht. Die Auslese war durchweg glücklich. Alle Teilnehmer kamen gern zu dieser Umschichtung; ein Teil von ihnen verfügte über gewisse hauswirtschaftliche Vorkenntnisse, ein anderer kam aus verwandten Berufen (Bäcker, Konditor, Lebensmittelbranche, Krankenpflege). Zwei hatten bereits in bauswirtschaftlichen Grossbetrieben als Hilfsarbeiter Beschäftigung gehabt; weitaus die meisten waren allerdings bisher kaufmännische Angestellte gewesen. Das Alter lag zwischen 19 und 45 Jahren, es war im allgemeinen unwesentlich für diese Umschichtung; die Jüngeren waren wohl gewandter und schneller, die Aelteren ausdauernder und zuverlässiger. Beim Unterrichten dieser Klasse fiel auf, dass die Aufmerksamkeit bei der kurzen, etwa halbstündigen Vorbesprechung nicht allgemein gleich gut war. Am schlechtesten war die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, zuzuhören, mitzuüberlegen bei denjenigen, die schon lange erwerbslos waren. Dagegen war das Interesse an den naturwissenschaftlichen Grundlagen der Vor- Kiee - Tee ■ Kakao Wittum Uarran Weine-Leteiiiel WHIWB DUmIM in bekannter Güte Filialen in allen Stadtteilen gänge im Haushalt gross, grösser als bei Mädchenklassen. Die Durchführung ästhetischer und hygienischer Gesichtspunkte war schwieriger; wie überhaupt die Erziehung zur richtigen und rationellen Arbeitshaltung besonders beachtet werden musste. Die manuelle Geschicklichkeit war mit geringen Ausnahmen gut. Selbst arbeiten, wie Kleingebäck herstellen, Speisen garnieren wurden ohne Schwierigkeit auch von den Teilnehmern bewältigt, die nicht aus verwandten Berufen stammten. Die Reinigungsarbeiten erfreuten sich geringerer Beliebtheit, als Kochen und Servieren; allerdings wurden verschiedene Möglichkeiten, einen Gegenstand zu putzen, voll Interesse ausprobiert und gewertet; häufig überstieg der Kraftaufwand das notwendige Mass; die Ausdauer war manchmal gering, wieder bei denen, die schon längere Zeit der geregelten Arbeit entwöhnt waren. Beim Beaufsichtigen der Hausarbeiten musste sich aber auch die Lehrerin umstellen; z. B. hatte die Besprechung ergeben, daß man das Oberlicht eines Fensters putzt, indem man das untere Fenster Reparaturen in eig. Werkstätte llle oBoiol Ohren nehme leb bei Neokao! ib Zabiaog 25H3No- 2 geschlossen lässt und das Oberlicht nach innen geöffnet reinigt. Bei der Arbeit turnt ein Schüler auf der äusseren Fensterbank herum, sagt, ermahnt und erinnert an die Vorbesprechung: „Nur keine Angst, Fräulein----, ich war Bauarbeiter." Die Arbeitsfreude war im allgemeinen sehr gross; manchmal musste man sie sogar dämmen, um etwa zu erreichen, dass der bisherige Bäcker oder Konditor seinem nicht vorgebildeten Kollegen das Teigkneten überliess; so freudig ergriff der Fachmann seine lang vermisste Arbeit wieder. Die Lernbegierde und das Fachinteresse waren ebenfalls ausserordentlich rege; häufig probierten die Kursusteilnehmer zu Hause das Gelernte nochmals aus und teilten dann am nächsten Tag ihre Erfahrungen mit. Es ist anzunehmen, dass die sehr positive Einstellung zu der vorher ein wenig verachteten Arbeit aus der Tatsache stammt, daß hier ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit gesellen wird, eine Hoffnung auf Wiedereingeordnetsein, auf eigene Leistung mit Verdienstmöglichkeit. Einige der Teilnehmer hatten schon zu Beginn des Lehrganges eine Anstellung, andere erhielten Stellenangebote und Stellen im Laufe des Monats — all das gab selbstverständlich dem Lernen einen günstigen Auftrieb. Die Unterbringung in Stellen war natürlich bei den jungen unabhängigen Kräften am leichtesten; die älteren, die für eine Familie zu sorgen haben, sind schwieriger zu vermitteln, weil sie mehr verdienen müssen, als die Haushalte meist zahlen können Die Wiederholung eines solchen Lehrganges ist dadurch in Frage gestellt, dass es an Lehrkräften mangelt. Es könnte sonst an einer gösseren Anzahl von Anwärtern nachgewiesen werden, daß es kein „Kuriosum" ist, anstelle von nicht genügend vorhandenen weiblichen Hausgehilfen männliche anzulernen und einzustellen. Auch bei einer evtl. folgenden Auswanderung der so Vorgebildeten sind praktisch-wirtschaftliche Fähigkeiten, geschulte Handgeschicklichkeit und Wendigkeit nur von Nutzen. Kulturarbeit des Monats Judas Makkabäus Wir Juden haben alle Ursache, uns an einer Ehrung Händeis anlässlich seines 250. Geburtstages zu beteiligen. Gibt es ausser den Meistern der bildenden Künste einen Schaffenden, der so wie Händel im Buch der Bücher die Stoffe für seine Werke gefunden hätte? Die Aufführung eines seiner Oratorien stellt den Dirigenten vor grössere und kompliziertere Aufgaben, als dem Laien im allgemeinen zum Bewusstsein kommen. Fast jedes der Vokalwerke bedarf über die eigentliche Einstudierung hinaus der gründliehen Ueberlegungen hinsichtlich der Musik und des Textes. „Judas Makkabäu s", den Dr. Ehrenreichs Jüdische Chorvereinigung gemeinsam mit dem Kammerchor im Bahmen des Kulturbundes herausbrachte, liegt in zahlreichen, erheblich von einander abweichenden Bearbeitungen vor. Gerade diese Vielheit kennzeichnet die Notwendigkeit gewisser Eingriffe in den Organismus der Partitur. Es ist deshalb.immer wieder ein empfindliches Stilgefühl und bei der Ueberfülle der Nummern ein ausgeprägter Sinn für Ökonomie erforderlich, soll die Wirkung der Aufführung nicht durch Längen beeinträchtigt werden. Eine Gefahr nach dieser Richtung besteht in „Judas Makkabäus" noch besonders durch die Tatsache, dass der zweite Teil gedanklich eine Wiederholung des ersten bringt. Der Tradition weitgehend folgend, nahm der Leiter der Aufführung, Dr. Nathan Ehrenreich, eine grössere Anzahl von Strichen vor; diese hätten sich sogar ohne Schaden für das Ganze noch auf verschiedene Rezitative erweitern lassen. Händeis Oratorien stellen an den 0 h o r beträchtliche Ansprüche, und zwar nicht nur in den figurierten oder kontrapunktisch durchgeführten Abschnitten. Es ist eben das Geheimnis aller Meisterwerke, dass auch das scheinbar Einfache schwierig und problemvoll ist. In der vokal gut fundierten Chorvereinigung, die in den ausgebildeten Stimmen des Kammerchors noch eine sichere Stütze fand, hatte der Leiter einen Klangkörper von bester Beschaffenheit. *